So, 17:05 Uhr
15.05.2016
Meinungen aus der Musikszene
Silly mit neuem Album "Wutfänger"
Alles begann 1978 als eine junge Band, namens Familie Silly, sich daran machte von Berlin aus den Rest der Republik zu erobern. Anfangs noch mit leichter Tanzmusik im Gepäck und lustigen Texten, wandelte sich das Blatt relativ schnell...
Federführend unter Sängerin Tamara Danz wurde Silly schnell vom Geheimtipp zu einer der bekanntesten und ernstzunehmensten Bands der DDR. Mit provokantem Auftreten in Sachen Frisuren, Styling und vor allem musikalisch, in einem Mix aus Rock und New Wave, meist weit ihrer Zeit voraus setzten sie Trends.
So konnte die Band besonders bei den jungen Fans punkten. Dabei hatten Silly auch etwas zu sagen. In ihren Texten war Widerspruch Aufruhr, Wut und Revolution. Man sprach Dinge offen, aber auch verdeckt an, um aufzurütteln und zu bewegen. Dass dabei auch der ein oder andere Hit herauskam schadete weder Silly noch Tamara noch dem Image, das die Band ausmachte.
Nach Erscheinen des Albums Paradies starb Tamara Danz am 22. Juli 1996 im Alter von 43 Jahren an Brustkrebs. Damals dachten viele es wäre das Ende der Band.
Nach einer längeren Pause wagte man aber mit Schauspielerin Anna Loos einen Neuanfang. Gleich ihr erstes gemeinsames Album Alles Rot und die dazugehörige Tour war für Silly ein Erfolg.
Nun legen sie mit Wutfänger ihr 3. gemeinsames Album vor. Zu den eigenen Wurzeln stehend, mit dem Wunsch, sich den Ursprung, die Liebe und die Unbeschwertheit zu bewahren. Getrieben von der absoluten Sehnsucht, bei sich zu bleiben und keinen Kompromiss einzugehen. WUTFÄNGER ist ein Blick auf unsere Welt geworden. Eine Welt voller Liebe und Hoffnung, aber auch eine Welt voller Zweifel und Krieg, bringt Anna Loos das Thema des Albums auf den Punkt.
Und traditionsgemäß überzeugt SILLY mit Texten, die auf diesem Album im wesentlichen aus der Feder von Anna Loos stammen. Dabei geht es durchaus direkt zu. Die Band teilt kräftig aus gegen Neider, Schleimer, Mitläufer und Klugschwätzer. Dabei öffnen Anna Loos und ihrer Mitstreiter auch hin und wieder die Augen und Ohren durchaus auch für ernste Themen wie Kindesmissbrauch, Hoffnungslosigkeit und rechte Dummheit.
So ist auch die erste Single Kampflos ein von trauriger Aktualität geprägtes Anti-Kriegs-Lied, das mit schlichten, aber treffsicheren Worten die Sinnlosigkeit eines jeden Krieges entlarvt. Ein eingängiger zeitloser Song in (neuer) Silly Manier, in dem die Band zeigt das in dem Wort Unterhaltung auch immer das Wort Haltung steckt.
So ist dieser wie das ganze neue Album auch, verpackt in harmonische Pop / Rock im Midtempobereich, technisch ausgeklügelt und perfekt produziert und umgesetzt. Was durchaus lobenswert ist. Annas Stimme und Texte, Ritchie Bartons Piano, Uwe Hassbeckers Gitarren und Jäcki Rezniceks warmes Bassspiel harmonieren auf dem Album.
Sicher werden die neuen Fans der letzen Jahre das Album lieben, das leicht mit seinen Songs den Weg in die Ohren und Hitparaden finden wird. Dennoch werden sicher viele Begleiter der Band aus den 80er und 90er Jahren fragen – wie auch der Schreiber dieser Zeilen. Trotz aller Perfektion, wo ist der Spirit des Rock, der Geist von Tamara, das Anderssein und die Revolution, die die Band einst ausmachte geblieben?
Ist das noch Silly, ist das noch die Band, die rockend aufrüttelte, was bewegte und Trends setzte? Dabei frage ich mich beim Hören immer wieder….hätte Tamara die Songs so (klingend) gewollt bzw. die Texte gesungen?
Stefan Peter
Autor: enFederführend unter Sängerin Tamara Danz wurde Silly schnell vom Geheimtipp zu einer der bekanntesten und ernstzunehmensten Bands der DDR. Mit provokantem Auftreten in Sachen Frisuren, Styling und vor allem musikalisch, in einem Mix aus Rock und New Wave, meist weit ihrer Zeit voraus setzten sie Trends.
So konnte die Band besonders bei den jungen Fans punkten. Dabei hatten Silly auch etwas zu sagen. In ihren Texten war Widerspruch Aufruhr, Wut und Revolution. Man sprach Dinge offen, aber auch verdeckt an, um aufzurütteln und zu bewegen. Dass dabei auch der ein oder andere Hit herauskam schadete weder Silly noch Tamara noch dem Image, das die Band ausmachte.
Nach Erscheinen des Albums Paradies starb Tamara Danz am 22. Juli 1996 im Alter von 43 Jahren an Brustkrebs. Damals dachten viele es wäre das Ende der Band.
Nach einer längeren Pause wagte man aber mit Schauspielerin Anna Loos einen Neuanfang. Gleich ihr erstes gemeinsames Album Alles Rot und die dazugehörige Tour war für Silly ein Erfolg.
Nun legen sie mit Wutfänger ihr 3. gemeinsames Album vor. Zu den eigenen Wurzeln stehend, mit dem Wunsch, sich den Ursprung, die Liebe und die Unbeschwertheit zu bewahren. Getrieben von der absoluten Sehnsucht, bei sich zu bleiben und keinen Kompromiss einzugehen. WUTFÄNGER ist ein Blick auf unsere Welt geworden. Eine Welt voller Liebe und Hoffnung, aber auch eine Welt voller Zweifel und Krieg, bringt Anna Loos das Thema des Albums auf den Punkt.
Und traditionsgemäß überzeugt SILLY mit Texten, die auf diesem Album im wesentlichen aus der Feder von Anna Loos stammen. Dabei geht es durchaus direkt zu. Die Band teilt kräftig aus gegen Neider, Schleimer, Mitläufer und Klugschwätzer. Dabei öffnen Anna Loos und ihrer Mitstreiter auch hin und wieder die Augen und Ohren durchaus auch für ernste Themen wie Kindesmissbrauch, Hoffnungslosigkeit und rechte Dummheit.
So ist auch die erste Single Kampflos ein von trauriger Aktualität geprägtes Anti-Kriegs-Lied, das mit schlichten, aber treffsicheren Worten die Sinnlosigkeit eines jeden Krieges entlarvt. Ein eingängiger zeitloser Song in (neuer) Silly Manier, in dem die Band zeigt das in dem Wort Unterhaltung auch immer das Wort Haltung steckt.
So ist dieser wie das ganze neue Album auch, verpackt in harmonische Pop / Rock im Midtempobereich, technisch ausgeklügelt und perfekt produziert und umgesetzt. Was durchaus lobenswert ist. Annas Stimme und Texte, Ritchie Bartons Piano, Uwe Hassbeckers Gitarren und Jäcki Rezniceks warmes Bassspiel harmonieren auf dem Album.
Sicher werden die neuen Fans der letzen Jahre das Album lieben, das leicht mit seinen Songs den Weg in die Ohren und Hitparaden finden wird. Dennoch werden sicher viele Begleiter der Band aus den 80er und 90er Jahren fragen – wie auch der Schreiber dieser Zeilen. Trotz aller Perfektion, wo ist der Spirit des Rock, der Geist von Tamara, das Anderssein und die Revolution, die die Band einst ausmachte geblieben?
Ist das noch Silly, ist das noch die Band, die rockend aufrüttelte, was bewegte und Trends setzte? Dabei frage ich mich beim Hören immer wieder….hätte Tamara die Songs so (klingend) gewollt bzw. die Texte gesungen?
Stefan Peter
