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Zu Besuch im Kali-Bergbaumuseum

Donnerstag, 30. Januar 2014, 14:23 Uhr
Eine Gruppe des Leinefelder Frauenzentrums hat das Kali-Bergbaumuseum in Bischofferode besucht. Durch die sehr interessante und aufschlussreiche Führung haben die Besucher eine ganze Menge aus dem Kalibergbau erfahren. Christine Bose hat alles notiert....

Besuch im Kalimuseum (Foto: Christine Bose) Besuch im Kalimuseum (Foto: Christine Bose)

Eine Fahrt ist eine Leiter, Gezähe steht für Werkzeug und Arbeitsgeräte, Wetter ist die Grubenluft, Kaue bedeutet Wasch- und Umkleideraum, unterteilt in Weißkaue für die Straßenkleidung und Schwarzkaue für die Arbeitskleidung. Ein Hampelmann ist kein Kinderspielzeug, sondern ein Kleiderbügel für die Arbeits- bzw. Privatkleidung der Bergleute, der in der Kaue nach oben bis unter die Decke gezogen wird.

Hubert Hotze, Betreuer des Kali-Bergbaumuseums Holungen, führte die Besuchergruppe sachkundig durch das 1996 eröffnete Museum in der Bischofferöder Straße 9 und hatte viele Fragen zu beantworten. Als Schlosser arbeitete er im Bergwerk, sein Vater hat als Kumpel Kali abgebaut. Eingerichtet wurde das Museum im Gebäude der ehemaligen Betriebspoliklinik, so dass in einem der Ausstellungsräume Hubert Hotze anmerkte, an dieser Stelle habe der Zahnarztstuhl gestanden. Wer darauf Platz nehmen musste bzw. sich heute umschaut, hatte und hat den Blick durch das Fenster auf die riesige, 63 Hektar umfassende Abraumhalde. Eine Höhe von 140 Metern am höchsten Punkt und drei Millionen Tonnen Abraum machen sie unübersehbar.

Allesamt interessante Fakten für die Frauen und Männer, die am 23. Januar den monatlichen Wandertag des Frauenzentrums Leinefelde für einen Bildungsausflug nutzten. Nicht immer brauchen sie weit zu fahren; auch der Landkreis Eichsfeld bietet etliche Möglichkeiten.

Besuch im Kalimuseum (Foto: Christine Bose) Besuch im Kalimuseum (Foto: Christine Bose)

Die Geschichte des Kalibergbaus in Holungen/ Bischofferode geht zurück bis ins Jahr 1909. Heute kaum mehr vorstellbar: Um ihre Familien zu ernähren, waren anfangs die Kumpel aus zahlreichen Orten der Umgebung vor und nach der Schicht bis zu je zweieinhalb Stunden zwischen Wohn- und Arbeitsort zu Fuß unterwegs. Um während der Arbeitszeit lange Wege im Inneren des Bergs zurücklegen zu können, kamen ab 1966 Mopeds zum Einsatz, vorher standen Fahrräder zur Verfügung. Alle Besucher erinnerten sich an den Kampf der Kalikumpel 1993, um den Bergbaustandort zu erhalten.

Alles ist im Museum dokumentiert: der Hungerstreik
einiger Kumpel, um ein Zeichen zu setzen, die großen Solidaritätskundgebungen mit prominenten Künstlern, gemalte und geschriebene Grüße von Kindern. Nach der
unabwendbaren Schließung am 31. Dezember 1993 gründete sich 1994 der Thomas-Müntzer-Kaliverein Bischofferode e.V., der seinen Sitz im von ihm betriebenen Museum hat.

Im Kellergeschoss wird der Abbau untertage veranschaulicht. Einige Mitglieder der Leinefelder Gruppe waren nicht zum ersten Mal ins Museum gekommen, bei manchen Besuchern weckte der Rundgang Erinnerungen an einen bedeutenden Teil ihres Lebens. Er habe hier gelernt, in den frühen 1960er Jahren, gleich nach dem Abschluss der Schule. Übertage und untertage habe er sich ausgekannt, erzählte ein Mann aus Leinefelde.

Eine Frau aus Weißenborn-Lüderode – sie gehört zu den Stammbesucherinnen des Leinefelder Frauenzentrums – fügte hinzu: „Als ich jung war, habe ich im Kaliwerk in der Küche gearbeitet.“

Öffnungszeiten: Dienstag und Donnerstag von 9 bis 15 Uhr und auf Anfrage, Telefon: 036077/21 844
Christine Bose
Autor: en

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