Mi, 10:55 Uhr
07.09.2016
Freiwilligenagentur Eichsfeld des Diakonischen Werkes Eichsfeld-Mühlhausen
Günterode - Beispiel für Integration
Zehn Frauen des FSV Blau-Weiß Günterode organisieren seit letztem November an den Wochenenden regelmäßige Treffen mit ca. 30 Flüchtlingen, die im Ort untergebracht sind. Am Samstag hat die Freiwilligenagentur Eichsfeld des Diakonischen Werkes Eichsfeld-Mühlhausen e.V. die Günteröder Frauen und die Flüchtlinge besucht...
Die Frauen des FSV Blau-Weiß Günterode und die Günteröder Flüchtlinge vor dem Sportgemeinschaftshaus. Foto: Matthias Hundeshagen
In der Regel unterrichten die ehrenamtlichen Sprachvermittlerinnen die albanischen, syrischen, irakischen und afghanischen Flüchtlinge für zwei Stunden in der deutschen Sprache.
Inge Knieriemen, eine der Sprachvermittlerinnen, berichtet, dass sie vom Pfarrer in Wingerode angesprochen wurde, die Flüchtlinge zu unterstützen. Als Lehrerin im Ruhestand hat sie sich gefreut, ihre Fähigkeiten in dem ehrenamtlichen Sprachlernangebot anzuwenden. Die Dankbarkeit der Menschen habe sie berührt, erzählt Inge Knieriemen. Sie freuen sich, wenn sie etwas zurückgeben können. Im Frühjahr haben die Männer eine Woche lang in ihrem Garten Hand angelegt und im Sommer Kirschen gepflückt. Darüber hat sie sich sehr gefreut.
Im Anschluss an das Samstags-Sprachlernangebot verbringen die Männer die Zeit mit Sport, spielen Volleyball oder Fußball und die Frauen basteln oder kochen gemeinsam. Dafür bieten die Räume des Sportgemeinschaftshauses die besten Voraussetzungen. Auf Anfrage hat der Vereinsvorsitzende vom FSV Blau-Weiß Günterode Gerhard Menge die Nutzung der Räume spontan zugesagt.
Auch Orteilbürgermeister Siegfried Kobold hat immer ein offenes Ohr für den Helferkreis und unterstützt ihn wo er kann. Neben den Treffen in Sporthaus unternahmen die Helferinnen und die Flüchtlingsfamilien gemeinsam viel. Sie besuchten z.B. die Workshops des Projekts Gesicht zeigen. An dem interkulturellen Projekt Imagine Peace haben die Flüchtlinge und Helferinnen im Ort zusammen mit Flüchtlingen aus Göttingen teilgenommen.
Unter Anleitung der Flüchtlinge wurden gemeinsam T-Shirts mit der arabischen Übersetzung von "Imagine Peace" gestaltet, während nebenbei gesungen und Musik gemacht wurde. Ihre kreativen Fähigkeiten konnten sie auch im Deutschen Theater in Göttingen unter Beweis stellen. In der Reihe "Fremde Kulturen" haben sie ein eigenes Programm zusammengestellt. Auf die öffentliche Vorstellung folgten weitere Einladungen zu Veranstaltungen, die sie gerne angenommen haben.
Silvester, Kirmes, Sportfest und Maifeuer im Ort erlebten sie miteinander. Einen Höhepunkt bildete im Juli das gemeinsame Sommerfest, an dem jeder ein landestypisches Gericht brachte. Dennoch gibt es auch kritische Stimmen im Dorf. Davon lassen sich die Helferinnen jedoch nicht stören. Durch ihren türkisch-stämmigen Mann wisse sie wie schwer es ist, in einem kleinen Ort Fuß zu fassen, berichtet eine der Helferinnen. Deshalb fiel es ihr leicht, auf die Neuankömmlinge zuzugehen.
Als sie im Winter eine der neuen Familien aus Afghanistan ansprach und fragte, was sie brauchen könnten, wünschte sich diese lediglich Kontakt zu den Deutschen. Daraufhin hat sie die Familie zum Kaffee eingeladen. Petra Pape, eine weitere Helferin ist überzeugt, wer den Weg bis hier her gegangen ist, dem sollte man mit Respekt begegnen. Die Geschichten über die Flucht der Menschen aus ihrer Heimat haben sie sehr berührt. Nun, nach einer Sommerpause, nahmen die Frauen von FSV Blau-Weiß Günterode die Treffen mit den Flüchtlingen im Ort wieder auf.
Obwohl viele Flüchtlinge nach der Anerkennung des Flüchtlingsstatus in den letzten Wochen aus Günterode weggezogen sind, kamen am Samstag die meisten wieder nach Günterode, um sich mit den engagierten Frauen zu treffen. Es wurde Kaffee getrunken und der erste Geburtstag von Dima gefeiert, die in Günterode das Laufen gelernt hat. Dima ist vor einem Monat mit ihren Eltern nach Mühlhausen gezogen. Sie wären gerne in Günterode geblieben, berichtet ihre Mutter, die in Syrien als Lehrerin gearbeitet hat. In Günterode habe sie sich wohl gefühlt und Freundschaften geschlossen. Leider gab es in dem Ort keine passenden Wohnungen. In Mühlhausen hat sie bisher noch kaum Kontakt zu Deutschen. Auf das Treffen in Günterode freute sie sich deshalb besonders.
Daran, dass die meisten lieber Weißbrot essen, als deutsches Mischbrot mussten sie Helferinnen sich erst gewöhnen. Aber auch die Flüchtlinge passen sich allmählich an. Mittlerweile helfen auch die Männer ganz selbstverständlich in der Küche beim Abwasch und geben den Frauen die Hand. Mit Hilfe einer Whats App stimmen sich die Frauen von FSV Blau-Weiß Günterode untereinander ab, was den nächsten Samstag geplant ist und was gebraucht wird. Ansprechpartner für Probleme sind das Diakonische Werk Eichsfeld-Mühlhausen und die Caritas Eichsfeld/ Nordthüringen, die z.B. regelmäßig Schulungs- und Austauschveranstaltungen organisieren.
Weitere Familien haben in den letzten Wochen die Anerkennung ihres Flüchtlingsstatus bekommen und sind auf der Suche nach Wohnungen in Heiligenstadt, Mühlhausen und Göttingen. Auch wenn die Familien wegziehen, ihre Dankbarkeit für die Unterstützung der Günteröder bleibt. Sie wollen den Kontakt zu den Frauen vom FSV Blau-Weiß Günterode auf jeden Fall aufrechterhalten.
Beate Hunold
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Autor: enDie Frauen des FSV Blau-Weiß Günterode und die Günteröder Flüchtlinge vor dem Sportgemeinschaftshaus. Foto: Matthias Hundeshagen
In der Regel unterrichten die ehrenamtlichen Sprachvermittlerinnen die albanischen, syrischen, irakischen und afghanischen Flüchtlinge für zwei Stunden in der deutschen Sprache.
Inge Knieriemen, eine der Sprachvermittlerinnen, berichtet, dass sie vom Pfarrer in Wingerode angesprochen wurde, die Flüchtlinge zu unterstützen. Als Lehrerin im Ruhestand hat sie sich gefreut, ihre Fähigkeiten in dem ehrenamtlichen Sprachlernangebot anzuwenden. Die Dankbarkeit der Menschen habe sie berührt, erzählt Inge Knieriemen. Sie freuen sich, wenn sie etwas zurückgeben können. Im Frühjahr haben die Männer eine Woche lang in ihrem Garten Hand angelegt und im Sommer Kirschen gepflückt. Darüber hat sie sich sehr gefreut.
Im Anschluss an das Samstags-Sprachlernangebot verbringen die Männer die Zeit mit Sport, spielen Volleyball oder Fußball und die Frauen basteln oder kochen gemeinsam. Dafür bieten die Räume des Sportgemeinschaftshauses die besten Voraussetzungen. Auf Anfrage hat der Vereinsvorsitzende vom FSV Blau-Weiß Günterode Gerhard Menge die Nutzung der Räume spontan zugesagt.
Auch Orteilbürgermeister Siegfried Kobold hat immer ein offenes Ohr für den Helferkreis und unterstützt ihn wo er kann. Neben den Treffen in Sporthaus unternahmen die Helferinnen und die Flüchtlingsfamilien gemeinsam viel. Sie besuchten z.B. die Workshops des Projekts Gesicht zeigen. An dem interkulturellen Projekt Imagine Peace haben die Flüchtlinge und Helferinnen im Ort zusammen mit Flüchtlingen aus Göttingen teilgenommen.
Unter Anleitung der Flüchtlinge wurden gemeinsam T-Shirts mit der arabischen Übersetzung von "Imagine Peace" gestaltet, während nebenbei gesungen und Musik gemacht wurde. Ihre kreativen Fähigkeiten konnten sie auch im Deutschen Theater in Göttingen unter Beweis stellen. In der Reihe "Fremde Kulturen" haben sie ein eigenes Programm zusammengestellt. Auf die öffentliche Vorstellung folgten weitere Einladungen zu Veranstaltungen, die sie gerne angenommen haben.
Silvester, Kirmes, Sportfest und Maifeuer im Ort erlebten sie miteinander. Einen Höhepunkt bildete im Juli das gemeinsame Sommerfest, an dem jeder ein landestypisches Gericht brachte. Dennoch gibt es auch kritische Stimmen im Dorf. Davon lassen sich die Helferinnen jedoch nicht stören. Durch ihren türkisch-stämmigen Mann wisse sie wie schwer es ist, in einem kleinen Ort Fuß zu fassen, berichtet eine der Helferinnen. Deshalb fiel es ihr leicht, auf die Neuankömmlinge zuzugehen.
Als sie im Winter eine der neuen Familien aus Afghanistan ansprach und fragte, was sie brauchen könnten, wünschte sich diese lediglich Kontakt zu den Deutschen. Daraufhin hat sie die Familie zum Kaffee eingeladen. Petra Pape, eine weitere Helferin ist überzeugt, wer den Weg bis hier her gegangen ist, dem sollte man mit Respekt begegnen. Die Geschichten über die Flucht der Menschen aus ihrer Heimat haben sie sehr berührt. Nun, nach einer Sommerpause, nahmen die Frauen von FSV Blau-Weiß Günterode die Treffen mit den Flüchtlingen im Ort wieder auf.
Obwohl viele Flüchtlinge nach der Anerkennung des Flüchtlingsstatus in den letzten Wochen aus Günterode weggezogen sind, kamen am Samstag die meisten wieder nach Günterode, um sich mit den engagierten Frauen zu treffen. Es wurde Kaffee getrunken und der erste Geburtstag von Dima gefeiert, die in Günterode das Laufen gelernt hat. Dima ist vor einem Monat mit ihren Eltern nach Mühlhausen gezogen. Sie wären gerne in Günterode geblieben, berichtet ihre Mutter, die in Syrien als Lehrerin gearbeitet hat. In Günterode habe sie sich wohl gefühlt und Freundschaften geschlossen. Leider gab es in dem Ort keine passenden Wohnungen. In Mühlhausen hat sie bisher noch kaum Kontakt zu Deutschen. Auf das Treffen in Günterode freute sie sich deshalb besonders.
Daran, dass die meisten lieber Weißbrot essen, als deutsches Mischbrot mussten sie Helferinnen sich erst gewöhnen. Aber auch die Flüchtlinge passen sich allmählich an. Mittlerweile helfen auch die Männer ganz selbstverständlich in der Küche beim Abwasch und geben den Frauen die Hand. Mit Hilfe einer Whats App stimmen sich die Frauen von FSV Blau-Weiß Günterode untereinander ab, was den nächsten Samstag geplant ist und was gebraucht wird. Ansprechpartner für Probleme sind das Diakonische Werk Eichsfeld-Mühlhausen und die Caritas Eichsfeld/ Nordthüringen, die z.B. regelmäßig Schulungs- und Austauschveranstaltungen organisieren.
Weitere Familien haben in den letzten Wochen die Anerkennung ihres Flüchtlingsstatus bekommen und sind auf der Suche nach Wohnungen in Heiligenstadt, Mühlhausen und Göttingen. Auch wenn die Familien wegziehen, ihre Dankbarkeit für die Unterstützung der Günteröder bleibt. Sie wollen den Kontakt zu den Frauen vom FSV Blau-Weiß Günterode auf jeden Fall aufrechterhalten.
Beate Hunold
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