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Viertel der Betriebe mit schlechter Geschäftslage

Lockdown bremst das Handwerk aus

Sonnabend, 24. April 2021, 07:04 Uhr
Die Stimmung in den heimischen Handwerksbetrieben wird schlechter. Jeder Vierte bewertet seine aktuelle Lage negativ aufgrund der Pandemie- Auswirkungen. Viele Unternehmen befürchten sogar eine Verschlimmerung der Situation, so die Einschätzung der Handwerkskammer Erfurt...

Es ist ein herber Einschnitt, den das Nord- und Mittelthüringer Handwerk derzeit erlebt: In der traditionellen Frühjahrs-Konjunkturumfrage der Handwerkskammer Erfurt bewertete ein Viertel der befragten Betriebe (25 Prozent) ihre aktuelle Geschäftslage mit der Note „schlecht“.

Im gleichen Zeitraum des Jahres 2020 lag dieser Wert noch bei 17 Prozent (2019: 94 Prozent). Knapp die Hälfte (47 Prozent) der Betriebe bestätigte zudem, dass ihr Umsatz geringer ausfiel als vor einem Jahr. Die Corona-Pandemie sei der alles beherrschende Faktor das berichteten Kammerpräsident Stefan Lobenstein und Hauptgeschäftsführer Thomas Malcherek am 22. April 2021 in einer digitalen Pressekonferenz. „Im Verhältnis zu anderen Bereichen ist das Handwerk bisher zwar moderat durch die Krise gekommen. Aber auch uns geht jetzt die Puste aus!“

Gewerke leiden unterschiedlich stark unter Corona
Betrachtet man die einzelnen Gewerke separat, zeigt sich eine deutliche Spreizung in der Geschäftslage. So fallen beispielsweise die Auswirkungen im Bauhaupt- und Ausbaugewerbe (91 Prozent bzw. 85 Prozent mit „guter“ oder „befriedigender“ Geschäftslage) bislang noch gering aus und werden sich möglicherweise erst mit einer Zeitverzögerung bemerkbar machen.

Während der Großteil dieser Gruppe weitgehend im Normalbetrieb arbeitet, stehen viele Unternehmer aus anderen Gewerken vor dem Scherbenhaufen ihrer wirtschaftlichen Existenz. Am häufigsten von Umsatzrückgängen betroffen sind die Gesundheitshandwerke (74 Prozent), die Personenbezogenen Dienstleistungshandwerke (73 Prozent) und das Kfz-Handwerk (64 Prozent). Vor allem dem Gesundheitshandwerk macht der drastische Einbruch der Auftragsbestände und einhergehende Umsatzrückgänge zu schaffen knapp drei Viertel der Unternehmen sind betroffen. Im KFZ-Bereich wirken sich rückläufige Umsatzzahlen sogar dahingehend aus, dass ein Viertel der Betriebe bereits sinkende Beschäftigungszahlen meldet.

Erwartungshaltung mehrheitlich pessimistisch
In die Zukunft blicken die Betriebe mit Sorge. Die Verunsicherung über den weiteren Pandemie-Verlauf bleibt hoch. Vier von fünf Betrieben hegen „befriedigende“ bis „schlechte“ Erwartungen an die künftige Geschäftslageentwicklung. Infolgedessen erwartet das heimische Handwerk gleichbleibende bis sinkende Umsätze, Investitionen sollen zurückgestellt werden.

„Unsere Betriebe müssen auch in den kommenden Monaten im Krisenmodus arbeiten“, fasst Lobenstein die Lage zusammen. Eine Klimaaufhellung kann in dem nur schwer erfassbaren Konjunkturumfeld derzeit nicht prognostiziert werden. Mit dem Fortschreiten der Impfungen, einer flächendeckenden Nutzung von Schnelltests und einem rückläufigen Infektionsgeschehen könnte sich allerdings im Gesamthandwerk mittel- bis langfristig ein positives
Entwicklungsszenario einstellen. „Wir gehen jedoch nicht davon aus, dass der überwiegende Teil der Handwerksbetriebe an die konjunkturelle Hochphase, die wir vor Corona hatten, anknüpfen kann“, so Lobenstein.
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