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Lichtblick

Eure Rede sei Ja, Ja; Nein, nein…

Freitag, 11. August 2017, 07:00 Uhr
Unlängst las ich, was ich außerordentlich selten tue, in einem Forum zu einem Artikel eines eifrigen Artikel- und Antworten-Schreibers eine interessante Auseinandersetzung. In diesem Forum musste sich dieser, sich sonst sehr im Bewerten Dritter befleißigende Zeitgenosse heftiger Kritik und Unterstellungen unterziehen und bekam selbst einmal ab, was er sonst anderen angedeihen lässt...


Was mich nicht kümmern müsste, machte mich jedoch auf einen Sachverhalt aufmerksam, dem ich schon in der Bibel begegne: „Eure Rede sei Ja,ja; Nein, nein. Was darüber ist, das ist vom Bösen.“ (Matthäus 5, 37)

Wie komme ich auf dieses Bibelwort? In der hitzig geführten und mit mannigfachen Unterstellungen arbeitenden Auseinandersetzung (eine Diskussion war es nicht, denn da werden die Argumente des anderen gehört, gewogen und bedacht, mit einem Gegenargument entkräftet oder sich zu eigen gemacht), wurde darüber diskutiert, ob jeder mit seinem Klarnamen und mit Adresse im Netz reden sollte oder nicht. Da gab es für und wider und die häufig geäußerte Meinung, dass Meinungsfreiheit bedeuten müsse, dass jeder alles sagen können müsse, was er denke, selbstverständlich ohne sie mit seinem/Ihrem Namen zu autorisieren.

In den oft kaum wirklich sachlich begründeten Beiträgen wurde (ich gebe es mal mit meinen Worten wieder) von Meinungsverfolgung gesprochen und dass Gesinnungsschnüffelei betrieben werde und „man“ deshalb ein Pseudonym nehmen müsse.

Mit Verlaub: so frei, wie wir heute reden können, konnten wir mehr als 90 Jahre nicht reden. Wer nicht so redete, wie es den einst Mächtigen gefiel, der befand sich schnell im Gefängnis.

Heute ist das anders. Heute kann jeder seine Meinung sagen, was schnell derart missverstanden wird, dass er/sie auch Dinge sagt, die gegen Recht und Gesetz oder zumindest gegen Anstand und Ehrbarkeit verstoßen.

Letzteres sollte aber, in einer Gesellschaft wie der unseren, selbst ungesagt klar sein. Wer gegen Gesetze verstößt, der muss dafür haften. Wie schnell sind alle dabei, andere zu verklagen, wenn gegen Gesetze verstoßen wird, nur im Netz soll das nicht gelten?

Wird heute einem auf der Straße ehrabschneidend begegnet, so findet er sich im Gerichtssaal wieder. Geschieht dies im Netz, so soll das ungesühnt bleiben? „Verkehrte Welt, verkehrte Welt, alles auf den Kopf gestellt“, haben unsere Kinder mit Circus Lila vor 30 Jahren gesungen.

Ich bin, und da bekommt für mich das Bibelwort seine Leuchtkraft, dafür, dass jeder Nutzer des Netzes, mit Klarnamen und Adresse alles sagen darf, was er möchte. Das muss mir nicht gefallen, aber es soll möglich sein. Verstößt er dabei gegen Recht und Gesetz oder zumindest gegen Anstand und Ehrbarkeit, dann soll er/sie auch dafür geradestehen. Was auf der Straße gilt muss auch im Netz gelten. Es muss sogar schärfer gelten, denn auf der Straße hören es vielleicht zehn Leute, im Netz lesen es vielfach mehr Menschen.

Euer Ja sei ein Ja, d.h. sprecht nur, wozu ihr auch stehen, wofür ihr auch einstehen könnt! Wie viele Menschen sprechen unbedacht Worte im Zorn oder wegen fehlenden Verstands und merken gar nicht, wie sich das Klima um sie herum, in unseren Familien, Straßenzügen, unserer Gesellschaft immer mehr vergiftet. Sie selbst sind die ersten Opfer ihres eigenen Handelns und halten sich für Opfer von Dritten. Dabei sind sie Täter, nicht Opfer.

Heute geht es der übergroßen Mehrheit viel besser als je zuvor in Deutschland und schon gar im Rest der Welt. Doch wir jammern, was das Zeug hält, fühlen uns benachteiligt. Ja wenn man uns mal ranließe. Ja was dann?

Würde dann manch einer derer, die vorgeben alles zu wissen, merken, dass die Dinge viel komplizierter sind, als er es dachte?

Wir können das gerade mit scheinbar sicherem Abstand an einem lebendigen Beispiel ablesen. Da ist einer, der schon viele Male versucht hat, einen der wichtigsten Posten in der Welt zu bekommen und nun hat er ihn. Einer derer die sagen, dass er nur rankommen müsse, dann ginge es aufwärts. Sein Land hat er in kürzester Zeit gespalten und führt uns nun im schlimmsten Falle an den Rand eines 3. Weltkriegs. Eine erstaunliche Leistung, die all den „Dampfplauderern“ und „Möchtegerns“ zu denken geben müsste, doch das bleibt leider aus… das Denken.

Deshalb, klar sagen, wofür man ist und wogegen. Klar Farbe bekennen, sich mit anderen intellektuell messen und nach der besten Lösung für alle suchen, statt recht haben zu wollen.

Dies aber mit allen Konsequenzen, denn wir haben das Recht alles zu sagen und dürfen auch die Freiheit in Anspruch nehmen, aber nicht dazu, uns gewissen- und folgenlos um Kopf und Kragen zu reden und Dritten zu schaden.

Zur Klarheit und Freiheit gehört auch, dass wir uns zu dem bekennen, was wir sagen oder es sein lassen. Platte Wahrheiten unter einem Pseudonym zu äußern ist nichts weiter als Feigheit. „Eure Rede sei Ja,ja; Nein nein, Was darüber ist, das ist vom Bösen.“

Stehen wir dazu, was wir sagen und bekennen uns zu dem, was wir denken. Das ist Freiheit. Sich hinter einem Pseudonym zu verstecken und sei es besonders (schein)heilig, ist nicht mit der Bibel zu begründen. Deshalb kämpft um die besten Ideen, um die besten Lösungen, streitet um die Sache und um den richtigen Weg, aber tut es miteinander und nicht gegeneinander. Nur dann dient es der Allgemeinheit und der Wahrheit und wäre ein Lichtblick für unser Land.

Das wünsche ich uns auch in dieser Zeitung und an allen Orten, an denen wir leben, reden und denken. Das letzte hoffentlich auch.

Ein gesegnetes Wochenende wünsche ich Ihnen
Superintendent Bálint

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