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So, 10:02 Uhr
03.06.2018
Luftikus & Tausendsassa:

100 vergessene Wortschätze

Er wurde 1959 in Nordhausen geboren, hat in Redaktionen vieler großer Deutscher Zeitungen gearbeitet. Und der Mann liest gern. Für die Nordthüringer Online-Zeitungen stöbert Mario Bartsch in den Neuerscheinungen auf dem Büchermarkt...


Bei den unzähligen Wörtern, die die deutsche Sprache bereithält, kann einem manchmal ganz blümerant werden. Blümerant, nie gehört? Es gibt viele Begriffe im Deutschen, die nur noch selten ausgesprochen werden. Die JournalistinKathrina Mahrenholtz erzählt in ihrem Buch „Luftikus und Tausendsassa“ die Geschichten von 100 (fast) vergessenen Wörtern.

Die Einträge reichen von A wie Adamskostüm bis Z wie Zipperlein. Bei manchen Wörtern erstaunt der Ursprung: So hat blümerant nichts mit Blümchen zu tun, sondern leitet sich vom französischen „bleu mourant“, dem sterbenden Blau, ab. Diesen matten Farbton, der im Dreißigjährigen Krieg aufkam, brachten hugenottische Einwanderer nach Preußen. König Friedrich II. liebte ihn so, dass er sein Porzellan in Bleu mourant gestalten ließ: Er bezeichnete sich selbst als „besten Kunden“ seiner Königlichen Porzellan-Manufaktur (KPM).

Schnell kam das blasse Blau indes auch wieder aus der Mode es trug bald den Beigeschmack des Unangenehmen, ja, Unerträglichen. Und wenn jemandem nun schwindelig wurde, war ihm ganz blümerant.

Ob ein Wort als vergessen gelte, sei rein subjektiv, sagte Kathrina Mahrenholtz in einem Interview. Dies habe sie mit ihren Kollegen bei der Recherche festgestellt. „Es waren Wörter, von denen wir das Gefühl hatten, die sagt man einfach nicht mehr.“ Bei vielen habe sie nicht gewusst, woher sie kämen und was sie bedeuteten. Der Gebrauch dieser Wörter habe mit Generationen zu tun. „Ältere Leute haben andere Wörter in ihrem Wortschatz als jüngere.“ Viele Wörter seien auch regional bedingt.

Cover (Foto: Duden Verlag Berlin) Andere Wörter spiegeln unsere heute veränderte Auffassung wider: Kein Mensch würde eine gebildete Frau heute als „Blaustrumpf“ bezeichnen. Und wieder andere Wörter sind deshalb verschwunden, weil neue, moderne Bezeichnungen aufgekommen sind: Zum „Backfisch“ sagt man heute Teenie. Alle diese Wörter haben aber gemein, dass sie es wert sind, gesammelt und vor dem Vergessen gerettet zu werden. Zudem laden sie zum Schmökern, Erinnern und Schmunzeln ein.

Über die Autorin

Mahrenholtz studierte Angewandte Kulturwissenschaften in Lüneburg. Seit 1997 ist sie als Redakteurin bei NDR Info tätig. Ihr Themenschwerpunkt ist Kultur, vor allem Literatur. Als Radiojournalistin ist sie es gewohnt, Dinge kurz und knapp zu erzählen und trotzdem spannende Inhalte zu vermitteln. Sie lebt mit ihrer Familie in Hamburg.
Mario Bartsch

Katharina Mahrenholtz: „Luftikus und Tausendsassa: Verliebt in 100 vergessene Wörter“
Illustrationen: Dawn Parisi
Gebundene Ausgabe; 160 Seiten
Duden Verlag Berlin; 2018
15,00 Euro
ISBN 978-3411711352
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