eichsfelder-nachrichten
Große Not in Rumänien

Schwestern zum siebten Mal seit 2004 in Schineni

Mittwoch, 20. Juli 2016, 07:29 Uhr
Die Not in Rumänien ist groß. Hilfe zur Selbsthilfe leisten dort schon seit vielen Jahren die Schwestern des Heiligenstädter Bergklosters. Zum siebten Mal seit 2004 waren sie jetzt in Schineni. Mit dabei auch Altbürgermeister Bernd Beck....

Hilfe für Rumänien (Foto: Bernd Beck) Hilfe für Rumänien (Foto: Bernd Beck)

Heiden – Heiligenstadt – Bagod (Ungarn) – Schineni (Rumänien), mit einem Abstecher nach Bukarest und zurück in acht Tagen und etwa 5.200 km.

So sah die Reiseroute von Hanni und Ludger Jacobs, Altbürgermeister Bernd Beck und Ehefrau Uschi, sowie Schwester Renata-Maria vom Bergkloster in Heiligenstadt in der vergangenen Woche aus.

Mit einem mit Kleidung, Schuhe, Stiefel, Spiel- und Lernmaterial, sowie vielen weiteren nützlichen Dingen beladenen VW-Bulli samt 3,5t Anhänger, ging es auf die lange Reise.

Mit einer Übernachtungen in Bagod, Partnergemeinde von Heiligenstadt in Ungarn, erreichten die Reisenden Schineni am späten Abend des zweiten Tages. Schwester Benedikta vom Kreuz und drei Mitschwestern erwarteten die Gäste aus Deutschland und empfingen sie aufs Herzlichste.

Hilfe für Rumänien (Foto: Bernd Beck) Hilfe für Rumänien (Foto: Bernd Beck)

Nach zwei Jahren (letzter Besuch 2014) gab es viel zu erzählen. Die Einquartierung fand in den Gästezimmern des Ausbildungs- und Sozialgebäudes statt.

In Rumänien, Schineni, haben die Schwestern nach einigen Zwischenstationen 2000 den Aufbau der heutigen Station begonnen. Zunächst ging es darum die größte Not vor Ort zu lindern. Insbesondere Kinder und alte Menschen waren und sind von der Misswirtschaft und den Folgen des Kommunismus, zuletzt unter Ceausescu, betroffen.

Durch den Kauf und die Erstellung des heutigen Domizils war es möglich hier besonders effektiv zu helfen. Kaum Renten und eine schlechte medizinische Versorgung, insbesondere auf dem Lande, sorgen für einen großen Zulauf durch alte und kranke Menschen.
Diese werden auch in ihren Häusern teilweise Hütten, von den Schwestern versorgt. Insbesondere kinderreiche Familien wohnen oftmals unter erbärmlichen Bedingungen und sind schlecht versorgt.

Arbeit gibt es wenig und wird schlecht bezahlt.
Wer es schafft als Gastarbeiter in Italien Arbeit zu finden, gehört zu den besser verdienenden, was aber zu langen Trennungszeiten führt. In vielen Fällen verschärfen Alkoholprobleme zusätzlich die Situation. Dies ist Grund genug, warum kein Geld, sondern Nahrung, Hygieneartikel, Kleidung, Medikamente oder Holz zum Heizen in die Familien gegeben werden.



Das Haus der Schwestern ist über die Jahre zum Treffpunkt für Kinder und Jugendliche geworden. Die Schwestern kümmern sich um den Mittagstisch für Kinder, die nach der Schule kommen und dort eine warme Mahlzeit bekommen. Danach gibt es Schularbeitenhilfe und auch das Spielen kommt nicht zu kurz.

2003 wurde dann auch das Waisenhaus mit zwei Gebäuden aus Spenden errichtet. Waisenkinder finden dort eine liebevolle Bleibe, womit ihnen bis zum 18. Lebensjahr ein Zuhause geboten wird. Hier lernen sie in zwei Gruppen mit je acht Kindern auf eigenen Füßen zu stehen. Neben der Schule gehört hierzu auch die Bewirschaftung des Gartens für die Selbstversorgung mit Obst und Gemüse.

„Hinter jedem dieser sechzehn Kinder verbirgt sich ein hartes Schicksal“, so Bernd Beck. Zur Gemeinde Schineni gehört auch eine katholische Pfarrei, mit der die Schwestern eng verbunden sind. Der Bürgermeister der Gemeinde hat für die Schwestern ein offenes Ohr und unterstützt sie recht gut.

2008 wurden dann in der Nachbargemeinde Soretto ein Haus übernommen, indem Hilfsleistungen, wie in Schineni angeboten werden. All diese Leistungen, die die Schwestern mit einigen Angestellten erbringen, sind heute so wichtig, wie vor 15 Jahren. Dabei ist die Bürokratie wie bei uns ständig gewachsen und erschwert die wirkliche Arbeit für die Menschen.

Diese Aufgaben konnten und können nur von den Heiligenstädter Schwestern erbracht werden, wenn Spenden aus der Heimat fließen. „Wenn man die Not der Menschen und die Arbeit der Schwestern vor Ort sieht, fällt es einem leichter zu helfen“, so Beck.
Ein ganz herzlichen Dank gilt den Spendern, die diese Aktion alle zwei Jahre ermöglichen und auch zwischendurch durch Geldspenden ihre Unterstützung zeigen.

Ob Fahrzeug, Diesel, Kleidung, Schuhe oder Lebensmittel, alles sind wichtige Spenden.
Wer hier helfen möchte kann auf das Konto
Bergkloster Stiftung SMMP, BLZ:82057070 Kto: 200010697 Kennwort: Schineni spenden.

„Ich kann allen Spendern auch nach meinem siebten Besuch binnen 12 Jahren versichern, dass jede Spende komplett bei den Bedürftigen ankommt und zur Linderung der Not mitten in Europa beiträgt“, so Beck.
Auch ein Teil der Erlöse aus der Heiligenstädter Kleiderkammer geht jedes Jahr für Projekte nach Rumänien.

Was hat sich in den Jahren in Rumänien verändert?

Die Infrastruktur wird mit Unterstützung der EU verbessert. Hauptverbindungsstraßen, die vor 10 Jahren noch Schlaglochpisten waren, werden ausgebaut, bis hin zu Autobahnen. Internationale Firmen erstellen Produkionstätten am Rande der Ballungszentren und nutzen das günstige Lohnniveau. Auf dem Lande ist das Pferdefuhrwerk noch gängiges Transportmittel, wobei moderne landwirtschaftliche Technik vermehrt eingesetzt wird.

Die Lebensbedingungen kann man kurz so beschreiben: Die Reichen sind eher reicher geworden. Die Mittelschicht ist wohltuend gewachsen. Nur für die Armen und Ärmsten hat sich wenig verbessert. Hier haben die Schwestern ihr wichtigstes Betätigungsfeld.
„Zusammen mit Ludger Jacobs aus Heiden werde ich auch in Zukunft die Arbeit der Heiligenstädter Schwestern unterstützen und sie regelmäßig mit Hilfsgütern versorgen“, erklärt der ehemalige Bürgermeister von Heiligenstadt, Bernd Beck.
Autor: en

Drucken ...
Alle Texte, Bilder und Grafiken dieser Web-Site unterliegen dem Urherberrechtsschutz.
© 2026 eichsfelder-nachrichten.de