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Do, 17:25 Uhr
10.06.2021
Übern Tellerrand geschaut: Farbverwirungen in Erfurt

Bunt-Weiß statt Rot-Weiß

Der Juni ist ja bekanntlich der "Pride Month“. Deshalb wollten die Verantwortlichen des größten Fußballclubs der Landeshauptstadt, einstiger DDR-Meister und Europacup-Teilnehmer, ein deutliches Zeichen für Toleranz, Vielfalt und gegen Diskriminierung setzen…

Die Regenbogenfahne oder auch LGBTQ-Flagge (Foto: Clker-Free-Vector-Images auf Pixabay ) Die Regenbogenfahne oder auch LGBTQ-Flagge (Foto: Clker-Free-Vector-Images auf Pixabay )

Im einzigen Bundesland mit einer sozialistischen rot-rot-grünen Regierung und einem linken Ministerpräsidenten sollte das möglichst öffentlichkeitswirksam und nachhaltig geschehen. Weil ihr Vereinsname nun ohnehin von Farben geprägt ist, beschlossen die rot-weißen Verantwortungsträger, die rote Farbe im Vereinslogo für den „stolzen Monat“ Juni durch die Farben des Regenbogens zu ersetzen. (In politisch korrekter Sprache heisst das allerdings nicht mehr „Regenbogen-Fahne“, sondern „LGBTQ+ Flagge“). Diese Buchstaben stehen für Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transsexuelle und queere Menschen.

Das Fußball-Internet-Portal FuPa konstatierte nach der Ausführung der außergewöhnlichen Stellungnahme „ein kleines Social-Media-Gewitter“, das die mit den Anhängern des Vereins nicht abgesprochene Aktion ausgelöste habe. Die Bezeichnung „shitstorm“ wäre für dir heftigen Reaktionen der Rot-Weiß-Fans und der Vereinsmitglieder aber auch nicht völlig falsch gewesen.

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Dabei kritisieren die Anhänger hauptsächlich die Tatsache, dass an das ihnen heilige Symbol ihres geliebten Vereins Hand angelegt wurde.
Von Vereinsseite wurde daraufhin Einsicht signalisiert und der Vorstand erklärte öffentlich: „Wir verstehen, dass für die Kommunikation unseres Standpunktes die Anpassung des Logos nicht zwingend notwendig war“. Als Alternative zur neuen Farbgebung des rot-weißen Wappens wurde kurzerhand der Hintergrund des traditionellen rot-weißen Vereinslogos in die Regenbogenfarben gefärbt.

Die meisten Fans, ursprünglich mehr an ihrem Verein und dem Fußballsport interessiert als an sexuellen Solidaritätsbekundungen ihres Präsidiums, sind jedoch weiter aufgebracht und verstehen eine solche Politisierung des Vereinslebens nicht. In den sozialen Netzwerken gehen die Meinungen folglich weit auseinander. Während die einen angesichts der teilweise harschen Kritik sofort „die Faschos aus den Löchern kriechen“ sehen, fragen sich andere sarkastisch, wann denn der ukrainische oder schwedische Monat käme, zu dem der Verein Stellung beziehen und den Hintergrund dann blau-gelb einfärben müsste.

Ganz in der festen Überzeugung moralischer Überlegenheit und eine wichtige solidarische Haltung offenbart zu haben läßt sich der Vereinsvorstand in seinem Handeln aber nicht anfechten und verkündet auf der Vereinsseite: "Ohne von unserem Ziel, weiterhin ein Zeichen für Vielfalt und Toleranz zu setzen, abzuweichen, werden wir die Farben der LGBTQ+ Flagge in einem anderen Rahmen weiterhin auf unserer Homepage und auf unseren Social-Media-Kanälen präsentieren. Die Farben fassen ab sofort und bis einschließlich 30.06.2021 das Logo des FC Rot-Weiß Erfurt ein. Der FC Rot-Weiß Erfurt steht für Vielfalt und Toleranz und wird sich immer wieder gegen sämtliche Formen von Diskriminierung aussprechen. Die Kritik an der Änderung des Logos können wir nachvollziehen, die Kritik an der Aktion als solche jedoch auf keinen Fall. Kommentare unter den Social-Media-Beiträgen, die beleidigend oder diskriminierend sind, werden auch zukünftig nicht geduldet.“

Ob die Spieler der ersten Männermannschaft ihr anstehendes Pokalspiel in regenbogenfarbenen Leibchen, Hosen und Stutzen antreten oder die wahrscheinlich wieder zugelassenen Fans am Stadioneingang mit persönlichen Regenbogen-Winkelementen ausgestattet werden, ist noch nicht bekanntgegeben worden. Aber der „Pride month“ hat ja auch erst begonnen.
Olaf Schulze
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Kommentare

10.06.2021, 19.30 Uhr
Trüffelschokolade | Trauerspiel
Die Tatsache, dass RWE dazu steht, dass ihnen alle ihrer Fans wichtig sind, und nicht nur Bestimmte, ruft beim Schreiber als auch bei einigen Fans Empörung hervor.
Wenn Leute dann mit Hass ankommen und RWE zurückrudert, wird sich hier noch abschätzig drüber geäußert. In sozialen Medien beim RWE stehen ohne Moderation abschätzige und schlichtweg auch beleidigende Kommentare, die angekündigte Moderation durch RWE findet nicht statt.
Ein Trauerspiel.

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10.06.2021, 20.00 Uhr
tannhäuser | Herr Schulze...
...die wütenden Fans haben auch am Stadionzaun ein Protestbanner platziert.

Ich war überrascht, davon erstmalig vor 3 Tagen auf der Seite der Jungen Freiheit zu lesen.

Ich will hier nichts rechtfertigen, aber wenn ein Verein, der seit Jahren sportlich und finanziell nichts mehr auf die Reihe bekommt, sich wundert, dass es Fans gibt, die andere Begehrlichkeiten als den Pride Month haben, hat sich wohl sehr weit von seiner Basis entfernt.

Und das alles ist Ausdruck von Wut und Enttäuschung und hat nichts mit kollektiver Homophobie zu tun.

Trüffelschokolade, war das denn eine offizielle, vom Verein betreute Plattform, auf der Sie lasen? Da gibt oder gab es zu meiner Zeit 2 so genannte Communitys (Nicht bei Facebook), die von RWE geduldet, aber nicht moderiert wurden.

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11.06.2021, 07.37 Uhr
Flitzpiepe | Ist doch schön
wenn die RWE Fans und Herr Schulze keine anderen Probleme haben.
Wie stünden die Wacker Fans denn dazu, wenn das Wacker gemacht hätte?
BTW: Was sind Farbverwirungen?

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11.06.2021, 12.10 Uhr
Mueller13 | Dem Zeitgeist hinterher irren
Das kommt eben dabei raus, wenn man seine Zielgruppe nicht kennt. Also als Verein in totaler Unkenntnis der Realität lebt.
Der Ami nennt das "Get woke go broke". Letztendlich ist es ein dümmliches Hinterherlaufen des Zeitgeistes. Dass der ordinäre Fussballanhänger (im Sinne von gewöhnlich) nichts mit dem HomoGloboFreudenfest der woken Gesellschaft anfangen kann und damit bestenfalls nicht belästigt werden will, ist den Verantwortlichen bei RWE offenischtlich nicht in den Sinn gekommen.

Sexualität spielt im Fussball keine Rolle. Und das ist gut so. Weder als Fan noch als Aktiver interessieren mich die sexuellen Orientierungen und Toleranzbekundungen der Vorstandsmitglieder eines Vereins. Dabei sollte es auch bleiben.

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11.06.2021, 13.10 Uhr
RWE | Flitzpiepe
genausogut könnte ich fragen, ob der Vorstand des e.V. keine anderen Probleme hat. Man muß zwischen GmbH und e.V. unterscheiden. Gerbers GmbH hat damit nichts zu tun und die genannte GmbH wird auch professionell geführt.
Wacker und RWE-Fans haben gar nicht so unterschiedliche Mentalitäten.
Die Diskussionen würde es auch hier geben.

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11.06.2021, 14.17 Uhr
Flitzpiepe | Die Aussage
'Sexualität spielt im Fussball keine Rolle.' ist doch wohl grundlegend falsch.
In welcher Realität lebt ihr? Oder muss man an den Satz noch anfügen '... solange man Hetero ist' ?
Gerade der Aufschrei der sogenannten Fans zeigt doch, dass es eben doch ein großes Problem ist, wenn man die 'falsche' Sexualität hat und sich outet.
Wie sieht es denn bei den Spielern, also den 'Betroffenen', des RWE aus?
Stehen die hinter der Aktion der Vereinsführung oder lehnen die das auch ab? Wussten sie davon?

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11.06.2021, 14.18 Uhr
grobschmied56 | Dem aufgesetzten Regenbogen...
...Wohlfühl-Getue haben einige Fans einen handfesten Kommentar verpaßt:

' Euer #Pridemonth interessiert uns einen Sch****,
unsere Farben bleiben rot und weiss!'

Die Anhänger wollten damit wohl ausdrücken, daß man nicht jedem überspannten Modetrend und Firlefanz aus den umnachteten Staaten von Amerika hinterherrennen muß.

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11.06.2021, 16.49 Uhr
RWE | Flitzpiepe,
hinter der Aktion steht die Vereinsführung des e.V. Und wenn man sich die Mühe macht die Personalien zu googlen fällt mir besonders ein Name ein.
Herr Gerber von der Spielbetriebs GmbH hat sich aus diesem Streit bisher herausgehalten.

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11.06.2021, 20.16 Uhr
Flitzpiepe | Das beantwortet meine Frage nicht
Ich stelle sie nochmal anders, denn scheinbar hat RWE sie nicht verstanden.
Wie stehen die Spieler zu der Aktion der Vereinsführung? Unterstützen sie sie?
Waren die Spieler mit involviert?

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11.06.2021, 20.28 Uhr
Trüffelschokolade | Geschichte
Die guten Teutschen hier zeigen hier immer wieder wie wenig Ahnung sie eigentlich von der Geschichte des Landes haben.

Der vermeintliche Modetrend und Firlefanz aus den USA hat seinen vor allem in Deutschland - sei es Karl Heinrich Ulrich als einer der Urväter der modernen Homobewegung und rechtlichen Gleichstellung, sei es Magnus Hirschfeld, der bekannteste Sexualwissenschaftler und Vorkämpfer von Menschen fernab einer "heteronormativen" Gesellschaft. Selbst die Verwüstung des Instituts für Sexualwissenschaften durch die Nazis konnte dem Ganzen kein Abbruch tun, gingen die entsprechenden Wissenschaftler doch in andere Länder wie die USA und arbeiteten dort weiter, was später auch nach Deutschland zurückwirkte. Berlin und Deutschland als Ursprung moderner homosexueller Bewegungen war auch in den USA lange ein Ideal und Motivation für die entsprechenden Aktivisten auch in den USA. Heutzutage bringen sie nicht wenig Geld durch Tourismus ins Land.

In der Hinsicht war die DDR im Übrigen weiter als die BRD. Übernahm die BRD die verschärfte Nazi-Fassung und verfolgte Zehntausende auch nach der Befreiung, übernahm die DDR den vorherigen Paragraphen aus der Weimarer Republik. Gleichzeitig wurde früher entkriminalisiert in der DDR, noch vor der BRD ein Transsexuellengesetz verabschiedet, etc. Das Ganze weitgehend ohne Einfluss aus den USA.
Mittlerweile ist es fast umgekehrt: einige reaktionäre amerikanische Stiftungen fördern mittlerweile homofeindliche Umtriebe in Europa mit dem Ziel die Gesellschaften weiter zu spalten.

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11.06.2021, 20.54 Uhr
Trüffelschokolade
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14.06.2021, 16.43 Uhr
tannhäuser | Ihre guten Teutschen...
...haben allerdings ebensowenig mit Fankultur zu tun wie niederkniende Nationalspieler, Trüffelschokolade.

Aber jetzt könnten Sie natürlich über pfeifende englische Fans und nicht niederkniende Holländer und Osteuropäer bei der EM fabulieren.

Und damit würden Sie weiterhin wie bisher am Thema vorbeischreiben, weil Sie Theoretiker*In bezüglich Emotionalität sind.

Der NFL-Profi Kaepernick, der damals unfreiwilig diesen ganzen Zauber mit dem Niederknien ausgelöst hat, wollte persönlich gegen Trump protestieren und keine Weltrevolution für alle Profisportarten auslösen.

Dass wegen Floyd BLM ins Leben gerufen wurde und jeder Dealer, Frauenschläger und Vergewaltiger plötzlich allein wegen seiner Hautarbe von den nicht dunkelpigmentierten Menschen angebetet werden soll, hatte er nicht im Sinn.

Und ebenso ist es albern, wenn Sie glauben, gegenüber Fußballfanszenen das Sprachrohr für eine Community geben zu müssen, die einfach auch nur unbehelligt Fußball spielen möchte oder dem Spektakel beiwohnen, ohne die eigene Sexualität offen zur Schau zu stellen.

Die regenbunte Verhunzung des Emblems war ein überflüssiges gutmenschliches Eigentor.

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