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Do, 22:17 Uhr
07.06.2018
Aktuelle Meinung

Landrat irritiert von geplanter Feiertagsregelung

Landrat Dr. Werner Henning ist irritiert von einer geplanten Feiertagsregelung der Thüringer Landesregierung. Es geht um den Weltkindertag am 20. September, der Feiertag werden soll. Warum der Landrat irritiert ist, lesen Sie hier...

„Heute früh – am 7. Juni und nicht am 1. April – las ich in der Zeitung vom Vorhaben der Thüringer Landesregierung, den 20. September zu einem gesetzlichen Feiertag werden zu lassen.“ - so Landrat Dr. Henning. Dieser Tag sei der „Weltkindertag“ - etwas anderes als der hier bekannte 1. Juni – Kindertag.

Den Landrat habe daran erschreckt, bis in welch eine Tiefe sehr individueller zivilisatorischer Feiertagsempfindungen sich staatlich verfasste Politik vorwagt, um quasi Erhabenheit und Festlichkeit zu verordnen. So weit ging aus seiner Sicht noch nicht einmal die DDR, welche auch stets darunter gelitten habe, dass am Tag der Republik Runkeln ausgemacht bzw. Zwetschen gepflückt wurden, anstatt Feiertagsruhe wie am nahegelegenen Buß- und Bettag oder an
Allerheiligen zu halten.

„Wurde 1966 in der DDR der Buß- und Bettag bereits staatlich abgeschafft, dennoch aber weitestgehend gehalten, so bekamen wir ihn als „Wendegewinn“ –
und auch mit Allerheiligen im Eichsfeld – für einige Jahre wieder, um beider Tage – mit kirchlicher Akzeptanz - durch staatliche Verordnung seit 1994 wieder verlustig zu gehen.“ – erklärt Dr. Henning.

Dass es also nun „Weltkindertag“ als gesetzlichen Feiertag in Thüringen geben soll, könne Landrat Dr. Werner Henning jedenfalls im angrenzenden Westen von Hessen und Niedersachen nicht erklären.

Sein Vorschlag: Anstatt gesetzlicher Feiertag am „Weltkindertag“ Erhalt einer guten kleingliedrigen Schulstruktur mit Unterricht in allen Fächern bei voller Abdeckung der Stundentafel.
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Kommentare

08.06.2018, 11.22 Uhr
Joerg B. | Meine individuellen Feiertagsempfindungen:
Der Landrat ist erschrocken darüber, „bis in welch eine Tiefe sehr individueller zivilisatorischer Feiertagsempfindungen sich staatlich verfasste Politik vorwagt, um quasi Erhabenheit und Festlichkeit zu verordnen.“

Nach einer Studie des Pew Research Center (deutsche Übersetzung auf http://www.pewforum.org/2018/05/29/christ-sein-in-westeuropa/) sehen sich die meisten Westeuropäer nach wie vor als Christen, obwohl nur wenige regelmäßig einen Gottesdienst besuchen.

Ich behaupte mal, dass strenggenommen der einzige wirkliche Christ Jesus selbst war, und selbst dieser sich widersprüchlich geäußert hat. Mit der Machtergreifung des „Christentums“ nach der „Konstantinischen Wende“, wurde das, was in sich schon inkonsistent war, zunehmend weiter bis zur Unkenntlichkeit ausgehöhlt. (Soviel zum fernen historischen Hintergrund!)

„Es gibt kein richtiges Leben im falschen.“ schrieb Theodor W. Adorno – wohl auch unter dem Eindruck eines Tiefpunktes der bürgerlichen westlichen Zivilisation (eigentlich Barbarei – 2.WK).

Kaum etwas zeigt dies aber auch so deutlich wie die PRAXIS der christlichen Feiertage:

• WEIHNACHTEN ist theoretisch das Fest der Geburt Jesu Christi. Praktisch ist es in der westlich/christlichen Welt eine Zwangsneurose des Kaufens. „Süßer die Kassen nie klingen...“

• KARFREITAG ist zu einem Tag der Legitimation menschlichen Leids verkommen, was sich u.a. in der praktischen Ächtung des Suizids äußert. (Wann gibt es im Eichsfeld endlich symbolische Kreuzabnahmen?)

• OSTERN: „Tag der Auferstehung des Herrn“ – als OSTERHASE.

• CHRISTI Himmelfahrt – Väter und solche, die es vielleicht werden wollen, ziehen in das Himmelreich des Alkohols (Weihrauchersatz?)

• PFINGSTEN: „Aussendung des heiligen Geistes oder auch Ausgießung des heiligen Geistes“ (Wikipedia) Praktisch: Ausfahren der privaten Zwei- und Vierräder, im Idealfall mit Familie. Mal nach „pfingsten karikatur“ googeln!

• FRONLEICHNAM: „Fest des heiligsten Leibes und Blutes Christi“(Wikipedia) Praktisch: Fest des Personenkultes und einer somnambulen Tradition.

• ALLERHEILIGEN: (Festum Omnium Sanctorum) ist ein christliches Fest, zu dem aller Heiligen gedacht wird, der „verherrlichten Glieder der Kirche, die schon zur Vollendung gelangt sind“ (Wikipedia)
Real: Exzessive Ausweitung eines kirchlichen Personenkults. (Nicht nur von Luther verdammt.)
Volkspraxis: HALLOWEEN (All Hallows’ Eve): Transatlantisches Fest der Untoten und Gespenster, hier seit der „Wende“.

Die protestantischen Feiertage habe ich ausgelassen obwohl sie auch von der Dekadenz volkstümlicher Hohlheit betroffen sind.

Es ist selbstverständlich so, dass in dieser Gegend kein Landrat selbst pseudochristliche Feiertagstraditionen auch nur ignorieren kann. Dieses Völkchen will und braucht Märchen und Selbstbeweihräucherung wie sie sich im Eichsfeldlied ausdrücken.

Statt einen vielleicht auch noch arbeitsfreien Weltkindertag einzuführen, sollte man über einen mindestens BUNDESWEITEN, besser WELTFAMILIENTAG, nachdenken. Dabei sollten aber auch die „Lebenspartnerschaft“, „Lebensabschnittspartnerschaft“ und andere freiwillige Formen menschlichen Zusammenlebens nicht ausgeschlossen werden. Auch Partnerschaften von Menschen unterschiedlicher Weltanschauungen und Religionen gehören thematisiert.

Zu meinen Gedanken inspiriert haben mich u.a. Sendungen wie „Tag für Tag“ vom öffentlich rechtlichen Sender Deutschlandfunk. Ich habe mir aber auch den Mut zum Selbstdenken erlaubt.
Sapere aude: „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“ Etwas, was wieder sehr nötig ist (nicht nur) in unserem Lande.
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