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Mo, 16:46 Uhr
30.03.2026
GKV-Kommission:

Ein erster Schritt – doch das dicke Ende kommt noch

Die GKV-Reformkommission hat erste Empfehlungen vorgelegt, um das Ausgabenwachstum der Krankenkassen zu bremsen – und liefert solide Ansätze zur kurzfristigen Entlastung. Der dringend nötige Systemwechsel lässt weiter auf sich warten...

Krankenkassen (Symbolbild) (Foto: Michael Schwarzenberger auf Pixabay) Krankenkassen (Symbolbild) (Foto: Michael Schwarzenberger auf Pixabay)
66 Einzelvorschläge sollen die gesetzlichen Krankenkassen (GKV) vor dem Kollaps retten: Angesichts steigender Ausgaben und Beiträge hat eine Expertenkommission heute erste Empfehlungen vorgelegt, um die Beitragssätze kurzfristig zu stabilisieren. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken hatte das Gremium im Herbst einberufen.

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Ein dringend nötiger Schritt: Bereits bis zum Ende der Legislaturperiode erreichen immer mehr Menschen ein Lebensalter, in dem die medizinische Versorgung überdurchschnittlich viel kostet. Damit die Ausgaben nicht explodieren, müssen also die Kosten pro Fall runter – die steigen jedoch schon seit der Jahrtausendwende um ein Prozent stärker als die Einnahmen.

Höhere Beiträge wären das falsche Rezept
Für Irritationen hatte der GKV-Spitzenverband im Vorfeld mit seiner Forderung gesorgt, „bitte nicht zuerst beim Patienten" zu sparen. Wo sollen die Entlastungen denn dann herkommen? Es ist völlig richtig, dass die Kommission Begehrlichkeiten auf der Einnahmeseite nun eine Absage erteilt. Zum Beispiel würden bei einer Erhöhung der Bemessungsgrenze bei gleichem Beitragssatz höhere Einnahmen winken. Allerdings würden auch die Arbeitskosten steigen – Gift für die ohnehin angeschlagene Wirtschaft, und damit auch für Krankenkassen, Pflege und Rente.

Was die Einnahmen angeht, gibt es allerdings eine gut begründete Ausnahme. Die Kommission hat sie richtigerweise erkannt: Für Empfänger der Grundsicherung zahlen die Kommunen bislang einen Pauschalbeitrag, der die tatsächlichen Kosten nur zum Teil deckt. Mit anderen Worten: Die Beitragszahler springen ein. Weil die Grundsicherung aber eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe darstellt, sollte der Fiskus folgerichtig die ganze Rechnung übernehmen. Dafür rechnet die Kommission 12 Milliarden Euro ein.

Die eigentliche Reform kommt erst noch
Geht es nach dem Willen der Kommission, müssen alle Beteiligten ihren Beitrag leisten: Die beitragsfreie Mitversicherung wird begrenzt (3,5 Mrd. Euro), Patientenzuzahlungen werden an die Inflation angepasst (1,9 Mrd. Euro), Arzthonorare gedeckelt (5,5 Mrd. Euro). Höhere Tabak- und Alkoholsteuern sollen zudem Gesundheitsprävention und Fiskus gleichermaßen nützen – ob Ersteres gelingt, ist offen.

Wenn die Kommission zahlreiche weitere Korrekturen bei der Vergütung von Einzelleistungen auflistet, dann sollte man dabei nicht vergessen: Die heutigen Vorschläge sind nur der erste Schritt. Bis Ende des Jahres soll die Kommission Vorschläge für eine echte Strukturreform vorlegen. Das dicke Ende kommt also noch – mittel- bis langfristig wird es nicht ohne Einschnitte in gewohnte Ansprüche gehen.

Was es braucht: mehr Eigenverantwortung für die Versicherten und stärkeren Preiswettbewerb auf Seiten der Versorgungsanbieter und Krankenkassen. Ob die Kommission sich in ihrem Abschlussbericht zu einem solchen Votum durchringt, bleibt abzuwarten.
Autor: red

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Kommentare
Jäger53
30.03.2026, 17:05 Uhr
Krankenkassen
Die Schieflage des Krankenkassensystems ist doch eindeutig, das 1000 von Personen die noch nie Beiträge gezahlt haben, aber wie Privatpatienten behandelt werden müssen. Dieser
Meinung sind auch Mitarbeiter von Krankenkassen die Ihre Meinung nicht öffentlich nicht sagen, wegen Ihres Arbeitsplatzes.
Piet
30.03.2026, 18:53 Uhr
Sie werden uns schröpfen
Das ist erst der Anfang. Der deutsche Michel arbeitet für die halbe Welt und wird von der eigenen Regierung als faul hingestellt. Schämt Euch!!!
Wüterich
31.03.2026, 06:54 Uhr
... einfache Rechnung
... ein Zustand der sich seit Jahren ankündigt und ganz einfach vorhersehbar war:
Zu viele Leistungsempfänger im Verhältnis zu den Beitragszahlern !!! Das kann beim besten Willen nicht lange funktionieren - Grundlagen der Betriebswirtschaft
Hallogemeinde
31.03.2026, 07:26 Uhr
und wieder mehr Steuern
was bitte schön haben höhere Steuern wie Alkohol, Tabak und Zuckersteuer mit einer kurzfristigen Entlastung des Gesundheitssystems zu tun? Es glaubt ja wohl niemand, dass diese Steuern den Krankenkassen zu Gute kommen! Wieder nur versteckte Steuererhöhungen. Hier kann man wieder eindeutig sehen wie der dumme Bürger von vorne bis hinten vera... wird. Man will Beitragserhöhungen vermeiden... ha ha ha, und was ist dann eine Erhöhung der Beitragsbemessungsgrenze? Keine Erhöhung? Ein Witz ohnes Gleichen. Es gibt wohl sehr vernünftige Vorschläge wie zum Beispiel von Ralf Hermes, Chef der IKK Innovationskasse, aber echte vernünftige Vorschläge will der Staat gar nicht hören. der will nur melken, melken, melken.
Ich bin so froh, dass ich dieses kaputte GKV System verlassen habe!
diskobolos
31.03.2026, 11:54 Uhr
Offene Fragen
Die GKV aus dem ganzen Gesundheitssystem isoliert zu betrachten greift zu kurz. Wesentliche Mängel bleiben so unbeachtet:

1) Wieso werden Beamte und Pensionäre besser versorgt als die Steuerzahler, die für deren Kosten (Beihilfe) aufkommen (Zweiklasssenmedizin)?

2) Wieso muss die GKV alle schlechten Risiken (d. h. hohe Kostenerwartungen bei nicht adäquaten Beiträgen) übernehmen und die PKV darf Rosinen Picking betreiben?

3) Wenn wir ein einheitliches System der Krankenversicherungen hätten, käme dann irgendjemand auf die Idee für Gutverdiener und Staatsdiener eine PKV zu schaffen?

4) Gäbe es nicht mehr Geld im System, wenn die Gutverdienenden in der GKV pflichtversichert wären und könnte dann die Finanzierung z. B. der Arztpraxen nicht auch ohne PKV gesichert werden?
Malu-Marie
31.03.2026, 16:59 Uhr
@ jaeger53 - private Krankenabrechnung bedeutet nicht exklusive Behandlung
Die Behauptung, Menschen ohne Krankenversicherung würden "wie Privatpatienten" behandelt, ist sachlich falsch. Wenn Kommunen einspringen müssen, müssen Ärztinnen und Ärzte zwar formal nach GOÄ abrechnen, aber nur mit stark reduziertem Steigerungssatz und ausschließlich für akute Leistungen: akute Erkrankungen, Schmerzbehandlung, Schwangerschaftsversorgung und echte Notfälle. Alles darüber hinaus – chronische Erkrankungen, Impfungen oder Medikamente für Langzeiterkrankungen – ist in dieser Phase nicht abgedeckt und darf nicht regulär behandelt werden.
Auch die oft zitierte Behauptung, neu angekommene Menschen würden regulären Versicherten z. B. Zahnarzttermine ‚wegnehmen‘, entspricht nicht der Rechtslage: Für sie sind ebenfalls nur Schmerz- und Notfallbehandlungen erlaubt. Eine reguläre zahnärztliche Versorgung findet nicht statt.
In vielen Fällen muss die Kostenübernahme vorab mit dem Sozialamt geklärt werden, was bereits zu sehr gefährlichen Verzögerungen geführt hat und zu dokumentierten Todesfällen, besonders bei Kindern. Betroffen sind Obdachlose, EU Bürger ohne Krankenversicherung, Menschen, die durch bürokratische Lücken gefallen sind – und auch frisch aufgenommene Geflüchtete. Sie sind in den ersten Monaten nicht automatisch krankenversichert und fallen unter das Asylbewerberleistungsgesetz, das nur die oben genannten Minimalleistungen vorsieht. Ärztinnen und Ärzte berichten regelmäßig von Fällen, in denen Menschen viel zu spät kommen, aus Scham, wegen der Sprachbarriere oder aus Unsicherheit was man dem Staat zumuten dürfe.
Geflüchtete verursachen z.Z. rund 1 Milliarde euro Unkosten im Gesundheitssystem. Das Gesundheitssystem insgesamt verursacht Kosten von ca.500 Milliarden Euro.
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