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Mi, 14:43 Uhr
14.02.2018
Aktuelle Umfrage des tlv zeigt Ausmaß des Lehrermangels auf

Stundenpläne immer wieder anpassen

An 74 Prozent der Schulen in Thüringen mussten aufgrund der personellen Situation zum neuen Halbjahr Stundenplananpassungen vorgenommen werden. Insgesamt fehlen im Schnitt rund 20 Lehrerwochenstunden pro Schule, und zwar regulär, also ohne Krankmeldungen. Zu diesem Ergebnis kam der tlv thüringer lehrerverband bei einer nicht repräsentativen Blitzumfrage unter den Schulen des Freistaats...


An der Online-Befragung, die von gestern Morgen bis heute Mittag lief, haben insgesamt 234 Schulen teilgenommen, indem sie mindestens eine der Fragen beantworteten. Das waren 28 Prozent der 834 vom tlv kontaktierten staatlichen Schulen in Thüringen.

„Allein diese enorme Rückmeldequote in so kurzer Zeit ist schon ein Signal dafür, wie sehr es an den Schulen klemmt“, erklärt Rolf Busch, Landesvorsitzender des tlv. Am größten war das Interesse bei den Grund- und Regelschulen: Von den 220 Schulen, die die Frage nach der Schulart beantwortet haben, entfielen 40 bzw. 25 Prozent auf diese beiden Sparten. „Dies deckt sich mit unserer Wahrnehmung, dass dort der Lehrermangel schon jetzt überdeutlich zu spüren ist.“

Die Frage nach der Anpassung der Stundenpläne zu Beginn des neuen Halbjahres beantworteten 167 von 226 Schulen mit „ja“. Die weiteren Fragen der Blitzumfrage decken die Hintergründe auf: An den 116 Schulen, die darauf antworteten, wie viele Lehramtsanwärter zum Ende des ersten Halbjahres ihren Vorbereitungsdienst beendet haben, ergab sich eine Summe von 91. Insgesamt 106 Schulen gaben an, dass 65 Kolleginnen und Kollegen zum Halbjahr ihren Schuldienst regulär beendet haben. Dazu kommen noch einmal 24 Lehrpersonen an 90 Schulen, die aufgrund einer auslaufenden Befristung gehen mussten.

Interessant sind auch die gemeldeten Zahlen zu den Neueinstellungen: An 109 teilnehmenden Schulen begannen 88 Lehramtsanwärter ihren Vorbereitungsdienst. 102 Schulen vermeldeten insgesamt 96 befristete Neueinstellungen. Die 100 Schulen, die die Frage nach unbefristeten neuen Verträgen beantworteten, vermeldeten insgesamt 59 Lehrpersonen.

Obwohl sich bei dieser Befragung ein Überhang der Neueinstellungen gegenüber den Abgängen zeigt (155 vs. 89), ergab sich bei der letzten Frage eine Summe von 2467 nicht abgedeckten Lehrerwochenstunden an 125 Schulen. Im Klartext bedeutet das: Gemessen am Stundenplan fehlt pro Schule fast ein ganzer Lehrer. Und da es sich beim Gros der vermeldeten Neueinstellungen um befristete Verträge handelt, wird sich dieses Problem in naher Zukunft weiter verschärfen.

Wo landen die zusätzlichen Neueinstellungen?

Am Rande der Blitzumfrage ist der tlv auf eine weitere interessante Frage gestoßen. „Das Kultusministerium hat am 11.02.2018 in einer Pressemitteilung bekanntgegeben, dass Thüringen zum Start des zweiten Schulhalbjahres 177 neue Lehrerinnen und Lehrer dauerhaft in den Schuldienst einstellt“, erklärt Rolf Busch. „Davor war immer von 150 Stellen die Rede je 30 für die fünf Thüringer Schulämter. Es stellt sich daher die Frage, wo die zusätzlichen 27 landen.“

Der tlv, so Busch, habe im Laufe des Vormittags alle Schulämter kontaktiert. „Drei Ämter bestätigten uns jeweils genau 30 vorhandene Stellen. In einem Schulamt haben wir niemanden erreicht, in einem anderen erklärte man uns, dass diese Differenz mit den Voreinstellungen vor dem eigentlichen Schulhalbjahresbeginn in Zusammenhang stehen könnte.“

Dass eine Zahl von genau 30 neuen Lehrern pro Schulamt und damit pro Schulbezirk mit der Realität nichts zu tun haben könne, sei klar, resümiert Busch. „Wir würden uns jedoch freuen, wenn die neue Zahl 177 für alle nachvollziehbar würde auch wenn das immer noch viel zu wenige Neueinstellungen sind. Zumal wir davon ausgehen, dass von den zur Einstellung vorgesehenen Stellen erst circa 80 Prozent tatsächlich besetzt sind.“
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Kommentare

14.02.2018, 18.46 Uhr
Overhead | Hatte RRG nicht Abhilfe versprochen
Ja so sind sie, die Parteiangestellten. Wenn sie an der Macht sind und das Sagen haben, vergessen sie alle durch die Bank ihre Wahlversprechungen. Es zeigt sich immer wieder, in erster Linie denkt man an sich und seine Handlanger, erst dann kommt das gemeine Volk.

Was denkt sich das Volk überhaupt? Es soll geduldig die von den Politiker/Innen erhobenen Steuern bezahlen. Schließlich haben die Politiker/Innen den Sachverstand und den Überblick, dass Volk ist mit der ARBEIT der politische Riege ja völlig überfordert.

Ich frage mich nur, wer die VIELEN Fehlentscheidungen trifft, dass Volk oder die politische Liga? Die Lehrer sprechen von Stress, dass will ich auch nicht bestreiten. Aber wer spricht von den Stress der Schüler, denn die müssen den Lehrstoff der durch den Lehrerausfall anfällt nachholen. Da fragt niemand wie das zu schaffen ist. Den Lehrern und Direktoren ist das egal. Da müssen die Schüler eben noch mehr tun, nur nicht das Schulamt.
14.02.2018, 19.39 Uhr
Junggeselle | Overhead
Ich gebe Ihnen Recht. Den Lehrkräften ist es völlig egal wie viel Stunden ausfallen. Sie müssen diese ja nicht nachholen und haben damit keinen Stress. Von den Schülern hingegen verlangt man am des Schuljahres, dass sie den ganzen Stoff beherrschen. Wer hat also den Stress. Auf dem Zeugnis ist auch nicht zu sehen wie viel Ausfallstunden der Schüler hatte wegen Lehrerausfall. Bleibt ein Schüler einmal den Unterricht fern, wird dieses sofort festgehalten. Von der Politik haben die Schüler nichts zu erwarten, für ihre Kinder wird bestens gesorgt. Ich frage mich schon länger, was die Politiker so im Kopf haben?
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