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Mi, 13:38 Uhr
12.02.2014

Die Schildbürger des Wippertales

Diese lustige Geschichte aus der Sagenwelt unserer Heimat, wurde aufgespürt von Horst Rasemann. Er möchte sie Ihnen, liebe Leser, nicht vorenthalten. UNd sie beginnt mit einem kurzen Reim...


„Kennst du das schöne Flacken Ahrn,
kennst du das kleine Landchen
hier zwischen Harz un Thüringer Land?
Dies Land, das äß min Heimatland!“

So beschrieb in einem Gedicht der Volksdichter Friedrich Kiel aus Kleinbodungen einst seine Heimat, die inmitten einer sanften Hügellandschaft im reizvollen Tal der Bode liegt. Eine ebenso großartige Landschaft ist unser schönes Wippertal, gelegen zwischen Harzvorland und Thüringer Becken, zwischen Wind- und Hainleite.

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Es weist nicht nur eine reizvolle Natur auf, auch viele Sagen hat der Volksmund hier angesiedelt. Von den Bewohnern eines Dorfes im Tal der Wipper, das zwischen Kleinfurra und Nohra liegt, der Name dieses Ortes sei wohlweislich verschwiegen, da die Einwohner dieses Dorfes es bis heute noch nicht überwunden haben die „Schildbürger des Wippertales“ genannt zu werden, erzählt man sich folgende lustige Mär:

Als zu Kriegszeiten einmal das Salz ausging, da die Händler in den Kriegswirren nicht mehr nach Frankenhausen mit ihren Fuhrwerken durchkamen, wo das Salz gewonnen wurde, war unter den Einwohnern des Dorfes guter Rat teuer. Je länger es ausblieb, je öfters versammelte man sich und beriet wie man wohl an das kostbare Salz gelangen könne.

Eines Abends hatte doch dann endlich ein genialer Kopf, also eine zerebrale Ausnahmeerscheinung unter den Einwohnern eine scharfsinnige Idee: „Schulze,“ so nannte man früher den Bürgermeister, „Ich haas, wir saen das Solz wie die Zuckerruben auf dem Feld und wenn es riff äs dann wart´s gemäht, so haan wir dann riechlich Solz.“ Alle Anwesende waren von dem Vorschlag begeistert und nicht nur an diesem Abend floss noch reichlich der Nordhisser Brandwein und Dünnbier zum Wohle des Entdeckers des Salzkrautes.

In der Folgezeit begann man nun fleißig und mit großem Eifer auf ein Gemeindefeldstück das wenige noch vorhandene Salz zu säen. Und zur Freude der Einwohner dauerte es auch gar nicht lange so ging das Salz auf, grünte und wuchs prächtig heran. Nur die Kühe der Bauern bereiteten den Bürgern des Dorfes Ärger, denn denen schien das Salz auch zu schmecken und immer wieder rissen sie das Salzkraut aus und fraßen davon. Um dies zu verhindern wurden Tag und Nacht Wachen rings um das Feld aufgestellt.

Doch eines Tages gelangten die Tiere wieder auf den Salzacker und ehe die Wachen es merkten, die wohl in der Hitze des Tages eingeschlafen waren, befanden sie sich mitten auf dem Feld. Man beratschlagte und da sich die Einwohner für klug hielten, beschlossen sie den Schulzen auf eine Schafshürde zu setzen und ihn von vier kräftigen Männern über das Feld tragen zu lassen damit er das Salz nicht zertrete, aber die Kühe dennoch verjagen könne, was dann auch in praxi mit großen Erfolg ausgeführt wurde.

Es kam nun die Zeit da das Salzkraut Schnittreif wurde, so schickte man sich an, das Kraut zu schneiden doch, oh weh, wie sie nun begannen das Salz mit Sense und Sichel zu schneiden um dann die Ernte mit Pferd und Wagen heimfahren zu können, war es so scharf, dass es ihnen die Hände und die Haut verbrannte. Und so berieten sie abermals und kamen zu dem Entschluss, dass man das Salzkraut mit der Sense nicht hauen dürfe, da sonst das Salz ausfällt, aber wie sollte man es sonst tun? Nun so beschloss man erst einmal das Salzkraut stehen zu lassen bis ein neuer kluger Rat von ihnen gefunden worden war.

Die Leute aber in den umliegenden Dörfern sahen in dem Salzkraut nichts anderes als Brennnesseln. Sie behielten aber ihr Wissen für sich um den Schildbürgern des Wippertales die Ernte nicht zu verderben. Aber geschwiegen scheinen sie doch nicht zu haben, denn die Einwohner dieses, mit Absicht nicht genannten Dorfes, kaufen heute ihr Salz auch in den Kaufläden und haben den Brennnesseln auf ihren Feldern und Gärten den Kampf angesagt. Aber heute noch tragen sie den Spitznamen „Salzmänner“.

Solltest du, lieber Leser, dieses Dorf und ihre Einwohner kennen, so stimmst du mit mir bestimmt überein, dass diese Geschichte nur eine reine Erfindung sein kann. Vielleicht entstanden aus den Neid anderer Menschen. Im Gegenteil, diesen Spitznamen „Salzmänner“ sollen sie ihrer Klugheit verdanken. So soll in dem besagten Dorf gegen Ende des 18. Jahrhunderts ein reges geistiges Leben geherrscht haben.

Angesehene Männer der Gemeinde gründeten eine sogenannte „Ökonomische Gesellschaft“, die es sich zur Aufgabe gemacht hatte, die sozialen Ideen Christian Gotthilf Salzmanns, eines Pädagogen aus Schnepfental aus dem Thüringer Wald, in ihren kleinen Kreise zu verwirklichen und auch Kunst und Wissenschaft zu fördern. Die Mitglieder dieser Vereinigung wurden nach dem Zweck ihres Vereins „Salzmänner“ genannt. Sie beschäftigten sich auch mit Problemen der Landwirtschaft.

Diese Sage von den „Schildbürgern des Wippertales“ ist auch ein Zeichen dafür, dass unsere Vorfahren sehr lustig sein konnten. Hinter dieser lustigen Mär spiegeln sich auch die Sorgen, Nöte und Ängste unserer Altvorderen wider. Wie z.B. in diesem Fall täglich genügend Salz zur Verfügung zu haben, denn Salz war für die Menschen immer schon wichtig, ja heilig. Das Salz ist ältestes Würzmittel und dient zugleich der Mineralstoffzufuhr des Körpers. Schon vor 4000 Jahren ist der Salzbergbau nachweisbar.

Besonders aufmerksam wurde man im Jahre 1573. Damals fand man einen vor Jahrtausenden verunglückten Bergmann, der im Salz vollkommen eingeschlossen und dadurch konserviert war. Auch bei Mumifizierungen im alten Ägypten hat man unter anderem Salz verwendet. Anfänglich setzten die Menschen den Speisen Meerwasser oder Quellsole zu. Doch bald kam man darauf, das Wasser zu verdunsten und erhielt Salz in kristallisierter Form.

Um den Besitz des sagenhaften „Salzflusses“ stritten Hermunduren und Chatten. Sie schlugen, wie Tacitus berichtet, im Sommer 58 eine große Feldschlacht an ihren Grenzen.(Wahrscheinlich bei dem alten Salza, dem heutigen Bad Salzungen.) Salz war immer ein beliebtes Handelsobjekt. Besonders bei Völkern, wo es nicht oder nur wenig vorkam, war es überaus begehrt. Für Salz war damals alles zu haben. Ein reger Tauschhandel machte die Salzbesitzenden zu reichen Leuten. Sie erhielten dafür die schönsten Bernsteinarbeiten, Gold- und Silberschmuck, tranken die erlesensten Weine.

Die alten Salzstraßen, auf denen das Salz transportiert wurde, sind zum Teil bis heute erhalten geblieben. Bei uns verband eine wichtige Straße einst die weithin berühmte Salzstadt Frankenhausen mit der Freien Reichsstadt Nordhausen. Sie ging am Kyffhäuser entlang, schmiegte sich an den auslaufenden südlichen Gipshängen des Kyffhäusergebirges. Dann führte sie unterhalb der einstigen königlichen Falkenburg vorbei, die zur Sicherung der Alten Salzstraße diente. Später wurde die Burg missbraucht als Raubritterburg von Hans von der Falkenburg.

Weiter schlängelte sich die Salzstraße an der Ochsenburg vorbei, die mit ihren Wallsystem an eine steinzeitliche Höhensiedlung aus dem 4./3. Jh. v. Chr. erinnert, dann über Steinthaleben, über die sogenannte Auleber Kalkberge und führte letztlich zur Königsstraße der via regia. Diese verlief in Richtung Nordhausen. Vielen Völkern war das Salz heilig. Manchmal verwendete man es um Krankheiten zu heilen. Auch galt es als Schutz vor bösen Geistern. Brot und Salz wurde als Zeichen der Gastlichkeit gegeben. Vor dem Einzug in ein neuerbautes Haus trug man Brot und Salz hinein, damit beides nie ausgehen möge. Verschüttetes Salz gilt heute noch als böses Vorzeichen.
Horst Rasemann
Autor: red

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