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Sa, 12:23 Uhr
15.05.2021
Der Automobilclub von Deutschland (AvD) informiert:

Wenn sich der Marder am Auto verbeißt

Schäden durch Marderbiss sind für Autofahrer ärgerlich, denn sie können die Funktion des Autos beeinträchtigen und zu teuren Reparaturen führen. Die Versicherungswirtschaft hat für das Jahr 2019 rund 233.000 Fälle registriert, die einem Leistungsvolumen von 89 Millionen Euro entsprachen...

Autos werden von Steinmardern heimgesucht
Unter dem biologischen Sammelbegriff Marder werden „hundeartige Raubtiere“ wie Steinmarder, aber auch Frettchen, Wiesel, Otter, Dachs und Iltis zusammengefasst. Das Auto suchen zumeist Steinmarder heim, die in ganz Europa und Asien beheimatet sind. Als „Kulturfolger“ beschränkt sich das Vorkommen der Tiere nicht allein auf ländliche Regionen, die Tiere sind in urbanen Ballungsräumen verbreitet. Hier wie dort besetzen die männlichen Tiere großflächige Reviere, die sie während ausgedehnter Jagdzüge durchkämmen. Um ihr Revier besser bejagen zu können, legen Marder zudem mehrere, über die Revierfläche verteilte Baue an, die in unregelmäßigen Abständen nutzen. Duftmarken sollen konkurrierende Artgenossen aus dem eigen Revier fernhalten und dieses gegen „Zuzug“ abzusichern. Gerade jetzt im Frühjahr, während der Paarungszeit, kommt es vermehrt zu Schäden: Nimmt ein männlicher Marder im Motor die Duftmarkierungen eines Konkurrenten wahr, löst das Aggressionen aus. Durch Beißen und Kratzen wird versucht, den Geruch des Rivalen zu entfernen. Dabei verbeißt sich das nachtaktive Tier an Kabeln und Leitungen und arbeitet sich auch an Dämmmatten ab.

Typische Spuren eines Marderbesuchs
Meist sind aber nur die Spuren eines Besuchs im Motorraum vorzufinden. Typisch sind:
  • Angeschleppte Beute wie totes Kleintier, Eier, Eierschalen, aber auch Steine, die von Mardern mit Eiern verwechselt werden
  • Anhaftende Haare und Fußabdrücke von Mardern
  • Zerfetzte Dämmungen (z. B. Innenseite Motorhaube)
  • Kratzer und charakteristische dreieckige Bissspuren an Kabeln oder Schläuchen
  • Marderkot und Sekret sowie dessen typisch strenger Geruch.

Die durch Marder verursachten Schäden beziehen sich nicht nur auf das unmittelbar in Mitleidenschaft gezogene oder zerstörte Materialien und Bauteile, wie Elektrokabel, Wasserschläuche für Kühlung und Scheibe, Turboschläuche und Gummibalgen oder Dämmmaterialien. Es drohen auch teure Folgeschäden am Motor, wenn Kühlschläuche lecken, an elektrischen Kabeln Kurzschlüsse entstehen oder die empfindliche Steuerungselektronik moderner Fahrzeuge in Mitleidenschaft gezogen wurde.

Vorsicht: Auf keinen Fall versuchen einen Marder zu fangen. Sie verfügen über sehr spitze Krallen und Zähne, die sie auch einsetzen, wenn sie sich bedroht fühlen. Marder sind zudem extrem gewandt und daher nur schwer festzuhalten.

Marderabwehr: Vielfältige Maßnahmen mit fraglicher Wirkung
Für das seit Langem existierende Problem sind eine ganze Reihe von Abwehrmaßnahmen im Umlauf. Auch sogenannte Vergrämungsmittel, also Duftmarkenentferner, können zum Einsatz kommen: Das sind Sprays oder Flüssigkeiten, mit denen der Motorraum eingesprüht oder Lappen getränkt und im Motorraum abgelegt werden. Achtung: Vor Fahrtantritt den Lappen unbedingt aus dem Motorraum entfernen. Brandgefahr! Solche Anwendungen müssen alle paar Tage wiederholt werden, um die Geruchsneutralität zu gewährleisten.

Sogenannte Hausmittel können helfen
Viele schwören auf Hausmittel, um Marder in die Flucht zu schlagen. Sie sind meist die günstigsten, das eigene Portemonnaie schonende Mittel.

Dazu gehören im Motorraum verteilte frisch aufgeschnittene Chili-Schoten oder Chilipulver. Die Schärfe des Chili ist für die empfindlichen Nasen der kleinen Raubtiere extrem unangenehm. Die Wirkung verfliegt aber relativ schnell und deshalb muss die Anwendung nach jeder Fahrt erneuert werden.
Ein häufig gegebener Tipp ist es, Hunde-bzw. Katzenhaare wegen dem anderen Geruch im Motorraum einzubringen. Allerdings bekommen die schlauen Raubtiere recht schnell mit, dass keine „echten“ Hunde oder Katzen in der Nähe sind. Der Vergrämungseffekt hält also nur kurz vor.

Ein etwas unappetitlicher Vorschlag ist die Urin-Dusche für den Motor: Der Motor wird wiederholt mit menschlichem Urin begossen. Der trockne dort und bilde Urinstein, sodass auch ein anhaltender Schutz entstünde; so einige Fachleute, die sich damit beschäftigt haben Zu bedenken ist, dass gerade Urinstein sehr aggressiv mit Metallen und Kunststoffen reagiert. Das Risiko von Schäden an Motorteilen durch diese Behandlung besteht also.

Angeraten wird auch, Mottenkugeln oder WC-Steine in einem Leinensäckchen im Motorraum auszulegen. Der Erfolg ist aber ungewiss und nicht wissenschaftlich belegt. In jedem Fall sollten solche Säckchen wegen der Brandgefahr vor einem Fahrtantritt entfernt werden.
Mechanische Abschirmungen

Auch die Liste von mechanischen Vorrichtungen zum Fernhalten von Mardern ist lang. Manche Zeitgenossen bauen sich Rahmen aus Holzlatten und bespannen diese mit einem engmaschigem Drahtgeflecht (Kaninchendraht), da es für die Tiere in hohem Maße unangenehm ist, über ein solches Geflecht zu laufen. In der Praxis vermeiden es die schlauen Räuber in der Regel tatsächlich darüber zu laufen.

Ähnlich in der erhofften Wirkungsweise sind Borstenköpfe von Besen einzustufen, die bei abgestellten Autos unter der Motorhaube oder unter den Motorraum gelegt werden. Sie können Marder daran hindern, den Motorraum zu entern.

Empfohlen wird zudem, Zündkabel mit Hartplastikrohren zu ummanteln. Das Anbringen setzt einige Fachkenntnis voraus. Der Schutz darf auf keinen Fall mit beweglichen oder heißen Motorteilen in Berührung kommen.
Elektrische Geräte wie Elektroschocker oder Ultraschallsender haben sich ebenfalls im Einzelfall als nützlich erwiesen. Aber auch hier sind für den Einbau technische Grundfertigkeiten notwendig, wobei exakt nach Anleitung vorzugehen ist.

Die meisten der aufgeführten Methoden stehen unter dem Vorbehalt der ständigen Kontrolle und Anpassung. Marder verteidigen ihr Revier und verschaffen sich trotz angebrachter Abschirmungen an anderen Stellen Zugang zum Motorraum, z. B. durch die Radhäuser oder entlang des Fahrwerks und Antriebswellen. Das Problem ist der Wirkungsnachweis, denn ob die Tiere sich auf Grund der menschlichen Abwehrmaßnahmen oder aufgrund der räumlichen Verlagerung ihrer Jagdaktivitäten zurückgezogen haben, ist zweifelsfrei kaum nachweisbar.

Als sicherste Mittel gegen Marderbefall ist und bleibt eine geschlossene Garage in der das Fahrzeug während der Nacht abgestellt wird. Auch Tiefgaragen bieten einen guten Schutz, sofern die Ein- und Ausfahrt mit einem Tor verschlossen wird.

Zentrale Gegenmaßnahme: Motorwäsche

Zeigen sich im Motorraum Spuren eines Marderbesuchsist es angeraten, die Geruchsspuren des Marders zu entfernen. Das verhindert zwar nicht, dass ein Marder es sich unter der Motorhaube gemütlich macht, doch sinkt das Risiko, das der nächste tierische Besucher wegen der Ausdünstungen des Vorgängers ausrastet. Als bestens geeignet zur Beseitigung der Marder-Duftspuren habe sich Motorwäsche erwiesen. Diese sollten aber unbedingt durch einen Profi durchgeführt werden. Von einer Do-it-yourself-Motorwäsche ist indes unbedingt abzuraten, weil die Gefahr für Ungeübte zu groß ist mit dem Dampfstrahler elektrische Bauteile im Motorraum zu beschädigen. Außerdem stehen dem Fachmann auch die geeigneten Einrichtungen zur Schmutzwasser-Entsorgung zur Verfügung.

Die Teilkasko zahlt nicht immer alles
Schäden durch Marderbiss können über eine Teilkaskoversicherung abgedeckt sein. Ob eine entsprechende Deckung besteht, verrät ein Blick in die Versicherungspolice des Autos. Nicht selten begrenzen die Versicherer ihre Leistungen zudem auf die unmittelbaren Schäden durch Verbiss an Kabeln, Schläuchen und Leitungen. Die möglicherweise teueren Folgeschäden sind nur versichert, wenn das ausdrücklich im Versicherungsvertrag benannt ist. Im Schadenfall muss der Versicherungsnehmer zudem einen eventuell vereinbarten Selbstbehalt bei der Teilkasko aus eigener Tasche tragen. Nur Schadensummen, die den Selbstbehalt übersteigen, werden ersetzt.
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