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Do, 18:00 Uhr
01.10.2026
NUV lud nach Bleicherode

Neue Herausforderungen für Nordthüringer Unternehmer

Der Nordthüringer Unternehmerverband (NUV) hatte seine Mitglieder am Montag zu einem Austausch über die aktuellen und geplanten Gesetzesänderungen der Bundesregierung im Sozial- und Gesundheitswesen nach Bleicherode ins Kulturhaus eingeladen. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie sich die politischen Reformen auf regionale Unternehmen, soziale Träger und medizinische Einrichtungen auswirken...

Die Veranstaltung bot die Gelegenheit, die neuen Herausforderungen gemeinsam zu beleuchten und mit Vertreterinnen und Vertretern aus Wirtschaft, Kommunalpolitik und Gesundheitswesen in einen offenen Dialog zu treten.

Im Namen des Vorstandes eröffnete NUV Vorsitzender Niels Neu die Veranstaltung und ging in seiner Begrüßung auf mehrere aktuelle Entwicklungen ein – darunter die jüngst erreichten Beitragsreduzierungen bei der IHK. Der spontane Applaus zeigte die unmittelbare Zustimmung der Anwesenden. Über 70 Unternehmerinnen und Unternehmer folgten der Einladung, ergänzt durch Gäste aus der Landespolitik, den Landrat des Kreises Nordhausen, Kommunalpolitiker sowie Vertreter weiterer Verbände und zahlreiche niedergelassene Ärzte der Region. Die Bürgermeisterin der Landgemeinde Bleicherode Franka Hitzing begrüßte die Gäste „im schönsten Saal des Landkreises Nordhausen“ und lobte den Nordthüringer Unternehmerverband für die Annahme prekärer Themen und die erfolgreiche Vernetzung, die den NUV so erfolgreich als Verband machen.

Bild:
Versammlung des Nordthüringer Unternehmerverbandes in Bleicherode (Foto: NUV)

Im ersten Vortrag zur Helios Fachklinik für Orthopädie Bleicherode, die seit Jahrzehnten für spezialisierte orthopädische Medizin und eine moderne, patientenorientierte Behandlungskultur der kurzen Wege steht, konnten Standortleiter Mathias Zänker, Dr. Steffen Kohler und Pflegedirektorin Andrea König die Philosophie der Klinik eindrucksvoll untermauern: fachliche Präzision, gelebte Interdisziplinarität und eine Haltung, die den Menschen konsequent in den Mittelpunkt stellt. Wenn beispielsweise das Endoprothetik Register ausweist, dass bei Helios Versorgungen nach zehn Jahren nur 5,1 % der Implantate ausfallen, während der Bundesdurchschnitt bei 11,3 % liegt, dann ist das ein klarer Beleg für überdurchschnittliche Ergebnisqualität, hohe chirurgische Präzision und eine nachhaltig verlässliche Versorgungssicherheit.
Im anschließenden Vortrag ging Holger Richter, Geschäftsführer des Jugendsozialwerks, stellvertretend für die gemeinnützigen Mitglieder des NUV, ausführlich auf deren Marktbedingungen, neue gesetzliche Regeln und regionale Wertschöpfung ein. Anhand zahlreicher Beispiele verdeutlichte er die wachsenden Anforderungen, die zunehmende Regulierung und die Vielzahl an Melde- und Dokumentationspflichten.

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Gleichzeitig zeigte er die Bedeutung der Sozialwirtschaft für die Region auf: Mit rund 3.400 Beschäftigten und einem jährlichen Investitionsvolumen von 42 Millionen Euro ist sie ein zentraler wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Faktor, der weit über die unmittelbare soziale Arbeit hinauswirkt.

Für die Kassenärztliche Vereinigung Thüringen (KVT) ging Matthias Streit von der Stabsstelle Kommunikation und Politik auf die zahlreichen Reformvorhaben des Gesetzgebers im ambulanten Bereich ein und machte deren besondere Problematik deutlich. Die KVT ist die Selbstverwaltung der rund 4.300 Vertragsärzte und Vertragspsychotherapeuten im Land. Sie organisiert die Abrechnung mit den etwa 100 Krankenkassen, vertritt die Interessen ihrer Mitglieder gegenüber Politik und Kassen und verteilt das knappe Honorar. Zugleich stellt sie die wohnortnahe ambulante Versorgung sicher – einschließlich eines organisierten ärztlichen Bereitschaftsdienstes außerhalb der Sprechzeiten.

Herr Streit verdeutlichte, dass die KV Thüringen jährlich rund 18 Millionen Behandlungsfälle steuert und dabei unter erheblichen Regulierungs- und Sparvorgaben arbeitet. Besonders kritisch sei das Budget: Bei Fachärzten könne dies bedeuten, dass nur etwa 70 % der erbrachten Leistungen refinanziert werden. Weitere Sparvorhaben oder Deckelungen würden die Sicherstellung der Versorgung im Land spürbar gefährden – bis hin zu einem realen Verlustrisiko für Praxen. Härtefallinstrumente könnten dies nicht mehr zuverlässig ausgleichen, weil die Rücklagen zunehmend erschöpft seien.

Bild:
Carolin Gerbothe MdL, Landrat Matthias Jendricke, Dr. Holger Bang, Matthias Streit, Dr. André Hoy, Mathias Zänker (Foto: NUV)

Auch Privatabrechnungen oder Selbstzahlerleistungen böten nur begrenzte Möglichkeiten, diese strukturellen Defizite zu kompensieren.
In der sich anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass die aktuellen Reformen nicht ausreichen, um die strukturellen Probleme zu lösen. Mehrere Teilnehmer betonten die Gerechtigkeitsfragen in der Finanzierung sowie die Notwendigkeit, staatliche Aufgaben nicht weiter in die Versicherungen zu verschieben. Ein Nordhäuser Facharzt schilderte eindringlich die durch die Reform zu erwartende prekäre Lage in der ambulanten Versorgung: teils verlustbehaftet und mit dem klaren Appell, ambulante Operationen aus den Kürzungen herauszunehmen. Pauschale Deckelungen seien nicht mehr tragbar. Bei den Teilnehmern herrschte Einigkeit darüber, dass diese Bundesthemen neu adressiert werden müssen – und zwar zügig. Angesichts der aktuellen politischen Dynamik und der Vielzahl an gleichzeitig laufenden Reformvorhaben sei der Handlungsdruck außerordentlich hoch, um die Versorgung im Land nicht zu gefährden und für Unternehmen den Krankenstand nicht weiter zu erhöhen.

Thomas Erny vom NUV-Mitgliedsunternehmen Die Gesundheitsmanufaktur Carpe Diem bot neben weiteren Mitgliedsunternehmen wie Fredmax und Orthopädietechnik Jüttner und der AOK Plus einen Überblick über Möglichkeiten der betrieblichen Gesundheitsförderung und deren Angebot für Unternehmen und deren Belegschaft.

Abschließen bestand die Möglichkeit für bilaterale Gespräche mit den Referenten und auch den anwesenden niedergelassenen Ärzten, die von den Teilnehmern rege genutzt wurde.
Nordthüringer Unternehmerverband NUV

Update 01. Oktober:
Der NUV-Vorstand begrüßt die Bereitschaft der Regierungskoalition in Berlin nach massiver Kritik am GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz (BStabG) doch noch nachträglich Korrekturen vornehmen zu wollen. Nunmehr wurde angekündigt, dass geplante Änderungen für Haus- und Kinderärzte kurzfristig umgesetzt werden sollen, bevor das Gesetz zum 1. Januar 2027 wirksam wird.

Wie jüngst in der Diskussion im Mitgliedertreffen am Montag festgestellt, muss auch bei weiteren Fachrichtungen nachjustiert werden, um die medizinische Versorgung und die Wirtschaftlichkeit ausreichend sicherzustellen. Hier sind verstärkt die entsprechenden Fachverbände, wie die Kassenärztliche Vereinigung Thüringen, und die niedergelassenen Ärzte aufgefordert, sich mit starker Stimme kurzfristig in die Diskussion einzubringen, um die am Montag angesprochenen nötigen Änderungen durchzusetzen.
Autor: red

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