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So, 16:23 Uhr
05.12.2021
DIW-Studie

KI ist schon im Arbeitsalltag angekommen

Viele Erwerbstätige arbeiten bereits mit Künstlicher Intelligenz (KI), ohne sich dessen bewusst zu sein. Das zeigt eine Studie, für die Wissenschaftlerinnen aus dem Sozio-oekonomischen Panel (SOEP) des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) und Wissenschaftler der Technischen Universität Berlin zusammengearbeitet haben...

Die ForscherInnen haben Befragungsdaten aus der Innovationsstichprobe des SOEP zum Thema Digitalisierung ausgewertet. Demnach bejahten nur 20 Prozent der befragten Erwerbstätigen die direkte Frage, ob sie bei ihrer Arbeit mit Künstlicher Intelligenz in Berührung kommen. Wurden die UmfrageteilnehmerInnen allerdings nicht direkt nach Künstlicher Intelligenz gefragt, sondern ob sie in ihrem Beruf beispielsweise Funktionen wie Spracherkennung oder automatisierte Bildbearbeitung nutzen, gaben fast doppelt so viele an, dass dies täglich der Fall sei.

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„Es gibt eine Diskrepanz zwischen der öffentlichen Wahrnehmung von KI und dem realen Einsatz konkreter KI-basierter Systeme im Berufsleben“, analysiert Studienautor Oliver Giering von der TU Berlin. „Viele Menschen denken beim Begriff KI an intelligente Roboter in einer fernen Zukunft – dabei sind bereits jetzt in vielen Betrieben KI-Systeme im Einsatz, die Erwerbstätigen Aufgaben abnehmen.“ Die verzerrte Wahrnehmung führe dazu, dass viele Erwerbstätige, die mit Sprach-, Bild- oder Texterkennung und -verarbeitung arbeiten, gar nicht wüssten, dass es sich um KI-basierte Systeme handelt.

DIW-Wochenbericht (Foto: DIW-Berlin) DIW-Wochenbericht (Foto: DIW-Berlin)


Nur wenige Beschäftigte arbeiten ausschließlich mit KI
Häufig allerdings erledigen Erwerbstätige Aufgaben, die potenziell auch von KI-basierten Systemen übernommen werden könnten, immer noch selbst. In allen untersuchten Bereichen war dies bei der Mehrheit der Erwerbstätigen der Fall. „KI-Systeme werden aktuell nur teilweise für die Tätigkeiten eingesetzt, zu denen sie fähig wären“, ergänzt Co-Autorin Alexandra Fedorets vom DIW Berlin. Häufig sei ein Einsatz der oft teuren KI-Produkte nicht wirtschaftlich. „Oft sprechen aber auch technologische, rechtliche oder arbeitspolitische Gründe gegen die Automatisierung. Bei vielen Tätigkeiten ist die Frage auch schlicht: Ist es wirklich sinnvoll, sie zu automatisieren?“, so Fedorets.

Weiterbildungen könnten Transparenz stärken
„Die Debatte um KI im Arbeitsleben wird oft von der Frage bestimmt, ob durch Automatisierung Arbeitsplätze wegfallen“, so Co-Autorin Jule Adriaans vom DIW Berlin. „In der Realität in den Betrieben geht es aber viel häufiger darum, die Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine konkret auszugestalten.“ So gebe es auch eine Gruppe derjenigen, die bei einem Teil ihrer Tätigkeiten von KI-basierten Systemen unterstützt werden, aber gleichzeitig Aufgaben aus demselben Tätigkeitsbereich weiterhin ohne technische Unterstützung ausführen. Im Bereich Texterkennung und -verarbeitung arbeiten immerhin 26 Prozent der Erwerbstätigen so. Nur ein verschwindend geringer Teil der Erwerbstätigen nutzt dagegen ausschließlich KI-basierte Systeme. „Um im Alltag gut mit KI-Systemen arbeiten zu können, müssen die Menschen mehr darüber wissen, was das für Systeme sind und wie sie funktionieren“, ergänzt Co-Autor Stefan Kirchner, Leiter des Fachgebiets Digitalisierung der Arbeitswelt der TU Berlin. „Damit Menschen die Digitalisierung an ihrem Arbeitsplatz mitgestalten können, sollten Unternehmen und die Politik gezielt Weiterbildungen fördern, die den kompetenten Umgang mit KI stärken.“
Autor: red

Kommentare
Marino50
05.12.2021, 17.30 Uhr
KI
Na dann naht ja Rettung für die Zukunft.
Kritiker2010
05.12.2021, 18.09 Uhr
Das alles ist noch keine KI!
"Künstliche Intelligenz" ist in nur kurzer Zeit zum Modebegriff verkümmert. Durch den inflationären Gebrauch und die Desensibilisierung entsteht aber erst die eigentliche Gefahr.

Unzählige Softwarehersteller weben damit. Doch nahezu alles, was uns heute als KI verkauft wird, sind mehr oder weniger fest definierte Algorithmen. Es werden also Daten nach von Menschen vorherbestimmten Mustern durchsucht und die dafür vorgesehene, zunehmend flexibler gestalteten, Lösungen angewendet. Dies hilft bei der Vereinfachung und Beschleunigung von Arbeiten und ist im besten Fall das, wozu Computer und Programme entwickelt wurden.

Dieser Ansatz birgt aber auch die Gefahr, in einer Art Trichter zu landen und damit mögliche alternative Lösungen auszublenden. Ein besonders deutliches Negativbeispiel sind die Filteralgorithmen der sozialen Medien, durch die vermehrt Beiträge empfohlen werden, die den aufgezeichneten Such- oder Verhaltensmustern der Benutzer entsprechen. Durch das hohe Vertrauen in die Inhalte und die scheinbar häufige Reflexion der eigenen Meinung entstehen die so genannten Meinungsblasen. Eine zusätzliche Gefahr besteht in der Möglichkeit, Meinungen so auch gezielt zu beeinflussen.

Das alles ist aber noch eine Art KI-Ponyhof.

Denn eine echte, starke Künstliche Intelligenz wird sich sehr schnell dem menschlichen Geist überlegen zeigen und über kurz oder lang eigene Interessen verfolgen. Die umfassende Vernetzung der Welt ist die Grundlage für ...
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