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Mo, 06:42 Uhr
02.10.2017
Naturschauspiel

Tödliche Schönheit: Die Herbst-Zeitlose blüht

Die Krokuswiesen im sächsischen Drebach sind berühmt und alljährlich im März ein Touristenmagnet. Im Südharz gibt es Ähnliches, allerdings im Oktober und mit einer anderen Art, der Herbst-Zeitlosen...

Tödliche Schönheit (Foto: Bodo Schwarzberg)
Auf einigen der wenigen noch gemähten Bergwiesen im Landkreis Nordhausen kommen alljährlich oft hunderte, wenn nicht tausende Pflanzen dieses Liliengewächses zur Blüte. Ihr leuchtendes Violett ist zu dieser Jahreszeit meist der einzige Farbtupfer im verblassenden, sommerlichen Grün der Wiesen. Das hier angefügte Foto entstand gestern im Raum Ilfeld.

Die Pflanze mit dem poetischen Namen Herbst-Zeitlose fällt aber nicht nur durch ihre späte Blütezeit bis Oktober und ihre enorme Giftigkeit aus dem Rahmen. Auch die Tatsache, dass sich die Blüte vor den schmalen, leicht rinnigen Blättern aus dem Boden schiebt und die im laufenden Jahr frisch in der sehr tief liegenden Knolle gespeicherten Nährstoffe anzapft, ist eine Besonderheit.

Gegenwärtig sucht man also vergeblich nach den Blättern. Diese entwickeln sich erst im Frühjahr und sind dann ob ihrer Gestalt und Länge meist gut zu sehen. Auch die Fruchtbildung vollzieht sich ungewöhnlicherweise zwischen dem Herbst und der neuen Vegetationsperiode geschützt vor Schnee und Frost im Verborgenen. Erst im April oder Mai erscheint die dreiteilige Kapsel in der Mitte der sich entwickelnden Blattrosette an der Oberfläche.

Die schwarzen, kugeligen Samen enthalten, wie auch die anderen Pflanzenteile eines der stärksten heimischen Gifte, das Colchizin. Der Verzehr der Herbst-Zeitlosen endet schnell tödlich, die Hälfte einer Versuchstiergruppe aus Mäusen verendet bereits bei 5,89 mg Gift pro kg Körpergewicht bei peroraler Verabreichung. Das von uns Menschen subjektiv gefällte Urteil "schön" ist in der Natur nicht selten mit dem objektiv gültigen Urteil "giftig" verbunden.

Tödliche Schönheit (Foto: Bodo Schwarzberg)
Bisher erwies sich Colchizin als zu giftig für den Einsatz in manchen medizinischen Bereichen. Verwendung findet es aber in der Gichttherapie und in der Forschung: Grundlegende Mechanismen bei der Zellteilung werden durch Colchizin verändert (Mitose). Auch Weidetiere sind nicht immun gegen das Colchizin. Allerdings können sich Schafe und Ziegen allmählich an das Gift gewöhnen und vertragen höhere Dosen.

Vorsicht ist Bärlauchsammlern angeraten: Ab und an verwechseln sie das beliebte Lauchgewächs mit den Blättern der Herbst-Zeitlose - mit uunter Umständen fatalen Folgen. Jedoch sind die glatten Bärlauch-Blätter im Gegensatz zu den leicht längsfaltigen Blättern der Herbst-Zeitlosen gestielt - und sie verströmen den unverkennbaren knoblauchartigen Geruch. Außerdem ist die Herbst-Zeitlose eine Pflanze nährstoffreicher, frischer Wiesen, der Bärlauch (Allium ursinum) hingegen kommt vor allem in feuchten Laubwäldern vor. An Waldrändern sind aber gemeinsame Vorkommen nicht immer auszuschließen.

Noch bis in den Oktober hinein können wir den Anblick der blühenden Herbst-Zeitlosen genießen, und das am besten bei Sonnenschein: Bei bedecktem Himmel oder Regen sowie am Abend schließt dieser hübsche "Krokus" des Herbstes seine Blüten.
Bodo Schwarzberg
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