Mi, 12:37 Uhr
11.05.2016
Lebenshilfe Leinefelde-Worbis: Wofür sich Leben lohnt
Wunder sind höchst selten...
Das Foyer des Eichsfelder Kulturhauses war in der vergangenen Woche gut gefüllt und die Gäste in gespannter Erwartung auf den jungen Mann, der im Dezember 2010 in der Wetten, dass.. -Sendung eine schicksalhafte Wende in seinem Leben erfahren musste. Als er sich das Genick brach, sahen Millionen Menschen zu.....
Mit seinem Gesicht und seinem Namen verbinden sich eine Schlagzeile, ein Schock und eine Welle des Mitgefühls und der Solidarität. Umso mehr gespannt waren die Gäste in Heiligenstadt zu sehen, wie es Samuel Koch heute geht und wie er sein Leben meistert. Durch zwei unfallbedingte Staus auf der Autobahn wurde die Geduld des Publikums auf eine harte Probe gestellt.
Mit einer mehr als einer zweistündigen Verspätung konnte die Veranstaltung beginnen. Samuel entschuldigte sich bei den Gästen, die geduldig ausgeharrt hatten. Ein ganzer Stapel Karten mit Fragen erwartete ihn. Auf die Kampagne der Lebenshilfe Leinefelde-Worbis eingehend, sprach er darüber wofür sich Leben lohnt. Die Antwort darauf hat für ihn immer mit Menschen zu tun, seien es Familie, Freunde, oder die Kollegen am Darmstädter Theater. Menschen sind für ihn wichtig.
Gerade in meiner Situation bin ich immer auf die Hilfe von Menschen angewiesen. Ich bin aber auch gern allein und hänge meinen Gedanken nach. Manchmal fällt es schwer, morgens aufzustehen, aber dann muss man sich immer wieder motivieren und sich auf die Kleinigkeiten im Leben freuen.
Bei den Werten in seinem Leben, gebraucht er das Bild der Seerose, deren Blüte leicht auf dem Wasser schwimmt und durch die Bewegung des Wassers in Bewegung gebracht wird. Unterhalb der Wasseroberfläche ist sie durch einen langen Stiel fest mit der Wurzel im Erdreich verwachsen. Die Wurzeln halten sie und halten sie am Leben. Der größte Wert in seinem Leben besteht darin, dass ich sein darf, dass ich bin.
Samuel Koch (Foto: Gisela Reinhardt)
Bei der Definition von Glück, unterscheidet Samuel Koch Dinge, die großes Glück bedeuten, wie das Glück zu leben, das Glück, Familie und Freunde zu haben, die für ihn da sind und die ihn lieben. Aber auch die kleinen Glücksmomente sind ihm wichtig, wie Sonnenschein, die Farben und der Duft der Blumen, ein freundliches Wort, ein gutes Gespräch, ein guter Film, ein gutes Theaterstück mit viel Applaus, aber auch das Ende eines schlechten Theaterstücks. Die Liste ist fast unbegrenzt erweiterbar.
Was ihn am meisten ärgert, ist Ungerechtigkeit, aber auch seine eigene Hilflosigkeit und dass er so vieles, was früher selbstverständlich war, heute nicht mehr kann. Die Kunst ist aber, dem nicht so viel Beachtung zu schenken und auf die positiven Dinge zu schauen. Die Frage nach einem Leitspruch oder Motto für sein Leben verneinte er. Ein Leitspruch wäre für ihn wie ein Korsett, oder ein Plan, an dem man Häkchen machen müsste. Bei seiner Energie und seinem Willen wird er sicher noch viele Häkchen über Geschafftes in seinem Leben machen.
Nach einer Botschaft für das Publikum gefragt, antwortete er, dass er immer wieder erlebt hat, dass es wichtig ist, seine eigenen Erfahrungen zu machen. Ob im Krankenhaus, oder auch sonst, immer wenn jemand gesagt hat, dass etwas gut für ihn sei, war es für ihn schlecht und wenn jemand gesagt hat, das ist nicht gut für Dich, dann war es gerade für ihn gut.
Viele Fragen der Gäste galt es für Samuel Koch zu beantworten. Er erzählte, dass vier Festangestellte und zwei Teilzeitkräfte für ihn da sind, dass er zum Glück nicht viele Schmerzen hat, aber auch davon, dass er in den ersten Wochen und Monaten Schmerzen hatte, die kaum auszuhalten waren, die ihm zeitweilig die Luft und das Bewusstsein nahmen. Ehrlich sagte er auch, dass er in diesen Momenten nicht mehr leben wollte und seine Mutter bat, einen Tierarzt zu holen, damit der ihn, wie jedes kranke Tier von seinen Leiden erlösen würde.
Als Tetraplegiker kann Samuel Koch weder seine Arme noch seine Beine bewegen. Er berichtete auch von seinem Verhältnis zu Gott, zu dem er zeitenweise eine Fernbeziehung hatte, aber der ihm gerade in seinem Leid ein treuer und wertvoller Begleiter geworden ist.
Heute bereut er die Teilnahme bei Wetten, dass... Er ergänzt aber, wenn der Unfall nicht gewesen wäre, und er heute wieder gefragt würde, er nicht genau sagen kann, ob er nicht wieder ja sagen würde. Tausende von gleichen Sprüngen, die er seit früher Jugend trainiert hat, sind immer perfekt gelungen. Niemand hat damit gerechnet, dass etwas schief geht.
Auch Fragen, wie Liebe, Kinderwunsch und Verlobung wurden gestellt. Das Ja seiner Partnerin zu einer gemeinsamen Lebensplanung war für Samuel ein glücklicher und unvergesslicher Moment. Nach Hobbys gefragt, sagte er: ich habe Rentnerhobbys, wie Lesen, Filme schauen und SMS beantworten. Über weitere Filmprojekte wollte er noch nicht sprechen. Es ist einiges in Planung, aber, man wird sehen.
Was würden Sie als erstes tun, wenn alles so wäre, wie früher? – eine Frage, bei der Samuel kurz überlegte und tief einatmete: Als erstes würde ich laufen, um des Laufens willen, ich würde mich an einen Baum anlehnen und die feste Rinde unter meinen Händen spüren, um des Fühlen und Greifen willens. Ich würde mich vor dem Baum ins Gras setzen – um des Setzen willens. Ich würde die Beine überschlagen, weil ich es ja dann könnte. Ich würde die Arme hinter dem Kopf verschränken und die Hände gefaltet hinter dem Kopf lassen – dazu müsste allerdings ein Wunder passieren, aber Wunder sind höchst selten!
Autor: enMit seinem Gesicht und seinem Namen verbinden sich eine Schlagzeile, ein Schock und eine Welle des Mitgefühls und der Solidarität. Umso mehr gespannt waren die Gäste in Heiligenstadt zu sehen, wie es Samuel Koch heute geht und wie er sein Leben meistert. Durch zwei unfallbedingte Staus auf der Autobahn wurde die Geduld des Publikums auf eine harte Probe gestellt.
Mit einer mehr als einer zweistündigen Verspätung konnte die Veranstaltung beginnen. Samuel entschuldigte sich bei den Gästen, die geduldig ausgeharrt hatten. Ein ganzer Stapel Karten mit Fragen erwartete ihn. Auf die Kampagne der Lebenshilfe Leinefelde-Worbis eingehend, sprach er darüber wofür sich Leben lohnt. Die Antwort darauf hat für ihn immer mit Menschen zu tun, seien es Familie, Freunde, oder die Kollegen am Darmstädter Theater. Menschen sind für ihn wichtig.
Gerade in meiner Situation bin ich immer auf die Hilfe von Menschen angewiesen. Ich bin aber auch gern allein und hänge meinen Gedanken nach. Manchmal fällt es schwer, morgens aufzustehen, aber dann muss man sich immer wieder motivieren und sich auf die Kleinigkeiten im Leben freuen.
Bei den Werten in seinem Leben, gebraucht er das Bild der Seerose, deren Blüte leicht auf dem Wasser schwimmt und durch die Bewegung des Wassers in Bewegung gebracht wird. Unterhalb der Wasseroberfläche ist sie durch einen langen Stiel fest mit der Wurzel im Erdreich verwachsen. Die Wurzeln halten sie und halten sie am Leben. Der größte Wert in seinem Leben besteht darin, dass ich sein darf, dass ich bin.
Samuel Koch (Foto: Gisela Reinhardt)
Bei der Definition von Glück, unterscheidet Samuel Koch Dinge, die großes Glück bedeuten, wie das Glück zu leben, das Glück, Familie und Freunde zu haben, die für ihn da sind und die ihn lieben. Aber auch die kleinen Glücksmomente sind ihm wichtig, wie Sonnenschein, die Farben und der Duft der Blumen, ein freundliches Wort, ein gutes Gespräch, ein guter Film, ein gutes Theaterstück mit viel Applaus, aber auch das Ende eines schlechten Theaterstücks. Die Liste ist fast unbegrenzt erweiterbar.Was ihn am meisten ärgert, ist Ungerechtigkeit, aber auch seine eigene Hilflosigkeit und dass er so vieles, was früher selbstverständlich war, heute nicht mehr kann. Die Kunst ist aber, dem nicht so viel Beachtung zu schenken und auf die positiven Dinge zu schauen. Die Frage nach einem Leitspruch oder Motto für sein Leben verneinte er. Ein Leitspruch wäre für ihn wie ein Korsett, oder ein Plan, an dem man Häkchen machen müsste. Bei seiner Energie und seinem Willen wird er sicher noch viele Häkchen über Geschafftes in seinem Leben machen.
Nach einer Botschaft für das Publikum gefragt, antwortete er, dass er immer wieder erlebt hat, dass es wichtig ist, seine eigenen Erfahrungen zu machen. Ob im Krankenhaus, oder auch sonst, immer wenn jemand gesagt hat, dass etwas gut für ihn sei, war es für ihn schlecht und wenn jemand gesagt hat, das ist nicht gut für Dich, dann war es gerade für ihn gut.
Viele Fragen der Gäste galt es für Samuel Koch zu beantworten. Er erzählte, dass vier Festangestellte und zwei Teilzeitkräfte für ihn da sind, dass er zum Glück nicht viele Schmerzen hat, aber auch davon, dass er in den ersten Wochen und Monaten Schmerzen hatte, die kaum auszuhalten waren, die ihm zeitweilig die Luft und das Bewusstsein nahmen. Ehrlich sagte er auch, dass er in diesen Momenten nicht mehr leben wollte und seine Mutter bat, einen Tierarzt zu holen, damit der ihn, wie jedes kranke Tier von seinen Leiden erlösen würde.
Als Tetraplegiker kann Samuel Koch weder seine Arme noch seine Beine bewegen. Er berichtete auch von seinem Verhältnis zu Gott, zu dem er zeitenweise eine Fernbeziehung hatte, aber der ihm gerade in seinem Leid ein treuer und wertvoller Begleiter geworden ist.
Heute bereut er die Teilnahme bei Wetten, dass... Er ergänzt aber, wenn der Unfall nicht gewesen wäre, und er heute wieder gefragt würde, er nicht genau sagen kann, ob er nicht wieder ja sagen würde. Tausende von gleichen Sprüngen, die er seit früher Jugend trainiert hat, sind immer perfekt gelungen. Niemand hat damit gerechnet, dass etwas schief geht.
Auch Fragen, wie Liebe, Kinderwunsch und Verlobung wurden gestellt. Das Ja seiner Partnerin zu einer gemeinsamen Lebensplanung war für Samuel ein glücklicher und unvergesslicher Moment. Nach Hobbys gefragt, sagte er: ich habe Rentnerhobbys, wie Lesen, Filme schauen und SMS beantworten. Über weitere Filmprojekte wollte er noch nicht sprechen. Es ist einiges in Planung, aber, man wird sehen.
Was würden Sie als erstes tun, wenn alles so wäre, wie früher? – eine Frage, bei der Samuel kurz überlegte und tief einatmete: Als erstes würde ich laufen, um des Laufens willen, ich würde mich an einen Baum anlehnen und die feste Rinde unter meinen Händen spüren, um des Fühlen und Greifen willens. Ich würde mich vor dem Baum ins Gras setzen – um des Setzen willens. Ich würde die Beine überschlagen, weil ich es ja dann könnte. Ich würde die Arme hinter dem Kopf verschränken und die Hände gefaltet hinter dem Kopf lassen – dazu müsste allerdings ein Wunder passieren, aber Wunder sind höchst selten!

