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Do, 15:00 Uhr
11.01.2018
Arbeitskampf geht in die erste Runde

Mehr Zeit für uns

Bei Maximator in Nordhausen wurden heute wieder Tranparente und Trillerpfeifen ausgepackt. Die Gewerkschaft IG Metall ruft in diesen Tagen in ganz Nordthüringen zum Arbeitskampf. Das Ziel: mehr Lohn und mehr Zeit für die Familie...

Die IG Metall ruft zum Arbeitskampf, heute wurden bei Maximator in Nordhausen die Transparente entfaltet (Foto: Angelo Glashagel)
Insgesamt sechs Prozent mehr Lohn fordert die Gewerkschaft von den Arbeitgebern der Branche in der aktuellen Tarifrunde. So weit, so normal. Die Zahl sei nicht aus der Luft gegriffen, sagte Alexander Scharff, 2. Geschäftsführer der Nordhäuser IG Metall, die Forderungen setzten sich den EZB Vorhersagen zur Zielinflation, dem angenommenen Wirtschafstwachstum und dem Anteil an Umverteilung zusammen, die man üblicherweise verfolge.

Die zweite zentrale Forderung der Gewerkschaft betrifft die Arbeitszeitmodelle der Betriebe und ist das Ergebnis einer breit angelegten Umfrage unter 680.000 Beschäftigten der Metall- und Elektrobranche, erklärte Scharff. Gefragt wurde nach den persönlichen Prioritäten der Beschäftigten. Das Interesse am Thema Arbeitszeit habe dabei noch vor der Lohnfrage gelegen. "Die Menschen wollen nicht bis zum umfallen arbeiten und jede Nachtschicht mitnehmen", erklärte Scharff. Die Gewerkschaft fordert die Arbeitgeberseite daher dazu auf für mehr Flexibilität zu sorgen. Arbeitnehmer sollen ihre Arbeitszeit bis zu einem Minimum von 28 Stunden pro Woche minimieren aber danach auch wieder auf 38 Wochenstunden erhöhen können. Arbeiten in "verkürzter Vollzeit" soll für 24 Monate möglich sein und den Arbeitnehmern die Möglichkeit geben sich verstärkt um Weiterbildungen, Kindererziehung oder die Pflege von Angehörigen zu kümmern. Bei entsprechend vermindertem Lohn. Für besonders schwer belastete Gruppen verlangt die Gewerkschaft zudem einen Zuschuss von 750 Euro pro Jahr. Wer Angehörige pflegt oder sich Zeit für die Betreuung des Nachwuchses nimmt soll zudem 200 Euro Brutto pro Monat erhalten.

Alexander Scharff: die Branche feiert jedes Jahr Rekordgewinne (Foto: Angelo Glashagel)
Die Arbeitgeberseite lehnt die Forderungen der Gewerkschaft bisher ab und biete stattdessen eine Einmalzahlung von Januar bis März von 200 Euro Brutto sowie eine 2% Lohnerhöhung an. Dafür forderten die Arbeitgeber auch eine Gegenleistung: mehr Flexibilität. Allerdings in die andere Richtung, die Arbeiter sollen eher länger als kürzer arbeiten, erklärte Gewerkschafter Scharff. "Der Metall- und Elektrobranche geht es blendend, man feiert jedes Jahr Rekordgewinne. Dennoch behauptet man die Gewerkschaftsforderungen seien nicht umzusetzen." Der Fachkräftemangel sei ein großes Problem der Branche, ein Problem dem man schon in der Vergangenheit hätte begegnen können, meint Scharff, qualifiziertes Personal gewinne heute vor allem der, der gute Arbeitsbedingungen biete. Positivie Beispiele für praktikable Arbeitszeitmodelle gebe es bereits, auch in Nordthüringen.

Bei Maximator zeigten sich heute auch die Leiharbeiter solidarisch und standen mit auf der Straße, dafür gab es Applaus von den Kollegen. Das Problem der Leiharbeit bestehe auch weiterhin, meinte Scharff, auch wenn Leiharbeit insgesamt unattraktiver geworden sei. Dafür beobachte man das zunehmend Werksverträge geschlossen würden, was neue Probleme mit sich bringe.

Der Arbeitskampf ist eröffnet, in den kommenden Wochen werde es in ganz Nordthüringen Warnstreiks geben, kündigte Scharff an, man werde jeden Tag auf der Straße stehen um miteinander für mehr Zeit zu kämpfen.
Angelo Glashagel
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Kommentare

11.01.2018, 18.06 Uhr
Zukunft-NDH | Aha, mehr Geld für weniger Arbeit
Mehr Zeit mit der Familie und weniger arbeiten ist ein völlig menschlicher Wunsch. Auch 6% Tarifsteigerung bei unserer Wirtschaftslage kann man fordern.

Aber auf eigenen Wunsch weniger zu arbeiten und dafür noch eine Zulage zu fordern ist schon mehr als vermessen.

Die gleiche Gewerkschaft, die so absurde Forderungen stellt, beschwert sich in NRW darüber, dass an der Autobahnbrücke bei Leverkusen nun chinesischer Stahl verarbeitet wird, der bei gleicher Qualität einfach wesentlich billiger ist. Die Gewerkschaften tragen wirklich dazu bei, dass unsere Produkte im internationalen Wettbewerb nicht mehr standhalten.
12.01.2018, 07.13 Uhr
Leser X | Konfuzius
Das sehe ich völlig anders als Sie. Die Regierenden dieses Landes lassen keinen Tag vergehen, ohne mit dem Reichtum dieses Landes in der Welt und Europa anzugeben.

Warum sollen die, die diesen Reichtum schaffen, nicht ihren Teil davon abkriegen?

Und wenn die Benachteiligten, egal ob in Mindestlohn, Leiharbeit, befristeter Beschäftigung oder Hartz IV sich nicht zusammenschließen und zur Wehr setzen - Pech gehabt. Für sich selber muss man selber kämpfen.

Reichtum hat dieses Land mehr als genug. Er kommt nur nicht beim Volk an. Und das Volk lässt es geschehen...
12.01.2018, 10.11 Uhr
N. Baxter | sehe ich noch anders
anstatt den s.g. Reichtum der dt. Wirtschaft auf Grundlage von IG Forderungen an wenige zu verteilen, sollten lieber Investitionen in das Land getätigt werden. Brücken sind marode (und da ist Leverkusen nur ein Bsp von vielen), Internetausbau, Schulen, KITA's, Lehrer, Gesundheitssystem, ÖPNV etc...
So profitieren nämlich am Ende alle davon und nicht nur die Beschäftigten deren Betriebe von IG Verbänden "betreut" werden.
12.01.2018, 11.30 Uhr
Leser X | N. Baxter
Im Land ist so viel vagabundierendes Kapital unterwegs, dass sowohl Ihre als auch meine Wünsche locker und parallel zu finanzieren wären.
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