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So, 12:25 Uhr
25.05.2014

Ein besonderes Geschenk

Manchmal waren wir ganz schön verzweifelt, sagt Irene Hesse, die Leiterin der Außenwohngruppe der Tom-Mutters-Wohnstätte der Lebenshilfe Leinefelde-Worbis. Als Karl-Heinz Apelt vor zwei Jahren in die Außenwohngruppe kam, gab es viele Probleme. Heute sieht das anders aus....

Karl-Heinz Apelt vor seiner Modellbahn (Foto: Gisela Reinhardt) Karl-Heinz Apelt vor seiner Modellbahn (Foto: Gisela Reinhardt)

Nach einer schwierigen Vergangenheit hatte er zuletzt drei Jahre in einem Heim für demenzkranke Menschen gelebt. Dort war er der jüngste und fitteste Bewohner. Sein gerichtlich bestellter Betreuer suchte in der Lebenshilfe ein neues Zuhause für ihn, aber Karl-Heinz machte es ihm und den Mitarbeitern nicht leicht. Es folgte eine lange Zeit der Eingewöhnung.

Das Akzeptieren von Regeln und eine verbindliche Tagesstruktur fielen ihm schwer. Vormittags besuchte er die Tagesstätte für älter und schwächer werdende Menschen mit Behinderung. Auch hier gab es Anpassungsschwierigkeiten. Karl-Heinz Apelt, geboren in einem Eisenbahnerhäuschen, erlernte den Beruf eines Schienenfahrzeugschlossers und übte diesen auch aus. Sein Interesse galt der Eisenbahn.

Bei einem Klinikaufenthalt lernte er seine Interessen mit einem kreativen Hobby zu verbinden. Er fing an, auf Pappe Häuschen zu zeichnen, auszuschneiden, zu bemalen und die Teile zusammenzukleben. Aus Wollresten bastelte er Bäume und Sträucher. Jede freie Stunde nutzte er dafür und er wurde zusehends ruhiger, freundlicher und umgänglicher.

"Je intensiver er sich mit seinen Basteleien beschäftigte, desto seltener hörte man: Ja, aber..", erzählt Irene Hesse. Karl-Heinz Apelt hat eine tolle positive Entwicklung in Charakter und Umgang erfahren. Er ist angekommen! An seinem Beispiel wird deutlich, wie wichtig eine sinnvolle und erfüllende Beschäftigung für das Wohlbefinden eines jeden Menschen ist.

Auf der Eisenbahnplatte von Karl-Heinz sind nach und nach 47 Häuser, Kirchen, Fabrikgebäude, Wasserturm, Stellwerk usw. entstanden, die von einem Schienennetz umgeben sind. Das alles hat er nur aus Pappresten selbst gebaut. Die neun Lokomotiven konnte er von seinem Budget kaufen oder in der Tauschbörse tauschen. Sein Geburtstagsgeschenk zum 65. Geburtstag, den er in den nächsten Wochen feiert, hat er vom Lions-Club Worbis-Heiligenstadt/ Eichsfeld schon bekommen.

Lions Clubs International ist eine weltweite Vereinigung freier Menschen, die in freundschaftlicher Verbundenheit bereit sind, sich den gesellschaftlichen Problemen unserer Zeit zu stellen und uneigennützig an ihrer Lösung mitzuwirken. Lions helfen und engagieren sich ehrenamtlich für Menschen, die Hilfe brauchen. Dabei kümmern sie sich um die Mitmenschen in ihrer Nachbarschaft genauso wie um Notleidende in aller Welt. Seit 2006 organisiert der Lions-Club Worbis-Heiligenstadt/ Eichsfeld alle zwei Jahre einen unvergesslichen Erlebnistag im Harz für Kinder, die sich sonst einen Urlaub nicht leisten können.

Vor einer Woche durfte auch Karl-Heinz Apelt an diesem Event teilnehmen. Gemeinsam mit über 100 Gästen, von denen die meisten Kinder, aber auch 11 Menschen mit Behinderung der Lebenshilfe Leinefelde-Worbis waren, ging es mit einem von einer Dampflock gezogenen Sonderzug nach Gernrode im Harz.

Alle erlebten einen unvergesslichen Tag in Thale, mit Seilbahnfahrt, Hexentanzplatzbesuch und Tierparkaufenthalt. Für alle gab es Essen und Trinken satt und besonders die aufmerksame und liebevolle Betreuung durch die Lions tat gut. Die ganze folgende Woche über, waren die Erlebnisse dieses Tages Thema Nr. 1 in der Wohnstätte. Karl-Heinz Apelt war überglücklich. Er erlebte die Zugfahrt wie im Traum. Da auf seiner Eisenbahnplatte im Wohnzimmer keine freien Baugrundstücke mehr vorhanden sind, plant er ein neues Projekt.

Nun möchte er Gebäude aus Worbis nachbauen und Worbis wieder an das Schienennetz anschließen. Mal sehen, was die Stadtväter zu seinem Vorschlag sagen, wenn er die neue Platte präsentiert.
Gisela Reinhardt
Autor: en

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