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Do, 12:15 Uhr
22.04.2021
Verkehrsunfallstatistik 2020

Weniger Unfälle gesamt, mehr Fahrten mit Alkohol und Drogen

Die Entwicklung auf den Straßen Nordthüringens wird von der Nordhäuser Polizei verhalten positiv betrachtet. Insgesamt ging das Unfallgeschehen zurück. Das muss wird aber eher nicht an mehr Umsicht der Verkehrsteilnehmer liegen, sondern eher an der Pandemie...

Die Polizei veröffentlichte heute die Unfallstatistik für Nordthüringen (Foto: Landespolizeiinspektion Nordhausen) Die Polizei veröffentlichte heute die Unfallstatistik für Nordthüringen (Foto: Landespolizeiinspektion Nordhausen)


Eine seriöse Wertung des Verkehrsunfallgeschehens des Jahres 2020 im Vergleich zu den Vorjahren sei nicht möglich, konstatiert Polizeidirektor Detlev Schum. Das Verkehrsaufkommen und damit auch das Verkehrsunfallgeschehen seien ganzjährig von den pandemiebedingten Einflüssen geprägt gewesen.
Dennoch ist die Bilanz erfreulich: in fast allen Segmenten der Verkehrsunfallstatistik ist im Jahr 2020 ein Rückgang, durchschnittlich von 10 bis 20 Prozent, zu verzeichnen und liegt damit unter dem Durchschnitt der letzten fünf Jahre.

Einzig in der Rubrik der Verkehrsunfälle unter Drogeneinwirkung ist ein Anstieg an Verkehrsunfällen sowie der Anzahl der Verunglückten zu konstatieren, teilt die Landespolizeiinspektion mit.

Unfälle gesamt7.554 -1.283 (-14,5%)
Unfälle mit Getöteten12 -3 (-20 %)
Anzahl der Getöteten12 -3 (-20%)
Unfälle mit Personenschaden789 -165 (-17,3%)
Unfälle mit Schwerverletzten193 -56 (-22,5%)
Unfälle unter Einwirkung von Drogen34 +7 (+25,9%)
Unfälle unter Drogeneinwirkung mit Verletzten14 +1 (+7,7%)



Auf der „Schadensuhr“ der Polizei bedeutet die Ergebnisse das rein rechnerisch:
  • Alle 69,9 Minuten ein Unfall durch die Polizei aufgenommen wird
  • alle 5 Stunden jemand unerlaubt vom Unfallort entfernt
  • Alle 9 Stunden jemand verunglückt
  • Alle 11 Stunden ein Unfall mit Personenschaden geschieht
  • Alle 46 Stunden ein Senior über 65 Jahre verunglückt
  • Alle 90 Stunden jemand im Alter zwischen 18 und 25 Jahren verunglückt
  • Alle 53 Stunden ein Motorradfahrer verunfallt
  • Alle 2 Tage ein Radfahrer in einen Unfall verwickelt ist
  • Alle 4 Tage ein Fußgänger verunglückt
  • Alle 5 Tage ein Unfall unter Alkoholeinfluss geschieht
  • All 6 Tage ein Kinder unter 15 Jahren verunglückt
  • Alle 11 Tage ein Unfall unter Drogeneinfluss geschieht
  • Alle 30 Tage jemand bei einem Verkehrsunfall tödlich verunglückt
  • Alle 45 Tagen ein Kind auf dem Schulweg in einen Unfall verwickelt wird


Trotz der guten Zahlen liegt man im Vergleich mit dem Rest des Freistaates bei 993 Verletzten auf dem Spitzenplatz, wobei aber berücksichtigt werden müsse dass die LPI Nordhausen Thüringens größtes Schutzgebiet in der Fläche zu bearbeiten hat. Die Unfallhäufigkeit pro 100.000 Einwohner liegt bei 2.099 (Thüringen 2.246).

Die meisten Unfälle ereigneten sich im Oktober (770) und September (741), im Wochenverlauf krachte es Freitags am häufigsten, auf den Tag betrachtet liegt die Schwerpunktzeit zwischen 10 und 18 Uhr. Vorfälle unter Alkoholeinfluss ereigneten sich im Schnitt am häufigsten am Samstag (23), sowie Donnerstags und Sonntags (jeweils 17). Zeitlich lag der Schwerpunkt hier zwischen 18 und 20 Uhr.

Verletzt wurden insgesamt 984 Personen (2019: 1.190), darunter 720 Fahrzeugführer und Mitfahrer, 189 Radfahrer und 75 Fußgänger, wobei 9 Fahrzeugführer, zwei Fußgänger und ein Radfahrer ums Leben kamen. Kinder waren 29 mal als Insassen, 23 mal als Radfahrer und 11 mal als Fußgänger an Unfällen beteiligt. 103 Unfälle geschahen unter der Beteiligung von Fußgängern, Hauptursache sei dabei das falsche Betreten der Fahrbahn gewesen.

Verkehrsteilnehmer über 65 Jahre waren an 1.643 Unfällen beteiligt (2019: 2.056), die mit 69 schwerverletzten (52 Ü65) endeten. Fünf Senioren ließen dabei ihr Leben, zwei hatten den Unfall selber verursacht. Als Hauptunfallursachen werden hier Vorfahrtsfehler, Abbiegefehler, unzureichender Sicherheitsabstand und nicht angepasste Geschwindigkeit genannt. In 273 Fällen kam es zu sogenannten „Alleinunfällen“, also ohne die Beteiligung anderer Fahrzeuge. Der Anteil der „jungen Fahrer“ bis 25 Jahre lag mit 62 Alleinunfällen bei 22,7%.

Auf zwei Rädern kam es zu 247 Unfällen unter Beteiligung von Motorradfahrern und 268 Unfällen mit der Beteiligung von Radfahrern. Bei ersteren war unangepasste Geschwindigkeit die Hauptunfallursache, bei den Radfahrern waren es Abbiegefehler, Geschwindigkeit und Alkohol.

Die Entwicklung in den Landkreisen
KreisUnfällemit PersonenschadenGetöteteVerletzte
Nordhausen1.8071682166
Eichsfeld1.8762243221
Unstrut-Hainich2.2662284224
Kyffhäuser1.6051693166



Fazit und Ausblick
Die positive Unfallentwicklung in den letzten 10 Jahren habe sich auch 2020 weiter fortgesetzt, teilt die Polizei mit. Unfallschwerpunkte, die in den letzten Jahren auf den Bundesstraßen 4, B 81 und B 85, festzustellen waren, bedürften weiterhin der Beachtung. Nur so könnten die Unfälle weiter zurückgedrängt werden. Besonderer Aufmerksamkeit bedürfen dabei außerorts die:

  • B 81, im Bereich Einfahrt Bahnhof Netzkater und Füllental, B 4, Nordhausen im Bereich Steinbrücken
  • B 85, Landesgrenze Thüringen/Sachsen-Anhalt und Einfahrt Denkmal
  • B 85, Kurvenbereich ca. 2 km vom Ortseingang Bad Frankenhausen.


Unangepasste Geschwindigkeit bleibt Hauptunfallursache Nr.1, darauf werde die Polizei ihre Maßnahmen weiter ausrichten. Zudem müsse die Bekämpfung der Hauptunfallursache Alkohol und Drogen kontinuierlich weiter betrieben werden.

Die Verkehrsüberwachung der Polizei, mit besonderem Blick auf die Zweiradfahrer im Harz und am Kyffhäuser, findet auch in diesem Jahr wieder auf länderübergreifender Ebene statt. In Auswertung der Krad-Saison 2020 wird für das Jahr 2021 der Staffelstab zur länderübergreifenden Verkehrssicherheitsaktion der Polizei „Sicher durch den Harz“ von der Polizeidirektion Göttingen/ PI Göttingen an die PI Goslar übergeben. Die Maßnahmen sollen je nach Möglichkeit präventiv und repressiv durchgeführt werden.

Im Bereich der LPI Nordhausen stellt die B 85 zwischen der Landesgrenze Sachsen Anhalt und Thüringen, im Bereich der 36 Kurven bis zur Zufahrt des Kyffhäuserdenkmals, seit Jahren eine Unfallhäufungslinie mit der Verkehrsbeteiligung motorisierter Zweiräder dar. Durch ihren Bekanntheitsgrad ist diese besonders an den Wochenenden von überörtlich starkem Ausflugs- und Motorradverkehr frequentiert. Gleichzeitig sind dort pflichtwidrige, aggressive und verkehrsgefährdende Verhaltensweisen durch dieMotorradfahrer zu erkennen. Daraus resultierende umfangreiche verkehrsorganisatorische Maßnahmen der örtlichen Unfallkommission, z.B. „Rüttelstreifen“, führten in den zurückliegenden Jahren zu Teilerfolgen. Auf Grund baulicher Maßnahmen wurden diese 2018 entfernt und wurden daher 2020 wieder errichtet.

Bei der Gruppe der Jungen Fahrer/- innen sind weiterhin Maßnahmen für kurz- und langfristige Verhaltensänderungen notwendig, Verkehrsteilnehmern ab 65 müssen Empfehlungen gegeben werden, wie sie sich und andere Verkehrsteilnehmer vor den Gefahren des Straßenverkehrs schützen und ihre Fahrtüchtigkeit erhalten können.

Die ausführliche Statistik findet sich hier .
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Kommentare

22.04.2021, 18.47 Uhr
Kobold2 | Da die Aufforderung
zum Nachdenken grad Konjunktur hat....
Alle 46 Stunden ein Senior über 65....
Alle 90 Einsteiger zwischen 18 und 25???
Liegt bestimmt daran, das die Jugend nur noch am Fernsehen, PC, oder Spielkonsolen hockt und dadurch so selten unterwegs ist?

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