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Do, 18:00 Uhr
10.06.2021
Der Schwarze Tod in Mitteldeutschland

Das große Sterben

Die Pestepidemien im Mittelalter gelten heute als eine epochale Zäsur in der europäischen Geschichte. Wie man in seiner alten Heimat über die Jahrhunderte mit dem „schwarzen Tod“ umging, damit hat sich der Historiker Matthias Uhl befasst…

Die heilige Thecla betet für Pestopfer, Giambattista Tiepolo 1759 (Foto: wikimedia commons, public domain) Die heilige Thecla betet für Pestopfer, Giambattista Tiepolo 1759 (Foto: wikimedia commons, public domain)


Wir wollen davon schweigen, daß ein Mitbürger den andern mied, daß der Nachbar fast nie den Nachbarn pflegte und die Verwandten einander selten oder nie besuchten; aber mit solchem Schrecken hatte dieses Elend die Brust der Männer wie der Frauen erfüllt, daß ein Bruder den andern im Stich ließ, der Oheim seinen Neffen, die Schwester den Bruder und oft die Frau den Mann, ja, was das schrecklichste ist und kaum glaublich scheint: Vater und Mutter weigerten sich, ihre Kinder zu besuchen und zu pflegen, als wären es nicht die ihrigen. - Giovanni Boccaccio, Das Dekameron

1348, Florenz. In der Stadt spielen sich apokalyptische Szenen ab, eine schreckliche Seuche frisst sich durch die Metropole, verschon nicht jung noch alt, nicht arm oder reich. Die Pest, der schwarze Tod ist nach Italien gekommen. Aus dem Osten war sie herangestürmt, von China über Indien bis auf die Krim vorgerückt und gelangte schließlich mit genuesischen Handelsschiffen nach Europa. Im sizilianischen Messina tritt sie zuerst auf und wandert weiter nach Norden. In den mittelalterlichen Metropolen Neapel und Florenz rafft die Seuche jeweils rund 60.000 Menschen dahin. Wer einen kurzen aber lebhaften Eindruck davon gewinnen will, was der Seuchenzug unter den Menschen anrichtete, dem sei ein Blick in die Einleitung zu Boccaccios „Dekameron“ empfohlen. Das Werk gilt als Ursprung der europäischen Prosa, als ein Grundpfeiler der Weltliteratur, ist aber auf seinen ersten Seiten vor allem auch ein Zeitzeugenbericht des gebürtigen Florentiners.

Geschichte, die sich reimt
Boccaccios Beschreibungen gilt den Historikern deswegen bis heute als brauchbare Quelle für die Untersuchung des „schwarzen Todes“. Auch Matthias Uhl greift Anfang 2020 wieder zum „Dekameron“. Der gebürtige Nordhäuser ist seit 2005 am Deutschen historischen Institut in Moskau tätig und befasst sich von Haus aus vornehmlich mit der deutsch-russischen Geschichte des 20. Jahrhunderts.

Im vergangenen Frühjahr musste der Forscher in Moskau in den „Lockdown“, eine neue Pandemie rollte mit rasender Geschwindigkeit um den Globus und so unterschiedlich die Vorzeichen von heute zu damals auch sein mögen, es zeigten sich doch frappierende Parallellen. Uhl holt seine alte Magisterarbeit heraus, die Pest war schon einmal sein Thema gewesen. Wieder geht er die Quellen durch und versucht die disparaten Teile zu einem größeren Ganzen zu formen. Denn in der Regel befassen sich historische Betrachtungen zur Pest mit einzelnen Städten, nicht aber mit größeren Gebieten. Herausgekommen ist die Schrift „Der Schwarze Tod - Die Pest in Mitteldeutschland 1349 -1683“, erschienen bei der Landeszentrale für politische Bildung Thüringen.

Das große Sterben
Geschichte wiederholt sich nicht, heißt es, aber manchmal reimt sie sich. „Wie heute kam die Krankheit aus dem vorderasiatischem Raum und wuchs sich, für die Welt des Mittelalters, zu einer globalen Pandemie aus. Die Verbreitung geschah langsamer, erfolgte aber auf ähnlichen Wegen und auch die grundlegenden Formen der Bekämpfung ähneln sich in ihrem Ansatz.“, sagt Matthias Uhl.

Der Historiker Matthias Uhl hat sich im Lockdown mit dem schwarzen Tod befasst (Foto: DHI Moskau) Der Historiker Matthias Uhl hat sich im Lockdown mit dem schwarzen Tod befasst (Foto: DHI Moskau)
Über die Handelswege wanderte der schwarze Tod Mitte des 14. Jahrhunderts nach Norden und erreichte schließlich auch unsere heimischen Gefilde. Berichte und Quellen aus der Zeit des ersten, großen „Pestzuges“ sind rar gesät. Die Forschung kann nur schätzen wie hoch die Zahl der Opfer ausfiel, die Untergrenze liegt aber wohl bei mindestens 30 Prozent der Bevölkerung. An Orten die es besonders hart traf, konnte der Anteil aber auch auf über 70% steigen.

Schuld und Sühne
Drei Jahrhunderte lang müssen die Menschen mit der todbringenden Gefahr leben, doch im kollektiven Gedächtnis der Nachgeborenen verbleibt vor allem „das große Sterben“, die Pest aus dem Jahr 1348 haften. In diese Zeit fallen etwa die schrecklichen Judenpogrome. Die Nachricht über das Wüten der schauderhaften Seuche verbreitete sich schneller als die Krankheit selbst und in Ermangelung einer greifbaren Erklärung suchte und fand man zügig Sündenböcke. Juden würden die Brunnen der Städte vergiften um die Christenheit anzugreifen, hieß es.

Aus Nordhausen ist ein Schreiben des Thüringer Landgrafen von 1349 erhalten, in dem der Fürst den Nordhäusern empfiehlt die Juden der Stadt zu ermorden. Das Schriftstück wäre nicht von Nöten gewesen, die Nordhäuser hatten bereits „gehandelt“ - im April 1349, bevor die Nachricht des Landgrafen die Stadt erreichte, hatten zahlreiche Juden den Feuertod gefunden. Auch anderswo folgte man der Empfehlung des Landgrafen, berichtet Uhl. So heißt es aus Sondershausen man habe „die Juden gewürget, wo man sie nur antreffen konnte“. Weitere Pogrome sind unter anderem für Gotha, Eisenach, Creuzburg, Arnstadt, Ilmenau, Nebra, Frankenhausen und Weißensee belegt.

Dass es bei der Judenverfolgung nicht allein um die fehlgeleitete Abwehr der Seuche ging, sondern auch um handfeste monetäre und politische Interessen, belegt Uhl unter anderem an der Rivalität zwischen dem Thüringer Landgrafen und dem Grafen von Henneberg sowie an den Hintergründen des Erfurter Pogroms. Wo es keine jüdischen Gemeinden gab, fanden sich andere Außenseiter, die als Schuldige dienen konnten. In Magdeburg und Leipzig etwa mussten die Totengräber als Sündenböcke herhalten.

Wo die einen Schuldige fanden, suchten andere Sühne und wieder andere ergehen sich im Angesicht des drohenden Todes in hedonistischen Exzessen. Mitteldeutschland wird während des ersten Pestzuges zum Zentrum der sogenannten „Geißlerbewegung“. Die Geißler oder auch „Flagellanten“ übten Buße indem sie sich mit eisenbeschlagenen Lederriemen drei mal täglich selbst „geißelten“. Lediglich mit Lendenschurz und weißen Hüten bekleidet zogen größere Gruppen dieser „Kreuzbrüder“ durch Sachsen und Thüringen. Nahe Erfurt lagern 1349 rund 3000 Geißler, dürfen in der Stadt jedoch keine Prozession durchführen.

Bei den zeitgenössischen Chronisten kommt die zunehmend fanatische Gruppierung nicht gut weg. So heißt es in einer Quelle „Ihre Gesellschaft bestand aus Männern, Weibern und Kindern, es waren fast lauter Idioten und ungelehrte Leute“. Dabei waren die Geißler zunächst gern gesehen, schreibt Uhl, hoffte man doch durch die Bußübungen die Pest abwenden zu können. Die Hoffnung erwies sich freilich als falsch, der Realität hielt der fromme Wunsch nicht stand. Zudem wurde die Bewegung immer fanatischer. „Zu den Geißlern gesellten sich zunehmend Personen aus den unteren gesellschaftlichen Schichten und Menschen, die gänzlich ins gesellschaftliche Abseits geraten waren. Durch sie wurde die Geißlerbewegung zunehmend radikalisiert. […]. Zum weiteren Ansehensverlust der Geißler trugen viele Personen bei, die sich ihnen lediglich angeschlossen hatten, um von den reichlich fließenden Spenden zu profitieren“.

Bemerkenswert ist der Umstand, dass sowohl die Pogrome wie auch die Geißlerbewegung Phänomene des 14. Jahrhunderts bleiben. Obwohl die Seuche in den kommenden 300 Jahren regional immer wieder aufflammt, verschwinden die Geißler bald gänzlich aus den Quellen. Die letzte Judenverfolgung im Zuge der Pest wird für das Jahr 1452 in Mühlhausen dokumentiert. Die neun noch in der Stadt lebenden Juden wurden unter dem Vorwurf der Vergiftung der Brunnen eingekerkert und kurze Zeit später aus der Stadt vertrieben.

Die einheimische Krankheit
Nach dem „großen Sterben“ wird die Pest nicht mehr von außen eingeschleppt. Uhl führt aus, dass sich die Seuche vielmehr als „einheimische Krankheit“ etabliert die bis 1679 im Regelfall weniger als weit um sich greifende Welle auftritt, sondern vor allem regional wütet. Dabei treten zwei Formen der Krankheit, die Beulenpest und die Lungenpest, häufig parallel auf. Das sich die Seuche festsetzen kann, liegt auch an der Widerstandskraft des Erregers. Unter den richtigen Umständen kann das Bakterium „Yersinia Pestis“ bis zu fünf Jahre virulent bleiben. Annahmen zu den Übertragungswegen der Krankheit beschäftigen die Forschung bis heute. Die populäre Überzeugung dass es vor allem Ratten oder vielmehr der Rattenfloh war, der die Pest über das Land brachte, wird dabei zunehmend in Frage gestellt. Angenommen wird weiter, dass die Krankheit mit dem Ungeziefer nach Europa kam. Die pandemische Ausbreitung erklärt das aber nicht. Uhl schreibt, es sei wahrscheinlicher, dass die Übertragung von Mensch zu Mensch, beziehungsweise über den Menschenfloh für die Ausbreitung der Pest maßgeblich war.

Gegenmaßnahmen
Das es etwas geben muss, dass die Krankheit von Mensch zu Mensch trägt, wusste man schon im Mittelalter. Nur was genau das sein könnte, darüber herrschte Uneinigkeit. Die „schlechte Luft“ kann es sein, oder ein „contagion“ welches es zu vermeiden gilt und auch die katastrophalen hygienischen Zustände macht man als möglichen Faktor aus. Im 17. Jahrhundert wird bei Halle Geld bevor es den Besitzer wechselt in einen Wassegefäße geworfen um eine Ansteckung zu vermeiden. In Erfurt wird der „Vertrieb von Betten, Bettgerät und Kleidern“ verboten, weil man annahm, dass sich das „contagion“ in Stoffen besonders gut festsetzen konnte.

Überhaupt kam man bald auf eine ganze Reihe Maßnahmen die dem Leser im Jahr 2021 durchaus vertraut vorkommen dürften. Aus Erfurt sind Vorgaben bekannt, nachdem kein Bürger ohne Erlaubnis „Fremde, Freunde oder Verwandte“ beherbergen durfte. Wer verreisen will, der braucht einen Schein der belegt wann und wo man sich wie lange aufgehalten hat. Wer keinen solchen Schein hat, muss für 40 Tage in Quarantäne. Außerdem sind die Bürger dazu angehalten auf die Hygiene zu achten und den Körper wie auch Kleidung und Wohnraum sauber zu halten.

Für Nordhausen ist eine „Pestordnung“ aus dem Jahr 1681 belegt, die vom Stadtphysikus Conrad Froman entworfen wird und 133 Paragraphen umfasst. Die Stadt richtet ein „collegium sanitatis“, eine Art Gesundheitsrat ein. Dem untersteht die Organisation der Schutzmaßnahmen. Die Reichsstadt wird in zwei Oberinspektionen eingeteilt, die über die Durchsetzung der Maßnahmen zu wachen haben und befallene Häuser zu kennzeichnen hat. Die Überwachung der abgeschotteten Häuser obliegt sechs „Unterinspektionen“ die über die Pfarrbereiche der Stadt verteilt werden. Hier hat man dafür zu sorgen das die „Pestbediensteten“ ihre Arbeit ordentlich versahen. Dazu gehörten ein „Pestmedikus“, mehrere „Pestchirurgen“, Wächterinnen die drei mal am Tag den Verschluss der Häuser zu überprüfen und sich nach dem Befinden der Erkrankten zu erkundigen hatten und die Leichenträger.

Die Stadt Leipzig beschäftigte zwischenzeitlich insgesamt 262 „Pestbedienstete“. Vom „Pestnotar“ bis zum „Pestschornsteinfeger“ wurde so eine „Stadt in der Stadt“ versorgt, schreibt Uhl. Von den gesunden Bürgern hatten sich das Pestpersonal fernzuhalten und trugen als deutliche Erkennungszeichen große, mit Kreuzen versehene Stäbe bei sich. Billig war das alles nicht und nicht selten hing die Fähigkeit einer Stadt der Seuche entgegenzutreten von ihren finanziellen Mitteln ab. Im Idealfall konnte man es sich etwa leisten, für das Pestpersonal eigene Häuser anzumieten und auszustatten, vorzugsweise außerhalb der Stadt.

Die letzte Welle
Nordhausen und Leipzig retteten die Maßnahmen dennoch nicht vor der zweiten und letzten großen „Welle“ der Pest, die in ihrer zerstörerischen Kraft noch einmal dem „großen Sterben“ von 1348 nahekam. Das Epizentrum lag diesmal in Wien. Rund 140.000 Einwohner soll die Stadt verloren haben. Über Prag kam die Seuche nach Dresden, schließlich auch nach Leipzig und Halle, nach Nordhausen, Eisleben, Hettstedt, Halberstadt, Magdeburg, Erfurt und, und, und. In der Rolandsstadt war es ein Fleischer von außerhalb, der die Seuche in die Stadt trug. Im St. Elisabeth-Hospital erkrankten kurz darauf Insassen und die Hospizleitung. Von da aus ging es weiter. Bis zum Sommer habe die Stadt das Pestgeschehen gut unter Kontrolle gehabt, schreibt Uhl, im Juni sind lediglich 144 Tote zu verzeichnen. Doch im August schlägt die Pest mit neuer Härte zu, 919 Personen sterben, am Ende wird man 3323 Tote zu beklagen haben. Von Nordhausen aus gelangte die Pest mit einem Tuchmachergesellen nach Mühlhausen. Hier wütet Yersinia Pestis derart, dass man mit dem begraben der Leichen nicht mehr hinterherkam.

In Halle und Erfurt ging man andere Wege und versuchte den Ausbruch der Pest geheim zu halten. Für die heutige Landeshauptstadt sind die Vorgänge in einigem Detail belegt und Matthias Uhl verwendet ein eigenes Kapitel auf das Schicksal der Erfurter. Auch hier gibt es Regeln, doch die werden nur halbherzig umgesetzt. Der Ausbruch der tödlichen Krankheit soll möglichst geheimgehalten werden, der Mainzer Erzbischof, Herr über Erfurt, will es so. Aus „ökonomischen Interesse“ hätten die Stadtoberen alle Maßnahmen zurückgewiesen, sobald diese die Wirtschaft behindert hätten, schreibt der Historiker. Die ersten Toten werden bei Nacht aus den Häusern geschafft, die Nachbarschaft in Unwissenheit gelassen. Der Stadtrat hält seine Pestärzte dazu an, Gutachten zu erstellen die beweisen sollen, dass man es nicht mit der gefürchteten Seuche zu tun habe. Dennoch machen Gerüchte die Runde und bald beschließen Weimar, Gotha und Eisenach die Kontakte nach Erfurt einzustellen und fordern die Abriegelung der Stadt.

Bewaffnete Reiter patrouillieren an den Grenzen, auf den Dörfern droht man auf Erfurter zu schießen, sollten sie sich zeigen. Selbst das Postwesen wird zeitweilig eingestellt. Die Obrigkeit in Erfurt zeigt sich uneinsichtig, verwahrt sich gegen eine Sperrung. Auch die Bürgerschaft befürchtet ihre ohnehin magere Existenz zu verlieren, wenn ihre Stadt abgeschottet wird. Als wenigstens der Markt vor die Stadttore verlegt werden soll, regt sich lautstarker Protest. Die Maßnahme wird zurückgenommen. Die Folgen sind absehbar. „Als im Dezember des Jahres 1683 die Pest endlich erlosch, zeigte sich Erfurt von ihren Auswirkungen schwer gezeichnet. Über 9437 Menschen bezahlten das Wüten der schrecklichen Seuche mit ihrem Leben. Hatte die Stadt 1682 noch mehr als 16.300 Einwohner, so zählte sie 1684 nur noch rund 7.000 Bewohner. Die Wirtschaft war zerrüttet und lag gänzlich darnieder, die überlebende Bevölkerung völlig verarmt.“, schreibt Uhl.

So vernichtend dieser letzte Pestzug auch gehaust hatte, die Ausmaße des Ausbruchs von 1348 erreichte man nicht. Dies zeige sich daran, dass es Städten durchaus gelingen konnte, der Seuche zu entgehen. So konnten sich Aschersleben und Quedlinburg erfolgreich abschotten und in Zeitz verstarben lediglich 30 Menschen.

Die neue Pandemie
In Zeiten einer neuen Pandemie drängen sich Vergleiche mit der Situation anno domini 1348 geradezu auf, müssen aber mit Vorsicht behandelt werden. Man bewege sich heute auf einem deutlich anderen Niveau, unterstreicht Uhl. Von einer organisierten Medizin wie wir sie heute kennen kann damals keine Rede sein. Bakterien und Viren waren ebenso unbekannt wie Impfungen und Antikörper und eine globale Kraftanstrengung die der Seuche etwas entgegensetzen kann, war mit den Mitteln der Zeit schlicht unmöglich. „Ich denke wir sind glimpflich davongekommen. Die Auswirkungen der Krankheit, allen voran die Mortalität, sind bei weitem nicht so gravierend wie damals und die wirtschaftlichen Folgen sind heute wesentlich eingedämmter.“, sagt der Historiker der nnz. Das man, wie im Mittelalter, nach der Pandemie mit herben Umschwüngen im wirtschaftlichen System zu rechnen habe, glaube er nicht. „Die Corona-Pandemie kann für Entwicklungen wie die Digitalisierung als eine Art Katalysator gewirkt haben, aber das wäre auch so passiert, nur eben langsamer.“, vermutet der Historiker, „ich denke wir werden recht schnell in unseren alten Trott zurückfallen“.

Dennoch gäbe es einige frappierende Parallelen, allen voran die Schritte die man zum Schutz vor der Krankheit ergriffen hat. Es habe sich gezeigt, dass die Quarantäne immer noch die beste Maßnahme sei, um einer Pandemie zu begegnen, sagt Uhl. Weitere Parallelen sieht er in der gesellschaftlichen Reaktion. „Im ersten Moment driften die Menschen ab und können nicht fassen was da passiert. Man kann da durchaus eine Linie von den Phänomenen wie den „Geißlern“ bis zu den „Querdenkern“ von heute ziehen. Die Leute suchen eine Ausdrucksform in ihrer Lebenswelt um dem ganzen Sinn zu geben, eine Art Ventil mit dem man glaubt umgehen zu können.“

In seiner Arbeit habe er auch eine Möglichkeit gesehen, etwas Beruhigung in die allgemeine Aufgeregtheit des vergangenen Jahres zu bringen und die Dinge herunterzubrechen. „Ich denke man kann und sollte Ruhe bewahren. Früher war die Lage wesentlich schwieriger, heute haben wir es bei weitem nicht so schlimm. Es geht immer weiter in der Geschichte und mit dem Wissen, das wir heute haben, werden mit der Situation fertig werden. In der Bekämpfung der Pandemie wurde ein atemberaubendes Tempo an den Tag gelegt, die Menschheit hat da wirklich einen Sprung gemacht“.

Wer Uhl’s Ausführungen im Detail lesen möchte, erhält das rund 120 Seiten starke Heft „Der schwarze Tod in Mitteldeutschland“ für ein paar Euro bei der Landeszentrale für politische Bildung Thüringen.
Angelo Glashagel
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Kommentare

10.06.2021, 18.27 Uhr
Junge21 | Ganz gut beleuchtet, Herr Glashagel
Wir müssen aber unterscheiden , wem man noch trauen kann. Ich weiss nicht, ob im Mittelalter es schon wichtiger war, Profit zu schinden oder WIRKLICH Leben retten zu wollen. Es wird sich nicht viel nehmen.

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10.06.2021, 19.04 Uhr
geloescht 20210614 | sehr sehr interessant Herr Glashagel
Ich habe aufmerksam gelesen und auch die Parallelen zu heute entdeckt.Sehr interessant was die Angst alles so für unsinnige Dinge nachsich gezogen hat.
Nicht nur die Juden waren die Leidtragenden auch die "Kräuterweiber",die als Hexen verschrien wurden ,mussten dran glauben.Damals ging es los mit der Hexenverbrennung und auch mit Denunziation.
Angst ist eine schreckliche Antriebskraft.
Als voriges Jahr die Corona Pandemie begann wurde allerdings von unserer Führung ,meiner Meinung nach zwar mit Vorsicht aber nicht mit Umsicht gehandelt.
Spätestens als durch den "Schwedenweg" klar wurde,dass vorwiegend(wie in Schweden auch) Immunschwache betroffen sind,musste /sollte man erkennen,dass es sich um eine mittelstarke Viruserkrankung handelt.
Ganz anders vor 100 Jahren mit 10 mal mehr Toten in Deutschland und starke Todesfälle in allen Bevölkerungsschichten.
Es hat sich auch wissenschaftlich von ausländischen Instituten herausgestellt,dass Lockdown und Maske keine nennenswerten positiven Ergebnisse hatten.Für die Wirtschaft negativ.
Das wird allerdings unter den Teppich gekehrt.
Das verrückte an dieser Pandemie ist,dass sogar eine Untersterblichkeit zu einem vergangenem Zeitraum festzustellen ist. Es ist unverständlich was da hier über anderthalb Jahre gezählt wird!
Bei der spanischen Grippe war nach zwei Jahren und allerdings einer hohen Sterblichkeit die Pandemie ausgestanden.
Ich glaube,dass durch den unausgereiften Gen Impfstoff die Pandemie im Herbst erst richtig losgeht.
Ich hoffe es allerdings für Betroffene nicht.

6   |  9     Login für Vote
10.06.2021, 19.24 Uhr
tannhäuser | Immerhin...
...wurden Ratten von der Schuld als Überträger der Pest freigesprochen.

Die Kölner im sozialen Brennpunktviertel mit der aktuellen Nagerplage wird es freuen.

Da können sie weiterhin Müll und Essensreste vom Balkon werfen.

12   |  5     Login für Vote
11.06.2021, 08.25 Uhr
Der-NDH-Mann | Das große Sterben
Kommt alles wieder,uffpasse der „schwarzen Tod“ !!!

3   |  2     Login für Vote
11.06.2021, 10.53 Uhr
N. Baxter | lügen und betrügen?
Ob man damals auch schon Statistiken und Zahlen manipuliert hat, nur um Profit mit so mancher armen Seele zu machen?

Ich denke es ist ehr ein zunehmendes Problem "unserer" Zeit und Generation...

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