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So, 12:53 Uhr
10.05.2026
Meine Meinung

Der vergessene Gorbatschow

Gestern nahm der russische Präsident Putin seine zeitlich und waffentechnisch abgespeckte Militärparade zum 81. Jahrestag der Kapitulation Hitlerdeutschlands ab. Während der Westen mit Häme auf den Aggressor blickt, ignoriert er den einst von ihm hoffierten Friedensnobelpreisträger Michael Gorbatschow. Volker Reine mit seiner Kolumne...

Europa (Symbolbild) (Foto: Giulia Isacchi auf Pixabay) Europa (Symbolbild) (Foto: Giulia Isacchi auf Pixabay)
Die Politik des Westens gegenüber der Sowjetunion hat wohl der frühere britische Kriegspremier Winston Churchhill am besten verkörpert: „Wir haben die falsche Sau geschlachtet“, soll er mit Blick auf die Zerstörung Deutschlands durch britische Bomber gesagt haben, während zugleich die Rote Armee 1945 im heutigen Ostteil Deutschlands und in Osteuropa stand. Oder auf Deutsch: Er wusste nicht genau, vor wem er mehr kotzen wollte: vor Hitler oder vor seinem ehemaligen Verbündeten Stalin.

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Und kaum hatten der 1946 in Nürnberg hingerichtete Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel und andere am 8. und 9. Mai die Kapitulationsurkunde unterschrieben, gab es mit der „Operation Unthinkable“ seitens der Briten Bestrebungen, in einem neuen Ostfeldzug, diesmal des demokratischen Westens, die Rote Armee bis mindestens nach Moskau zurückzudrängen.

Auch der Begriff „Eiserner Vorhang“ stammt bekanntlich nicht aus dem kommunistischen Osten, sondern von Churchill selbst. Am 5. März 1945 entließ er ihn bei einer Rede in Fulton mit dem Satz: „Von Stettin an der Ostsee bis Triest an der Adria hat sich ein Eiserner Vorhang über den Kontinent herabgesenkt“, in die Welt.

Auch die Metapher vom „Kalten Krieg“ ist ein Produkt des Westens: Er wurde vom US-Publizisten Walter Lippmann 1947 als ein Grundgesetz der US-Ostpolitik populär gemacht. Trotz dieser westlichen Abschottungen, die noch mit Sätzen wie „Lieber tot als rot“ einem Atomkrieg gewissermaßen das Wort redeten, stand in der DDR-Nationalhymne noch immer die Sehnsucht nach einem „Deutschland einig Vaterland“ und in der dritten Strophe des Deutschlandliedes „Einigkeit und Recht und Freiheit“.

Fast 70 Jahre später in Berlin: Im November 2014 feierte das so genannte wiedervereinigte Deutschland den Mauerfall. Mit dabei: der letzte sowjetische KPdSU-Generalsekretär, Friedensnobelpreisträger Michael Gorabtschow. Wenige Monate zuvor hatte Putin die Krim annektiert und dies u.a. mit einer drohenden, fortgesetzten NATO-Osterweiterung begründet. Und auch mit dem westlichen Verhalten gegenüber dem ehemaligen Jugoslawien, das bekanntlich im Angriff der NATO auf die damalige Bundesrepublik Jugoslawien ohne UN-Mandat gipfelte. Ein Aggressor begründete seine Aggression mit der Aggression des jeweils anderen.

Spätestens mit der russischen Einverleibung der Krim war der einst vom Westen ausgerufene Kalte Krieg wieder zurück in Europa. Gorbatschow rechtfertigte die russische Annexion der Krim nicht, aber er sah im November 2014 in Berlin eine Mitverantwortung des Westens: Unter der Überschrift „Gorbatschow klagt an“, schrieb die Süddeutsche Zeitung in ihrer Ausgabe vom 8. November 2014 einen bemerkenswerten Artikel: Sie benannte Gorbatschows Kritik an der Ukraine-Politik des Westens. Dieser sähe die Welt an der Schwelle eines „neuen Kalten Krieges“.

Die Ereignisse um die Ukraine seien demnach die Konsequenzen einer kurzsichtigen Politik des Westens, vollendete Tatsachen zu schaffen und die Interessen des Partners zu ignorieren. Und er erinnerte an den heute absurd anmutenden Begriff einer „deutsch-russischen Partnerschaft“ als grundlegend für die Sicherheit in Europa und zugleich an die Gefahren, die ohne selbige für den Frieden erwachsen.

Die aus meiner Sicht aber zentrale Äußerung Gorbatschows bezog sich auf die grundlegende Ausrichtung der westlichen Politik gegenüber Russland nach 1989: Der Westen habe sich zum Sieger im Kalten Krieg erklärt und Vorteile aus Russlands Schwäche gezogen. Er benennt als Beispiele die Jugoslawienkriege, die Nato-Erweiterung und die militärischen Abenteuer im Irak, in Libyen und Syrien.

Mit diesen Äußerungen hatte sich Gorbatschow für den Westen wohl endgültig zur Persona non grata erklärt: Zu seiner Beisetzung im Jahre 2022 glänzten die europäischen Führer mit Abwesenheit. Welche Schmach und welche Falschheit gegenüber dem Mann, der halb Europa kampflos dem Westen überließ.

Die frühere Bundestags-Vizepräsidentin von Bündnis 90 Die Grünen, Antje Vollmer, brachte das in einzigartiger Weise in ihrem Vermächtnis „Was ich noch zu sagen hätte“ zum Ausdruck.

Der russische Überfall auf die Ukraine in Gorbatschows Sterbejahr brachte wieder einen großen Krieg nach Europa: Mit zehntausenden Opfern, Leid, Zerstörung und militärisch bedingten ökologischen Katastrophen. Weder Putins Aggression noch eine andere ist zu rechtfertigen, egal, ob sie westliche oder russische Interessen verfolgt.

Während jedoch der Kriegsverbrecher Putin benannt wird, wurden westliche Aggressoren nach dem Zweiten Weltkrieg, ob nun in Vietnam oder im Irak, bei uns wohl kaum in gleicher Weise rhetorisch und schon gar nicht juristisch als solche benannt bzw. verfolgt.

Diese Zweiteilung der Argumentation, übrigens auf beiden Seiten des neuen Eisernen Vorhanges, ganz nach dem Motto, „Wer böse ist, bestimme ich allein“, hat die Welt gemeinsam mit der Aggressivität eines sich bedrängt fühlenden Russlands tatsächlich wieder in einen neuen Kalten, ja leider teils heißen Krieg geführt.

Zum 81. Jahrestag der Kapitulation Nazideutschlands und anlässlich der Situation in Europa sollten wir dem längst vom Westen geschmähten, letzten KPdSU-Generalsekretär und Friedensnobelpreisträger noch einmal die Ehre erweisen:

Denn: „Und wer leidet am meisten darunter? Es ist Europa, unser gemeinsames Haus.“, so Michael Gorbatschow im November 2014 in Berlin.
Volker Reine
Autor: psg

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Kommentare
Warren
10.05.2026, 13:18 Uhr
Nun wird's aber Zeit
Herr Reine !
Ossiflüsterer
10.05.2026, 15:24 Uhr
Die ewige Täter-Opfer-Umkehr,
gewürzt mit einer Prise Ostalgie und einem "Was-wäre-wenn"-Pazifismus, blendet sowohl die politischen Realitäten aus als auch das Opfer, welches das tapfere ukrainische Volk gerade erbringt.

Die ewige Mär der aggressiven NATO-Osterweiterung lässt völlig außer Acht, dass die beigetretenen Länder selbst um Aufnahme gebeten haben und – entgegen russischer Großmachtfantasien – ein Recht darauf haben, ihre Bündnisse frei zu wählen. Wie man spätestens seit 2014 weiß, war die Angst der Staaten des ehemaligen Warschauer Pakts völlig berechtigt. Selbst Schweden und Finnland, die "Schweiz des Nordens", haben inzwischen erkannt, wohin die Reise mit Putins Russland geht. In Nordhausen scheint dies allerdings noch nicht angekommen zu sein.

Bucha und Mariupol mit Jugoslawien zu vergleichen, wo die NATO-Intervention einen Genozid stoppte, ist eine widerliche Relativierung von Kriegsverbrechen. Es fügt sich jedoch ins Bild, wenn der Autor ein vermeintliches Churchill-Zitat auskramt, um den Kampf gegen Hitler-Deutschland in ein schiefes Licht zu rücken.

Der Vietnamkrieg der Amerikaner führte übrigens zur Etablierung einer Bürgerrechtsbewegung (Stichwort 68er), die einen kulturellen Wandel anstieß, der nachhaltig zur Liberalisierung und Demokratisierung der Gesellschaft beitrug. Da können Sie mal sehen, was Sie hinter dem "Eisernen Vorhang" alles verpasst haben, wenn Ihnen diese aus historischer Perspektive globale Zäsur entfallen ist.

Wer heute, während russische Raketen und Bomben auf Wohnhäuser, Kindergärten und Reisebusse in der Ukraine niedergehen, über eine vermeintliche "Schmach" gegenüber Gorbatschow schwadroniert, lebt in einer ganz eigenen Welt.

Einer Welt, die diese spitze Replik definitiv verdient hat.
P.Burkhardt
10.05.2026, 15:55 Uhr
es bleibt die Frage,
warum denn die Ukraine sich in Richtung EU orientiert hatte und nicht dem bisherigen russischen Bruder vertraute. Wenn Russland der Ukraine einfach ein besseres Angebot gemacht hätte: Autonomie, Wirtschaftskooperation, militärischer Schutz, Wirtschaftshilfe, ect.pp. - also in etwa das, was der Ukraine von EU (und später NATO) angeboten wurde - nur eben besser... Welchen Grund hätte die Ukraine gehabt sich "dem Westen" zuzuwenden ?

Wer aber immer nur mit dem Säbel rasselt, von seinen Partnern vasallengleiche Loyalität einfordert und diese dann noch mit Gewalt bedroht für den Fall, dass sie das nicht vollumfänglich umsetzen...wer also immer nur seine Macht und Muskeln ausspielt... der braucht sich am Ende nicht zu wundern, wenn potenzielle Kandidaten sich anderen Partnern zuwenden. Ich meine, dass das Herrn Gorbatschow in diesem Umfang auch nicht bewusst war. Auch er hatte 2014 keine Ahnung zu welchen Kriegsverbrechen Putin fähig ist.

Aber ja ! Gerade wir in Ostdeutschland sollten Gorbi dankbar sein !

Bevor es jetzt wieder zu Relativierungen kommt: Ich kann mich nicht erinnern, dass Europa oder die Nato Ungarn mit Invasion gedroht hätte, als Orban alles in der EU torpedierte, was (in seinen Augen) antirussisch war.
Klausi-NDH
10.05.2026, 19:47 Uhr
Es war einmal.....
Wenn man Kindern ständig das gleiche Märchen erzählt, glauben sie es irgendwann.
Bei Erwachsenen ,die sich nicht für's betreute Denken entschieden haben, sieht es schlechter aus.
Die ständige Wiederholung der russischen Betrohung wird ziemlich langweilig.
Wenn ich mich Recht erinnere,stehen deutsche Panzer an der russischen Grenze und nicht umgekehrt.
Jedesmal wenn Deutschland die stärkste konventionelle Armee hatte,war das Desaster nicht weit.
Sollte man sich mal überlegen.
Schönen Abend noch!
P.Burkhardt
10.05.2026, 20:06 Uhr
Deutschland als stärkste konventionelle Armee:
Das war 1914 und 1939 der Fall – hat aber mit der heutigen Lage praktisch nichts zu tun.

Und nein: Deutschland hat keine Panzer an der russischen Grenze (wie oben jemand schrieb).
Die Bundeswehr steht in Litauen, also an der Grenze zu Belarus bzw. zur russischen Exklave Kaliningrad. Das ist ein Unterschied, den man kennen sollte.

Das Ranking bei konventionellen Armeen sieht laut den üblichen militärischen Vergleichsindizes aktuell so aus
(Quellen: Global Firepower‑Index, SIPRI, IISS, NATO Defence Expenditure Report):

1. USA
2. Europa (EU + UK + CH + NO)
3. China
4. Russland

Neben der Truppenstärke zählt auch die wirtschaftliche Basis – und da steht Russland bestenfalls knapp über Schwellenland‑Niveau, was wirklich nicht so gut fürs Militär ist.

Was Russland im Ukraine‑Krieg bisher durchhalten ließ, ist vor allem der Umgang mit Soldaten als Verschleißmaterial. Masse statt Klasse.
Technologisch, taktisch oder logistisch ist Russland nicht überlegen – das Gegenteil ist der Fall. Die oft behauptete „stärkste konventionelle Armee Europas“ ist eher Mythos als Realität.

Die Ukraine liegt im internationalen Ranking übrigens auf Platz 18 – u. a. wegen der hohen gesellschaftlichen Verteidigungsbereitschaft und der Fähigkeit, moderne westliche Systeme schnell zu integrieren.

Ach ja...für Churchills-Schlachthaus-Zitat ("falsche Sau geschlachtet") aus dem Artikel gibt es im Übrigen keinen Nachweis, dass es wirklich aus dem Zigarrenrauchermund stammt... manchmal wird dieses "Zitat" auch Stalin zugeschrieben. Tatsächlich haben verschiedene Historiker das Zitat als Fälschung eingeordnet. Nichtsdestotrotz, passt es halt gut in bestimmte Narrative, deshalb taucht es immer mal wieder auf.
rasska86
10.05.2026, 21:31 Uhr
Danke Herr Reine..
für diese klugen, fairen und mahnenden Kommentar.
Es gibt leider viel zu wenig Menschen in Verantwortung, die für Frieden und wirkliches,friedliches Miteinander eintreten. Geschichtsvergessenheit, Hetze, einseitige Schuldzuweisungen und Selbstherrlichkeit dominieren die Politik in D , der EU.
P.Burkhardt
10.05.2026, 22:00 Uhr
teils, teils Rasska86:
Ich glaube, dass der Artikel ...und unser Gorbi... nicht unbedingt auf die heutige Situation anwendbar ist. Der Artikel ist recht einseitig und Gorbi leider verstorben:

Es ist richtig, dass Außenpolitik selten schwarz‑weiß ist. Aber gerade deshalb lohnt es sich, genauer hinzusehen:

Gorbatschow hat den Westen kritisiert — das stimmt. Gleichzeitig hat er aber auch klar gesagt, dass Russland nach 2014 eigene Entscheidungen getroffen hat, die nichts mit westlicher „Selbstherrlichkeit“ zu tun hatten. Die Annexion der Krim, der Überfall auf den Donbass und später der Angriff auf die gesamte Ukraine sind keine Reaktionen, sondern einfach eigenständige russischer Politik.

Frieden entsteht nicht dadurch, dass man Verantwortung einseitig verschiebt. Er entsteht, wenn man anerkennt, dass mehrere Faktoren eine Rolle spielen — aber eben nicht alle gleichwertig sind.

Wer heute von „Geschichtsvergessenheit“ spricht, sollte deshalb auch darüber nachdenken, dass Staaten wie Polen, Finnland oder die baltischen Länder nicht aus einer Vodka-Laune heraus, sondern aus Erfahrung Schutz gesucht haben. Das ist keine Hetze, sondern Realität.

Gorbatschow verdient Respekt - keine Frage. Aber Respekt bedeutet nicht, die Gegenwart durch die Brille der 1980er zu betrachten.
fso2020
10.05.2026, 22:41 Uhr
Gedanken zum Tag der Befreiung
Leider werden die, die ihre Lehren aus den Fehlern der Vergangenheit ziehen sollten, den Artikel niemals lesen, Einige eventuell bewusst falsch interpretieren oder erst garnicht die Zusammenhänge mit der derzeitigen Weltlage erkennen wollen.

Die Weltpolitik gerät immer mehr aus dem Gleichgewicht und es droht zu scheitern, was ein Gorbatschow und Andere mit ihrer Politik in den 80-er Jahren des vorigen Jahrhunderts eingeleitet haben, nämlich der friedlichen Koexistenz von Völkern, die in unterschiedlichen politischen Systemen leben, aber sich gemeinsam dem Frieden verpflichtet fühlen.
Der Kampf der politischen Systeme, Weltanschauungen und Religionen ist leider wieder in vollem Gange und droht unseren Planeten zu vernichten.

Einige Beispiele, die Anlass zum Nachdenken geben, gefällig?

Russland hat die Ukraine 2022 völkerrechtswidrig angegriffen, das ist ein Fakt.
Der Aufschrei der Weltgemeinschaft war folgerichtig, die Reaktionen und Bemühungen um eine dauerhafte Friedenslösung jedoch sind mindestens fragwürdig.
Doch was sind die wahren Gründe und Ursachen? Hat der Westen den Konflikt in Teilen mit zu verantworten, Stichworte Stellvertreterkrieg und NATO Osterweiterung?

Die USA und Israel führen seit geraumer Zeit Angriffskriege im Nahen Osten, die das Zeug dazu haben, die Weltwirtschaft ins Chaos zu stürzen und gleichzeitig einen weltweiten militärischen Flächenbrand auszulösen, auch ein Fakt.
Der Aufschrei der Weltgemeinschaft hält sich trotz der globalen Auswirkungen dieser Konflikte merkwürdigerweise in Grenzen.
Was sind hierfür die wahren Gründe und Ursachen?

In den ärmsten Regionen Afrikas toben brutale Bürgerkriege, ausgelöst durch Jahrhunderte alte Stammeskonflikte, die jeweiligen Gegner werden unterstützt von politischen und religiösen Unterstützern weltweit. Flüchtlingsströme sind eine der Folgen.
Die Menschen, die fliehen, wollen nur Eines: Leben!
Während die Bevölkerung verhungert, ist genügend Geld für Waffen und Munition vorhanden, noch ein Fakt.
Die Weltgemeinschaft schaut weitgehend untätig zu, Afrika ist ja weit weg.
Was sind hierfür die wahren Gründe und Ursachen? Geht uns Menschen die Menschlichkeit verloren?

Ich hoffe nicht!
rasska86
11.05.2026, 20:56 Uhr
P.Burkhard bitte genauer hinschauen !
Die Ereignisse um 2014 sind sehr wohl eine Reaktion auf die 20 Jahre davor.
Egon Bahr hat schon 1997 , vor der ersten Nato Osterweiterung, vor genau dem gewarnt, was dann später eingetroffen ist.
Wenn man natürlich alle Vorgeschichte, ob aus Unwissenheit oder Absicht, ausblendet, kann man zu ihrer Sichtweise kommen. Trotzdem bleibt sie einseitig und nach meiner Auffassung falsch. Gorbatschow wurde so lange bejubelt wie es notwendig war um die "Wiedervereinigung" zu erreichen. Nachdem das geschehen war, Gorbatschow entmachtet war, die russischen Truppen samt Militärtechnik D verlassen hatten, zeigte sich bald, wohin die westliche Außenpolitik steuert. Heute gibt's leider nur einseitige Schuldzuweisungen, keinerlei Empathie oder gar Einsichten zu eigenen Fehlern. Stattdessen unterstützt Europa einen Krieg , den sie selbst mit verschuldet haben. Ich halte das für ziemlich verlogen.
P.Burkhardt
11.05.2026, 23:30 Uhr
ich verstehe Ihre Sichtweise @Rasska
Natürlich gab es vor 2014 eine Vorgeschichte - das bestreite ich nicht. Aber eine Vorgeschichte ist keine Entschuldigung für das, was Russland danach getan hat. Auch Egon Bahr hat nie gefordert, dass man Völkerrecht nach Lust und Laune aussetzt, wenn man (Russland) gerade unzufrieden ist.

Die Ukraine wurde nicht in Richtung Westen „gezogen“, sie hat sich bewegt - und zwar, weil Russland ihr einfach kein attraktiveres Angebot gemacht hat. Wer Partner will, muss partnerschaftlich auftreten. Wer aber Druck, Erpressung und Gewalt einsetzt, erzeugt eher Angst und Vorsicht... aber keine Nähe. Das ist keine Ideologie, sondern einfache, politische Logik - etwas, was Putin offensichtlich fremd ist.

Dass Gorbatschow im Westen gefeiert wurde stimmt. Aber er wurde nicht „benutzt“, sondern eher respektiert - gerade eben weil er Reformen zugelassen und voran getrieben hat, die Millionen Menschen (u.a. uns in der DDR) Freiheit gebracht haben. Die heutige russische Führung hat damit absolut nichts mehr zu tun. Das ist der entscheidende Unterschied.

Und ja: Fehler des Westens kann man aufzählen - es gab reichlich. Nur ändert das nix daran, dass die Annexion der Krim, der Krieg im Donbass und der Angriff 2022 eigenständige Entscheidungen Russlands waren (s.o.) -nicht zwangsläufige Folgen der 1990er. Verantwortung bleibt Verantwortung, auch wenn die Welt komplex ist.

...und Rasska86... ich finde Ihre sachliche Art der Argumentation wirklich erfrischend. Sie unterscheidet sich von dem sonstigen Gerede hier in wohltuender Weise - auch wenn wir verschiedener Meinung sind ;-)
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