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So, 08:02 Uhr
18.06.2017
Mario's Bücherkiste

Die Rebellen von Leipzig

Er wurde 1959 in Nordhausen geboren, hat in Redaktionen vieler großer Deutscher Zeitungen gearbeitet. Und der Mann liest gern. Für die Nordthüringer Online-Zeitungen stöbert Mario Bartsch in den Neuerscheinungen auf dem Büchermarkt...



Sie sind jung, sie leben in Leipzig und sie haben genug von Repression, Unfreiheit und klein gehalten werden. Spiegel-Autor Peter Wensierski erzählt in seinem Buch „Die unheimliche Leichtigkeit der Revolution“ die wahre Geschichte von etwa 40 jungen Leipzigern, die Ende der achtziger Jahre dem SED-Staat die Stirn boten.

Im Sommer 1989 bekommt der damalige Fernsehjournalist in West-Berlin eine Videokassette aus Leipzig zugespielt. Darin sind junge Leute im Hinterhof eines verfallenden Hauses zu sehen, die überraschend klar über das Ende der DDR sprechen. 25 Jahre nach dem Mauerfall nimmt Peter Wensierski mit den Aktivisten von einst wieder Kontakt auf.

Auf der Basis von langen Gesprächen mit den Zeitzeugen, überlieferten Protokollen der Staatssicherheit und weiteren Berichten entsteht eine authentische Geschichte über eine ungewöhnliche Gruppe junger Leute, die einen Kampf führen, den andere für aussichtslos halten. Und die spannend zu lesende Nahaufnahme eines wichtigen Augenblicks der deutschen Geschichte.

Cover (Foto: Deutsche Verlags-Anstalt) Die damals zwischen 17 und 25 Jahre alten Leipziger Oppositionellen wollen sich nicht ihr Leben von anderen vorschreiben lassen, sich nicht anpassen und verweigern sich dem System. Sie wohnen gemeinsam in Leipziger Abrisshäusern, planen in langen Nächten am See ihre nächsten Aktionen, drucken heimlich Flugblätter, feiern in ihrer illegalen Nachtbar, bis der Morgen anbricht. Am Tag demonstrieren sie in der ersten Reihe. Sie werden von der Stasi verfolgt, aber mit jeder neuen Aktion verlieren sie ein Stückchen mehr Angst und die Diktatur an Kraft.

Ohne Handys und Internet sind sie Teil eines Netzwerks, das größer ist als Leipzig – es reicht von Berlin nach Prag, von Ost nach West. Sie bringen schließlich andere Menschen auf die Straße, selbst wenn ihre Transparente von der Staatsmacht heruntergerissen werden, auf denen sie geschrieben haben: „Für ein offenes Land mit freien Menschen!“

Geschrieben hat Wensierski das Buch besonders für junge Leute. Und für alle, die glauben, die Ereignisse von 1989 zu kennen. „Es ist ein inspirierendes Buch über die Kraft und die Möglichkeiten des Einzelnen, über Meinungsfreiheit und Menschenwürde“, sagt Wensierski selbst über sein Werk.

Über den Autor: Peter Wensierski, geboren 1954, begann seine Arbeit als Journalist 1979 mit Berichten und Reportagen aus der DDR. Er war damals der jüngste westliche Reisekorrespondent. Als Dokumentarfilmer, Reporter und Buchautor berichtete er über die aufkommende Oppositionsbewegung. Seit 1993 arbeitet er beim SPIEGEL im Deutschlandressort. Mit dem Buch „Schläge im Namen des Herrn“ eröffnete er 2005 die Debatte über Missbräuche in der Heimerziehung. Sein 2014 erschienenes Buch „Die verbotene Reise“ über eine ungewöhnliche Flucht aus der DDR wurde ein Bestseller.
Mario Bartsch

Peter Wensierski: „Die unheimliche Leichtigkeit der Revolution“
Gebundenes Buch; 464 Seiten
Deutsche Verlags-Anstalt; 2017
19,99 Euro
ISBN 978-3-421-04751-9
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