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So, 13:25 Uhr
02.05.2021
zwei Jahre Hilfetelefon

"berta" rettet Leben

Vor zwei Jahren ist das Telefon "berta" die bundesweite, kostenfreie und anonyme Anlaufstelle für Betroffene von organisierter sexualisierter und ritueller Gewalt gestartet. Seither bietet berta Menschen Entlastung, Beratung und Unterstützung beim Ausstieg aus organisierten sexualisierten und rituellen Gewaltstrukturen...

Unter der Nummer 0800 3050750 unterstützt "berta" darüber hinaus alle, die sich um jemanden sorgen, einen Verdacht haben oder Informationen zum Thema suchen. Seit dem Start im Mai 2019 sind über 8.000 Anrufe bei berta eingegangen, knapp 5.500 Beratungsgespräche wurden geführt. Die Gespräche sind sehr beratungsintensiv und dauern im Durchschnitt eine Stunde.

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Die ersten Auswertungen der anonymisierten Gesprächsdokumentationen zeigen: Die Existenz und das Ausmaß organisierter sexualisierter und/oder ritueller Gewalt, bei der Täter und Täterinnen auch (pseudo-)religiöse oder andere Ideologien als Rechtfertigung der Taten nutzen, wird nach wie vor vielfach angezweifelt.

Für Betroffene ist das unerträglich, sie haben oftmals schwere sexualisierte, körperliche und psychische Gewalt erlebt, die systematisch geplant und ausgeübt wurde, häufig verbunden mit kommerzieller sexueller Ausbeutung. Komplexe Problemlagen wie fortbestehender Täterkontakt, Abhängigkeiten, fehlende soziale Unterstützung, eine komplexe Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) und/oder eine Dissoziative Identitätsstörung (DIS), d. h. die Aufspaltung der Persönlichkeit in mehrere Teil-Persönlichkeiten, kennzeichnen oft die Situation dieser Betroffenen und lassen sie dadurch für das Umfeld unglaubwürdig erscheinen. Verbesserte Aufklärung und Unterstützung für den Ausstieg aus diesen Gewaltstrukturen ist dringend erforderlich.

Silke Noack, vom Verein N.I.N.A. und fachliche Leitung von berta: „Für Menschen, die organisierte sexualisierte oder rituelle Gewalt erfahren haben, kommt nun auch noch erschwerend hinzu, dass sich ihre Situation durch Corona verschärft hat: Sie leben noch isolierter, können kaum noch Hilfeangebote und Kliniken aufsuchen und betroffene Kinder sind oftmals ohne Schule und Kita rund um die Uhr für die Täternetzwerke verfügbar. Ein weiteres sehr belastendes Thema für viele traumatisierte Menschen ist zudem die Maskenpflicht. Viele Täter und Täterinnen maskieren sowohl sich als auch die Betroffenen in diesem Gewaltkontext. Das Tragen von Masken löst bei den Betroffenen diese Erinnerungen wieder aus. Mit berta können wir einen wichtigen Beitrag leisten, diese Betroffenengruppe in der Corona-Krise zu unterstützen. Die Fachkräfte am Telefon sind da, sie hören zu und sie begleiten - auch wenn es schwer wird.“

Johannes-Wilhelm Rörig, Unabhängiger Beauftragter für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs (UBSKM): „Die große Resonanz beim Telefon berta zeigt, wie wichtig es ist, dass wir Betroffenen aus diesem Gewaltkontext, der oft sehr abgeschottete Strukturen aufweist, ein spezifisches Angebot bieten. Es ist aber noch viel Aufklärungsarbeit bei psychologischen und pädagogischen Fachkräften und insbesondere bei Justiz und Politik notwendig, um diese Menschen beim Ausstieg aktiv zu unterstützen und entsprechende Hilfeangebote bereitzustellen. Hier braucht es dringend mehr Wissen, Kooperation und Vernetzung in den Regelsystemen.“
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