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Der Rufbus in Thüringen spart CO2

Montag, 15. November 2021, 12:01 Uhr
Der Umweltschutz ist zu einem jener Themen geworden, der die gesellschaftliche Diskussion bestimmt wie selten zuvor. Wirtschaft und Politik machen sich Gedanken darüber, wie sie ihren Beitrag leisten können. Ein gutes regionales Beispiel dafür ist der Rufbus in Thüringen. Er soll zukünftig mithelfen CO2 zu sparen...


Das Modell beweist, dass auch im Umweltschutz kreative Lösungen gefragt sind. Diese lassen sich allerdings nicht überall gleichermaßen „ausrollen“, sondern müssen an die jeweiligen Gegebenheiten angepasst sein. Das Beispiel des Rufbusses zeigt, dass die Problematik tief in das Bewusstsein der Menschen in allen Regionen vorgedrungen ist. Damit ist ein Prozess in vollem Gange, der vor rund 50 Jahren in den USA begonnen hatte. Damals setzten sich 20 Millionen Amerikaner für den Schutzder Umwelt in umfangreichen Demonstrationen ein, der 22. April wurde damals zum Tag der Erde erklärt. Ihre Proteste waren der Ausgangspunkt für eine Bewegung, die heute viele Bereiche unserer Gesellschaft erfasst hat und neue Lösungen sucht. 

Vorreiter bei nachhaltigen Antrieben
Die Demonstrationen in den USA waren einst der Startschuss für den Tag der Erde. Jedes Jahr im April nimmt sich dieser ein Umweltthema vor und fördert in zahlreichen Aktionen die Bewusstseinsbildung. So widmete man sich 2021 in Deutschland beispielsweise dem Thema regionale Ernährung. Außerdem ist der E-Bus in Thüringen ein gutes Beispiel für eine gelungene Umsetzung zum Thema Elektromobilität.

Schließlich gelten die Thüringer Verkehrsbetriebe schon seit langem als Vorreiter bei nachhaltigen Antrieben. Die Anfänge des Rufbusses sollten eigentlich ein regionales Problem lösen. Vor rund 20 Jahren setzte man zwischen Dingelstädt und dem Bahnhof Silberhausen einen kleinen Bus ein, um die Distanz von drei Kilometern bei Bedarf zu überbrücken.

Doch in der Zwischenzeit sind aus wenigen Kilometern hunderttausende pro Jahr geworden. Der bedarfsgesteuerte Verkehr sorgt dafür, dass die Thüringer Verkehrsbetriebe pro Jahr 259 Tonnen CO2 im Vergleich zum Vorjahr eingespart haben. Der Rufbus kommt nur dann, wenn er wirklich benötigt wird. Mittlerweile deckt das Projekt 691.000 Kilometer ab. Nach 20 Jahren in Betrieb kann man zweifellos von einem Erfolg sprechen.

Die Zahl der E-Busse steigt weiter an
Doch das war erst der Anfang. Nicht umsonst gelten die Thüringer Verkehrsbetriebe auch im Umweltministerium als leuchtendes Beispiel, wenn es um emissionsarme Fahrzeuge geht. Schließlich setzen sie seit Jahren auch auf Elektrobusse. Diese sollen zukünftig zahlreiche derzeit mit Gas betriebene Busse ersetzen.

Schon seit 1995 sind E-Busse im Stadtverkehr von Gotha im Einsatz. Etwas später setzten sie sich in den Landkreisen Kyffhäuser und Unstrut-Hainich durch. In den letzten fünf Jahren hat sich der Trend sogar breitflächig durchgesetzt und die Elektrobusse sind mittlerweile in ganz Thüringen zu finden. Seit 2016 zählt auch die Stadt Bad Langensalza als Vorreiter in der Elektromobilität. Aktuell verfügt der Landkreis Nordhausen über die größte Flotte an E-Bussen. Hier sind insgesamt sechs davon in Betrieb. Doch auch Jena rüstet auf.

Weniger Emissionen bedeuten gleichzeitig mehr Lebensqualität
Statt den bisher drei E-Bussen sollen zukünftig fünf von ihnen in Jena zum Einsatz kommen. Mittelfristiges Ziel ist jedoch die vollständige Umstellung des gesamten Fuhrparks auf Elektromobilität. In ganz Thüringen sind derzeit 24 Elektrobusse unterwegs. Geht es nach dem Willen der Verantwortlichen, dann sollen es zukünftig noch deutlich mehr werden.

Davon sollen alle Bürger profitieren. Schließlich garantiert die Verringerung des CO2-Ausstoßes eine deutlich verbesserte Lebensqualität. Längst ist die Politik dazu übergegangen, alternative und praxisnahe Mobilitätskonzepte zu fördern.

Das sollte auch dazu beitragen, Vorbehalte in der Bevölkerung aufzuweichen. Immerhin lehnt nach wie vor eine Mehrheit ein Verbot von Verbrennungsmotoren ab. Das beweist, dass Klimaschutzmaßnahmen nur dann die Zustimmung der Menschen erhalten, wenn bereits ein ausreichendes Angebot an guten Alternativen bereitsteht. Schließlich sind gerade in ländlichen Gebieten viele Verkehrsteilnehmer auf eine individuelle Mobilität angewiesen. E-Busse können aber mithelfen, die Akzeptanz der Elektromobilität zu verbessern, weil sie die Vorteile sichtbar machen.

Im Landkreis Eichsfeld geht man in der Zwischenzeit sogar noch einen Schritt weiter. Denn dort tankt man den Strom nicht einfach aus der Ladesäule, sondern lässt ihn regional selbst produzieren. Verantwortlich dafür ist eine Tochterfirma der Eichsfeldwerke. Wenn die zwei firmeneigenen Windräder zwölf Stunden lang laufen, dann produzieren sie ausreichend Strom für den Betrieb der Stadtbusse in Heiligenstadt für ein ganzes Jahr. Dieses Beispiel beweist nachdrücklich, wie gut regionale Lösungen im Bereich des Umweltschutzes funktionieren können, wenn alle Beteiligen an einem Strang ziehen.
Autor: red

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