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Frauen am Nordthüringer Arbeitsmarkt

Moderne Modelle bringen Bewegung in alte Rollenmuster

Dienstag, 03. März 2026, 11:18 Uhr
Frauen sind unverzichtbar für eine stabile Wirtschaft - sie stellen etwa die Hälfte aller Beschäftigten. Aber auch heute noch erschweren traditionelle Rollenmuster ihr Arbeitsleben. Danach sind Frauen hauptverantwortlich für Sorgearbeit. Teilzeitverträge sind oft die unweigerliche Folge um Beruf und Familie in Einklang miteinander bringen zu können...

„Frauen können ihr Potenzial am Arbeitsmarkt viel stärker einbringen, wenn die Unternehmenskultur es Männern erleichtert, Familienaufgaben zu übernehmen“, so Nicole Wedler-Wehlisch, Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt der Agentur für Arbeit Thüringen Nord. Ein Paradigmenwechsel in diese Richtung sei langsam wahrnehmbar – in den letzten zehn Jahren stieg vor allem die Zahl der Männer in Teilzeitbeschäftigung.

Klassische „Frauenberufe“ sind weniger konjunktursensibel
Letztes Jahr gingen mit 34.717 Beschäftigten im Eichsfeld etwa 2.000 Personen weniger einer sozialversicherungspflichtigen Arbeit nach als noch vor zehn Jahren. Frauen machten dabei zuletzt 44,4 Prozent der Gesamtbeschäftigung im Landkreis aus. Der Beschäftigungsrückgang ist zum einen konjunkturell begründet. Gegenwärtige Betriebsschließungen und Entlassungen im gewerblichen Sektor betreffen vor allem Männer. Aber auch das Ausscheiden älterer Mitarbeitender sorgt für sinkende Zahlen, wenn ihre Stellen nicht nachbesetzt werden können. Die Demografie wirkt dabei branchenübergreifend und trifft sowohl Männer als auch Frauen. Während Männer im Eichsfeld insbesondere Berufe der Maschinenbau- und Betriebstechnik, der Fahrzeugführung und der Metallbearbeitung ausüben, sind Frauen zumeist in konjunkturell weniger abhängigen Berufsfeldern tätig. Die meisten Frauen arbeiten im Landkreis in der Erziehung / Sozialarbeit / Heilerziehungspflege, im Büro oder Sekretariat sowie im Verkauf.

Führung bleibt häufig Männersache
Selbst in Branchen, in denen Frauen mehr als die Hälfte aller Beschäftigten stellen, sind Führungspositionen häufiger von Männern besetzt. Im Eichsfeld zeigt sich das besonders stark im Bereich der Erbringung von freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen. Dazu gehören beispielsweise Rechts-, Steuer- und Unternehmensberatungen, Architektur- und Ingenieurbüros aber auch Werbeagenturen. Obwohl 60,4 Prozent der Beschäftigten dort weiblich sind, übernehmen Frauen nur 26,1 Prozent der Leitungsaufgaben.

Anders sieht es in Bereichen wie Erziehung und Unterricht oder auch im Gesundheits- und Sozialwesen aus. Hier sind mehr als drei Viertel aller Beschäftigten weiblich und auch die Leitungsaufgaben werden überwiegend von Frauen ausgeübt.

Mehr Führung in Teilzeit – bessere Chancen für Frauen
Die Zahl von Frauen in Führungspositionen im Eichsfeld ist in den letzten zehn Jahren um 5,8 Prozent auf 386 Beschäftigte gestiegen. Damit ist jede vierte Führungskraft im Eichsfeld eine Frau. Thüringenweit liegt der Anteil von Frauen mit Leitungsaufgaben bei 32,1 Prozent.

Ein wichtiger Faktor für eine positive Entwicklung sind familienfreundliche Arbeitszeitmodelle: Die Zahl der weiblichen Teilzeitbeschäftigten mit Leitungsaufgaben verdoppelte sich seit 2015 nahezu mit einem Anstieg um 90,2 Prozent; die der Vollzeitbeschäftigten sank um 18,7 Prozent. Letztes Jahr arbeiteten im Landkreis 156 weibliche Führungskräfte in Teilzeit und 230 in Vollzeit.

Langsamer Paradigmenwechsel – Mehr Männer in Teilzeit
Insgesamt ist die Zahl der Teilzeitbeschäftigten im Eichsfeld in den letzten zehn Jahren um 17,1 Prozent auf insgesamt 11.261 Personen gestiegen. Besonders auffällig ist dabei der wachsende Männeranteil. Während vor zehn Jahren noch 11,9 Prozent aller Teilzeitbeschäftigten Männer waren, lag ihr Anteil zuletzt bei 18,6 Prozent.

Der zunehmende Einstieg von Männern in Teilzeit kann langfristig dazu beitragen, Sorgearbeit gerechter zu verteilen und so auch die Chancengleichheit von Frauen und Männern am Arbeitsmarkt zu erhöhen.
Autor: red

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